Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1892)
- Date
- 1892-12-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448312--35414-2483397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
OCR text
1926 mal in seinem Leben Wort. Er ginq nach Ansbach und trat dort unter dem Namen Christhold zum Christenthum, zum Protestantismus über. Der erste Schritt, den er als Neophite unternahm, war, daß er sich bet den Feinden meines Oheims als Bundesgenosse meldete. Christhold-Fränkl ist ein ungemein schlauer Mann und wußte sich trotz seiner ursprünglichen Unbedeutenheit rasch Einfluß und Geltung zu verschaffen. Er wußte, daß die erste Denuncialion gegen Elkan Fränkl beim Markgrafen ohne Erfolg geblieben und versicherte, daß jede gegen ihn gerichtete Klage so lange sich sein Bruder in der Gunst des Fürsten sonne, ein gleiches Schicksal haben werde. Die Angriffe müßten gleichzeitig gegen beide Brüder gerichtet werden. Er, — der lange Zeit im Schooße der Familie gelebt, kenne deren Geheimnisse und er allein sei im Besitze der Mittel, die beiden im Fürstenthume Ansbach allmächtigen Bruder zu stürzen." „Empörend!" rief Markbreiter, „ich hatte es es für unmöglich gehalten, daß ein Mensch so undankbar, so bodenlos niederträchtig sein könnte!" „Es wurden nun dem Markgrafen gleichzeitig zwei Anklagen, eine gegen Onkel Elkan, die andere gegen meinen Vater überreicht. Dem Onkel wurde vorgeworfen, er hätte Dispositionen über bessere Einrichtungen des Staates concipirt und dem Landesfürsten vorgelegt, hätte vor Zeugen Ungünstiges über den Markgrafen gesprochen, hochverräterische Correspondenzen geliefert, Judentaufen verhindert, mit Frauenzimmern verdächtige Conversationen geführt, sich Cassendefekte an Staatsgeldern zu Schulden kommen lassen, endlich ein Gebetbuch besessen und aus demselben gebetet, das Schmähungen gegen die christliche Religion enthielt. Wertheimer unterbrach Rafael Fränkl: „Ich mag Sie wohl mißverstanden haben, — man klagte Ihren Oheim an, er hätte Dispositionen über bessere Staatseinrichtungen dem Landesfürsten vorgelegt!? .... Das war ja höchst lobenswert!" „Herr Oberhoffaktor, ich verbürge es mit meinem Ehrenworte, daß die Anklagepunkte genau so, wie ich sie angeführt habe, lauteten. *) — Die Denunciation enthielt zwar zum großen Theile nur eine Wiederholung der in der ersten vorgebrachten Gravomma; allein dieselben erlangten dadurch ein weit größeres Gewicht, daß sie diesmal von einem Verwandten und ehemaligen Glaubens- und Hausgenossen der Fränkl ausgesprochen wurden, welcher behauptete durch Vistone und überirdische Erscheinungen zu der Erkenntniß gelangt zu sein, daß er bisher in den Banden des Unglaubens gelegen. Wenn es z. B. dem Markgrafen früher mit Recht als lügenhafte Verleumdung erscheinen mußte, wenn behauptet wurde, der kluge vorsichtige Elkan Fränkl hätte vor Fremden geringschätzig über ihn gesprochen, konnte er es bei seinem Argwohn und Mißtrauen schon eher glauben, wenn der Verwandte es beschwor, daß Elkan Fränkl dies im Kreise der Seinen, wo er keinen Verrath befürchtete, gethan. Gegen meinen Vater, der sich nie in Staatsgeschäften gemischt und seinen Einfluß auf den Markgrafen nur dahin verwendet hatte, Menschenelend zu lindern, konnte selbst der racheschnaubende Christhold-Fränkl — wenn seine Anklage irgend wie glaublich erscheinen sollte, — nichts anderes anführen, als: daß sich mein Vater im Besitze abergläubischer, h ebr äischer Büch er befinde!") „Empörend, unerhört!" rief Perez Markbretter, dessen Wangen sich vor Zorne röteten. 1) Dieselben sind wörtlich historisch treu wiedergegeben. 2) Historisch. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" «fdjeittt wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pt besiehe« bei E. g. Ktrinarkrr, Leipzig. Roßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut LourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandten Mannscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die heilige Sprache. Von Bezirks-Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). Literarische Notiz. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Andernach. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Griechenland: Athen. — Syrien: Aleppo. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Kirche und die Juden. Von Dr. A. Berliner (Berlin) (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Leipzig. Cleve. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Persien: Teheran. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofduchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.