Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1892)
- Date
- 1892-12-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448312--35417-2483400- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1929 Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Leipzig, 8. Dez. (Verurtheilung eines Antisemiten.) Das Schöffengericht Zerbst verurtheilte den antisemitischen Redner Alex. Wald (Redacteur der Zeitschrift „Jung-Deutschlaud" in Leipzig) wegen öffentlicher Beleidigung des Gerichtshofes zu Cleve, der über den Buschhoff-Proceß verhandelte, zu 100 Mk. Geldstrafe. Landgerichtsrath Brixius, vom Xantener Knabenmordprozeß her bekannt, ist, wie die Krzztg. aus Cleve erfährt, um seine Entlassung eingekommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 7. Dez. (Talmud-Thora-Schule) Sonntag fand die feierliche Eröffnung der neuen Schullocalitateu der hiesigen Talmud-Thora-Schule in der Laugen Gasse statt. Zu der Feier hatten sich eiugefimden die Herren: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, dessen Stellvertreter Rabbiner Dr. Tauber, der Präses-Stellvertreter der israelitischen Enltusgemeindc-Rcpräscntanz Dr. Bendiener, die Mitglieder der Talmud-Thora- Commission und der gesammte Lehrkörper. Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld hielt eine schwungvolle Ansprache, in welcher er hervorhob, daß es eines der kostbarsten Güter sei, welche in diesen Räumen geboten werden: die Kemitmß der hebräischen Sprache, die Kenntnis; der biblischen Geschichte und die Lehren der heiligen Schrift, und daß das, was die Schüler und Schülerinnen hier lernen, denselben für ihr ganzes Leben als bleibende Errungenschaft dienen soll. Der Redner dankte Allen, die an der Acquisition der neuen freundlichen Schullocalitäten mitgcwirkt haben, und sprach den Wunsch aus, daß die Schule bestens gedeihen möge. Herr Dr. Bendiener begrüßte hierauf Namens der Enltusgemeiiide- Repräsentanz die zahlreichen Schüler und Schülcrinueu, deren sich bis jetzt schon an 400 cinschreibeu ließen, und die dadurch, daß sie neben ihren obligaten Gegenständen Zeit und Mühe dem widmen wollen, was hier gelehrt wird, ihre Anhängigkeit an den Glauben der Väter und an die Sprache der heiligen Schrift, sowie ihr religiöses Gefühl bekunden. Er citirte eine Aeußcrung des Eunomos, der den Feinden des Judenthums gesagt haben soll: „Wenn Ihr die Juden vernichten wollet, zerstöret ihre Schulen; so lange die Juden Schulen haben, in denen das Wort Gottes gelehrt wird, könnet Ihr ihnen niemals beikommcn." Redner ermahnte die Schüler und Schülerinnen zur Achtung vor den Lehrern, zum Fleiße, zur Aufmerksamkeit und zu einem ruhigen und anständigen Benehmen, wie es der Stätte geziemt, in der das Wort Gottes gelehrt wird. In der Mädchenabthcilung hielt Herr Rabbiner Dr. Tauber eine gediegene Ansprache an die Mädchen, den großen Werth des jüdischen Religionsunterrichtes für die Mädchen als zukünftige Frauen hervorhebeud. Nachdem für den Lehrkörper die Herren Springer und Rabbiner Dr. Kisch den Dank für die Errichtung der Schule ausgesprochen und um ferneres Wohlwollen gebeten hatten, schloß die Feier in beiden Abtheilungen mit der Absingung der Volkshymne und einem Dankgebete für den Kaiser als den Spender der Schulgesetze. Persien. Teheran, im November. Unsere Glaubensbrüder in Hamadan (pon) befanden sich vor wenigen Tagen erst in einer großen Gefahr. Ein Klostermönch (Kaziz) daselbst, Namens Abdullah, hatte nämlich in den Straßen öffentlich gepredigt, daß nur die Juden schuld daran seien, wenn die Preise des Fleisches und der Lebensmittel plötzlich in dte Höhe gingen, und forderte er daher das Volk auf, die Juden aus der Stadt zu vertreiben. Die Bevölkerung Hamadan's zeigte wirklich schon Lust, den Rath dieses fanatischen Mönches zu befolgen, was die Juden dort in die größte Angst versetzte. Sie wandten sich telegraphisch an den Großvezier, ebenso auch an den englischen und französischen Gesandten hier und zu gleicher Zeit auch an die Anglo- Jewish Association in London um Hilfe. Der Schah ließ sogleich den Muschtahid (Tnrwo) d. h. den großen Zeugen des Glaubens, welcher das religiöse Oberhaupt der Perser ist, in den Palast kommen und beauftragte ihn, unverzüglich nach Hamadan zu telegraphiren, damit die dortige Geistlichkeit dem Treiben des Mönches Abdullah rasch ein Ende macke. Letzterer wurde auch richtig sogleich in einem Kloster internirr, und ihm so das Predigen auf den Straßen unmöglich gemacht. Der Pöbel Hamadan's wollte nun das Kloster stürmen und Abdullah wieder befreien. Der Gouverneur der Stadt hatte jedoch schleunigst die Garnison daselbst allarmirt und kleinere Abtheilungen derselben mit gefälltem Bayonette ausrücken lassen. Dieses wirkte sehr abkühlend auf die erhitzten Gemüther und die Bevölkerung begann wieder sich zu zerstreuen. Seit damals herrscht wieder vollständige Ruhe in Hamadan und konnten die Juden daselbst ihr Sukkothfest in vollster Ruhe feiern. Dieselben haben schon aus Erkenntlichkeit ein Dankestelegramm an den Großvezier Emin El-Sultan abgeschickt. -£» Vermischtes. Karlsruhe. Ende voriger Woche feierte hier der israelitische Oberrath Benjamin Millstätter sein 50jähriges Dienstjubiläum als Stadt- und Bezirksrabbiner. Von S- K. H. dem Großherzoge wurde dem Jubilar das Kommandeurkreuz 2. Klaffe des Ordens vom Zähringer Löwen verliehen. Rimpar. Es war ein schmerzlicher Gang, von dem ich soeben zurückkehre. Einen braven, frommen Jehudi haben sie heute ins kühle Grab gesenkt, pndsnh min’ p 'nn ist nicht mehr, Gott hat ihn zu sich genommen. Wahrlich, er hat es verdient, daß ihm in Ihrem geschätzten Blatte ein Denkstein gesetzt werde, denn von den Grundsäulen unserer heiligen Religion, von rT'H min war sein ganzes Leben erfüllt. Ein aufmerksamer Schüler des pj lernte er frühzeitig mit einer Geistesschärfe