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Der Israelit · 1892-12-22 · Heft 101 (22.12.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 101 (22.12.1892)
Date
1892-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1939 hin den Israeliten zu gestatten, daß sie sich in den Ortschaften, die sie zur Zeit der Einberufung bewohnen, stellen dürfen. Anbei einige Einzelheiten dieses Gesetzes: „Die Einschreibung der Juden geschieht am Ort ihres Aufenthalts oder ihrer Beschäftigung, von ihrem Geburtsort wird in dieser Hinsicht keine Notiz genommen. „Sobald die Militärbehörde dem jungen Manne die Einberufung an seinem Aufenhaltsort gewährt, wird dieselbe die städtische Behörde davon unterrichten müssen, die es ihrerseits alsbald der heimatlichen Behörde des jungen Mannes anzuzeigen hat. Diese letztere Behörde wird alsbald den Namen des jungen Mannes aus ihren Listen zu streichen haben. Im Falle diese Behörde bereits die Listen der jüdischen Rekruten bei der Militärbehörde abgegeben haben sollte, und es zu spät sei, um die Streichung vorzunehmen, muß sie hiervon die Militärbehörde in Kenntniß setzen." Wenn diesem neuen Gesetz gehörig Folge geleistet wird, ist anzunehmen, daß die Zahl der israelitischen Flüchtlinge dieselbe sein wird wie bei den Nichtjuden. England. London, im Dez. Das Comite zur Unterstützung russischer Juden hielt neulich mit zwei anderen jüdischen Comites unter dem Vorsitze des Abgeordneten Sir Julian Goldsmid eine Konferenz ab, in welcher der Rechenschaftsbericht für das vorige Jahr verlesen wurde. Darnach sind in dem erwähnten Zeitraum mehr als 30,000 Lstr. ausgegeben worden. Die Zeitschrift „Darkest Russia", welche die russischen Scheußlichkeiten gegen alle Nicht-Orthodoxen aufdeckt, ist in 30,000 Exemplaren monatlich in Europa, Indien und den englischen Kolonien vertheilt worden. Sir Julian wies insbesondere auf den, von uns schon vor einiger Zeit inhaltlich mitgetheilten Bericht der nach Rußland gesandten amerikanischen Kommissare hin, welche alles das, was über die Verfolgung der Juden in Rußland erzählt worden ist, bestätigt haben. Aus London wird der „Post" vom 5. d. M. geschrieben: Hierher gelangte Nachrichten aus Odessa avisiren eine erneute größere Einschiffung von russischen Juden. 2700 dieser Leute, durchweg ohne Subsistenzmittel, sind für die nächsten 14 Tage für England als Passagiere eingeschrieben. Daß dieselben meist nach London kommen, ist gewiß; es bleiben nur wenige in den anderen großen Hafenstädten. Die Frage, was in der gegenwärtigen rauhen Jahreszeit mit den vielen Arbeitslosen anzufangen ist, macht rasches Einschreiten nothwendig. — Nach einem Bericht des „Evening Standard" erschienen am Sonnabend unter Führung des bekannten jüdischen Agitators Lewis Lyons ein Haufen obdachloser und arbeitsloser Juden Whitechapels auf Tower Hill, um dort ein Specialmeeting abzuhalten. Lewis Lyons sagte, daß allein in Whitechapel in der Schuhwaaren- und Kleiderfabrication ca. 15000 jüdische Arbeiter vollkommen brotlos und dem größten Elend verfallen seien. Er sagte daß Eltern umhergingen, um ihre hungernden Kinder zu verkaufen oder sie nur auf irgend eine Weise loszuwerden. Portsea. Vorige Woche unternahm der Oberrabbiner Herr Dr. H. A d l e r '"j eine Pastoral- Rundreise nach den verschiedenen von Juden bewohnten Städten in Irland, als: Limerick, Jork, Belfort und Dublin. In ersterer Stadt haben sich ungefähr 30 Mitglieder, meistens russische Einwanderer niedergelassen und ernähren sich daselbst. Der Chief-Rabbi predigte in der dortigen Synagoge und nahm zum Text: urw oitem no^n „Liebet Wahrheit und Frieden." — Am darauffolgenden Freitag kam er in Dublin an und wurde am Bahnhof von dem Gemeindevorstand empfangen. Sabbat Morgens war die alte Synagoge so voll von Andächtigen, daß Viele keinen Einlaß finden konnten. Es war dies eine denkwürdige Gelegenheit, da dies der letzte Gottesdienst in dieser Synagoge war. Der Oberrabbiner sprach in beredsamer und rührender Weise von den mannigfachen Scheidungen und Trennungen auf Erden, ermahnte die Zuhörer zur Einigkeit und Freundschaft, zur Religiosität, zum Studium der Thora und zur Rechtschaffenheit. Die Rede war theils in Englisch und theils in Jüdisch-Deutsch zum Verftändniß der neu eingewanderten russischen Juden. Am Sonntag darauf, um 3 Uhr Nachmittags fand die Einweihung der neuen Synagoge statt. — Das allgemeine Publikum nahm so großes Interesse an diesem Ereignisse, daß die Ausgabe von Einlaßkarten bedeutend beschränkt werden mußte, da sehr viele Christen sich darum beworben. Unter den Anwesenden befanden sich der Propst des College, der oberste Richter (Lord Chancellor), der Generol-Procurator, der Lord-Mayor und viele Andere von der Elite der Stadt, theils dem Richter- und theils dem ärztlichen und Handelsstande angehörend. Der Gottesdienst war ein höchst feierlicher. Nach Absingung von Psalmen und den üblichen Umgängen bestieg Herr Dr. Adler die Kanzel, skizzirte in meisterhaften Worten die Geschichte der Juden in Dublin, beschrieb die Ursachen, die zur Erbauung einer neuen Synagoge führten und das unermüdliche Wirken derer, die das Werk zu Stande gebracht haben. Den hohen, heiligen Zweck eines Bethauses zu Gemüthe führend, quo-

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