Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 101 (22.12.1892)
- Date
- 1892-12-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1940 tirte der Redner den Ausspruch eines großen englischen Staatsmannes in Bezug auf die relativen Errungenschaften Grtechenland's und Judäa's wie folgt: „Griechenland besaß Tapferkeit, Politik, Ansehen, Genie, Witz und Weisheit, mit einem Worte Alles, das die Welt ihm geben konnte; aber die Blumen des Paradieses, die sparsam blühen, blühten in Palästina allein. Alle Wunder der griechischen Civilisation zusammen sind minder wundervoll als die Psalmen." Er ermahnte die Gemeinde, die Jugend in der Thora und Geschichte unseres Volkes sorgfältig unterrichten zu lassen, selbst zu lernen und, was die Hauptsache ist, nach der Lehre Gottes zu handeln und der Außenwelt durch ihre Handlungen die Reinheit und Erhabenheit der Grundsätze des Judenthums zu zeigen. Irland, sagt man, sei das einzige Land in der Welt, das der Judenverfolgung nicht angeklagt werden kann. Nach Beendigung der Predigt wurde eine Geldsammlung eingeleitet und wurde eine beträchtliche Summe erzielt, um die Schuld von L. 2000 zu tilgen, die auf dem Gebäude noch haftet. DieGesammtkosten, einschließlich des Ankaufes des Grundes, belaufen sich auf 5000 L. Sterling (l0O,0O0 M.) Mit dieser Synagoge ist auch ein großes Schulgebäude verbunden, das nötigenfalls auch zur Erweiterung derselben verwendet werden kann. Die Dubliner Tagesblätter ohne Ausnahme sprechen sich höchst günstig über die ganze Feierlichkeit aus, namentlich betonen sie die schwung- und eindrucksvolle Rede des Herrn Oberrabbiners, den sie als einen musterhaften Kanzelredner bezeichnen. In gleicher Weise bekunden sie die große Sympathie mit dem jüdischen Volke, welches sie als diejenige Nation darstellen, der die ganze. Welt zum Danke verpflichtet ist. — Das ganze Ereigniß stellt sich als ein echtes nvn tcnnp heraus. — Möchten sich doch die Antisemiten ein Beispiel und eine Lehre davon nehmen und zur besseren Einsicht gelangen!" .orvrvo»nö Dnsy n« vom: mpn Palästina. Haifa, 9. Dez. Gestern wurde der erste Spatenstich zum Bau der Eisenbahn, welche Haifa mit Damascus verbinden soll, gethan. Die Feierlichkeit wurde am Berge Carmel abgehalten. Die Gemahlin des Präsidenten der Eisenbahngesellschast, Frau Pilling vollzog die Feierlichkeit in Gegenwart der böchsten türkischen Beamten des Distrikts und 15,000 Zuschauern. Am Abend waren die Spitzen der Gesellschaft mit den türkischen Beamten zu einem Festmahl vereinigt. ■¥• Vermischtes. <4- Mainz, 18. Dezember. Dieser Tage waren es 38 Jahre, daß Herr Joseph Koch hier im 3. isr. Krankenvereine das Ehrenamt eines Krankenhausdirectors bekleidet. Herr Koch versieht diese Stelle in aufopferungsvoller Weise, die erkrankten Mitglieder werden von ihm regelmäßig besucht und erforderlichen Falls mit den vom Verein gebotenen Unterstützungen pünktlich versehen. Der Vereinsvorstand veranstaltete heute zu Ehren des Herrn Koch ein Festessen und überreichte ihm unter Worten der Anerkennung und des Dankes einen mit entsprechender Inschrift versehenen silbernen Becher. Der Vater des Herrn K., der vor etwa drei Jahrzehnten verstorbene Victor Koch Ps"7 war Mitbegründer und Rabbi des Vereins gewesen. Reichelsheim i. O. An einem Sonntage im September begegneten 3 junge Burschen von hier, Anhänger von Böckel, zwischen Reichelsheim und Eberbach, ein antisemitisches Lied singend, dem jungen israel. Handelsmann Julius Neu von Fränkisch-Crumbach, ohne jegliche Veranlassung fingen sie sofort an, denselben durch antisemitische Zurufe zu verhöhnen und dann auch thatsächlich zu mißhandeln. Dafür erhielten zwei, welche schon vorbestraft waren, Gefängnißstrafen von 10 bezw. 8 Wochen und der dritte, der noch unbestraft war, eine solche von 6 Wochen. Der Großh. Staatsanwalt hatte 4 bezw. 2 Monate beantragt. Das sind die Früchte Bockel'scher Aussaat. Margottin. (Provinz Posen.) Am 22. November verstarb hier im 82. Lebensjahre der Rentier Gerson Horwitz. Die kleine Gemeinde verliert in ihm sein ältestes und treues Mitglied: den O'viri -op2-Verein, dem der Verblichene von Jugend auf bis zu seinem letzten Athemzuge angehörte, bedachte er mit einem Leichenwagen. Wohl- Ihäligkeitssinn und wahre Menschenliebe waren ihm eigen. Ehre seinem Andenken! Fürth. Der von ca. 15, den hiesigen maßgebenden orthodoxen Kreisen völlig fernstehenden jungen Leuten begründete neue gesellige Verein hat es bis jetzt auf eine Mitgliederzahl von 20 gebracht und dürfte hiermit voraussichtlich seinen Höhepunkt erreicht haben, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß die hiesige orthodoxe Gemeinde mehrere hundert Mitglieder zählt. Das Verlangen nach einem solchen Verein scheint also in hiesiger Gemeinde nicht so groß zu sein. Zielenzig. Am oro D"’ (8. Dezember) feierte das Gottschalk'sche Ehepaar das seltene Fest der goldenen H och zeit. Das Jubelpaar erfreut sich der besten Gesundheit. Die Festlichkeit wurde im Kreise der Kinder, Kindes-Kinder, sowie der ganzen isr. Gemeinde und Spitzen der Behörde gefeiert. Sr. Majestät der Kaiser und König sandte ein Ehren-Geschenk, welches durch Herrn Lehrer Kanstein mit einer warmen Ansprache dem Jubelpaar überreicht wurde. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Koh«, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (38. Fortsetzung.) „Vorerst wurde die Untersuchung gegen Onkel Elkan geführt. Meine Mutter, die sich damals noch in dem Besitze ihres von ihren Eltern ererbten großen Vermögens befand, konnte sich durch Bestechung der käuflichen Unterbeamten, über den Gang derselben, fortwährend im Laufenden erhalten und sie berichtete mir Alles, was sie erfuhr —