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Der Israelit · 1892-12-19 · Heft 100 (19.12.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 100 (19.12.1892)
Date
1892-12-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1925 Feuilleton. „Fürstengunst/' Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriels Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werben. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (37. Fortsetzung.) „Mein Onkel Elkan, hatte sich den Oberamtmann , Hofjunker von Wackerbart dadurch zum Feinde gemacht, daß er diesem einen Theil einer erpreßten Summe, zu Gunsten der Beraubten abgejagt hatte. Um Wackerbart schaarten sich alle jene, die meinen Oheim aus irgend einem Grunde stürzten wollten. Jene, welche seine Stelle als Günstling und Berather des Markgrafen einnehmen wollten, aus Ehrsucht, Eigennutz, die unredlichen, blutsaugertschen Beamten, welche durch seinen Einfluß aus ihren einträglichen Stellen verdrängt worden waren, aus Rachsucht, Andere blos aus Neid und Mißgunst — viele Andere, die ihn nur haßten, weil er ein Jude war, aus Fanatismus: — Es wurde dem Markgrafen eine Klage gegen Onkel Elkan überreicht, welche aber völlig wirkungslos blieb. Allein die Feinde meines Oheims ließen sich von dem ersten Mißerfolg nicht abschrecken. Sie suchten nach neuen Verbündeten und fanden zwei, ihrer Lebensstellung nach ganz verschiedene Personen, die nur in ihrem Hasse gegen die Frankl, in der Absicht sich an diese furchtbar zu rächen, übereinstimmten. Es waren dies die Markgräfin und — Jesaias Fränkl. ein entfernter Verwandter von uns. Die Markgräfin war dadurch zur erbittertesten Feindschaft gegen meinen unglücklichen Oheim aufgestachelt worden, daß der Kammerjunker von Wackerbart ihr versicherte, Elkan Fränkl hätte in einem Kreise von Hofleuten erklärt, die Ehre der Markgräfin läge in seiner Hand, sie habe ihn zu fürchten, er könne sie als willenloses Werkzeug benützen. Es war dies eine niederträchtige Verleumdung und ich muß glauben, daß nur das schlechte Gewissen der Markgräfin, die sich schuldig fühlen und glauben mochte, daß ihre Heimlichkeiten zu meines Oheims Kenntniß gelangt waren, sie veranlassen konnten, die plumpe Verleumdung zu glauben. Allein die Feindschaft der Fürstin wurde der Familie Fränkl lange nicht so gefährlich, als jene des unbedeutenden Jesaias Fränkl." „Das war ja, wie Sie sagten, ein Verwandter von Ihnen, ein Jude, weßhalb war er Ihr Feind?" frug Perez Markbreiter, „und in welcher Weise konnte seine Genossenschaft verderbenbringender werden, als jene der Fürstin?" „Jesaias Fränkl war von meinen Eltern als zweijähriges, vollkommen verwaistes Kind in ihr Haus ausgenommen und von den edlen Menschen, wie ihr eigenes Kind, wie ihr Fleisch und Blut behandelt und erzogen worden. Er wurde schon frühzeitig von bösen Trieben beherrscht; aber mein Vater, von den Obliegenheiten seines heiligen Amtes, dem Studium der Gotteslehre, der Erfüllung zahlloser religiösen Pflichten fortwährend in Anspruch genommen, hatte nicht Zeit und Gelegenheit jene zu erkennen und meine gute, edle Mutter war dem ganz Verwaisten gegenüber zu milde, zu nachsichtig und verschwieg meinem Vater seine sträflichen Ausschreitungen. Da trat ein Ereigniß ein, das seinen Charakter in seiner entsetzlich furchtbaren Häßlichkeit enthüllte. Jesaias Fränkl, damals ein sechsundzwanzigjähriger Mann, hatte sein Auge zu meiner Schwester Eva, einem kaum fünfzehnjährigen Mädchen, erhoben. Er wußte wohl, daß meiner Mutter seine Unwürdigkeit bekannt war, er erkannte die große Kluft, die zwischen ihm und meiner Schwester gähnte, er war viel zu klug, um ihre Hand zu werben, er wußte es, auf diesem Wege wäre sie unerreichbar; und er versuchte, um in ihren^Besitz zu gelangen, eine Schandthat, die nur durch die geistige Frühreife und Energie meiner'Schwester verhindert wurde. Diese stürzte eines Tages in höchster Erregung in das Zimmer der Eltern und rief, Jesaias Fränkl wolle ihr gewaltsam einen Goldreif an den Ainger stecken, sie habe sich dessen nur mit großer Mühe zu erwehren vermocht und er hätte sie voll Wuth bis zur Schwelle des Zimmers verfolgt." „Der Nichtswürdige!" rief Markbreiter, „er wollte sich das Mädchen durch das Anstecken eines Trauringes und der hierbei gesprochenen Trauformel gewaltsam gegen ihren eigenen und ihrer Eltern Willen als Gattin antrauen!" „Mein Vater ließ Jesaias Fränkl rufen, überhäufte ihn mit den heftigsten Vorwürfen und befahl ihm sofort sein Haus zu verlassen. Nun warf der Elende die Maske, die er bisher getragen, ab. Er bitte nicht, rief er, er fordere gebieterisch die Hand meiner Schwester und mit dieser eine Mitgift, wie sie der Tochter des reichen Fürther Oberrabbiners zukomme — und als Verwandter und alter Hausgenosse rathe er meinen Eltern ihm sein Begehren nicht abzuschlagen, da er sich sonst an sie und Eva in furchtbarer Weise rächen würde." „Der undankbare Schurke!" rief Markbreiter entrüstet. „Mein Vater, ein riesenstarker Mann von gerechtem Zorn übermannt, stieß ihn zur Thüre hinaus. Wutschäumend, gegen meine Eltern, seine Wohlthäter, die fürchterlichsten Verwünschungen ausstoßend, verließ er das gastliche Heim, das ihm von seiner frühesten Jugend an das Elternhaus ersetzt hatte. Der elende Bube hielt, vielleicht das erste- ^k

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