Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1892)
- Date
- 1892-12-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1924 Betreffenden leisteten der Aufforderung Folge, worauf der Polizeibeamte sich ebenfalls wieder entfernte. Veranlassung zu der außergewöhnlichen Maßregel soll^die Weigerung der drei Ausgewiesenen, zu den Kultuskosten beizutragen, gewesen sein. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wie«. Die parlamentarischen Cxcesse, welche Tag für Tag seitens der Antisemiten des Abgeordnetenhauses begangen werden und das Ansehen dieses Vertretungskörpers untergraben, haben den Verein zur Abwehr des Antisemitismus bestimmt, sich mit einer Eingabe an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses zu wenden, in welcher derselbe ersucht wird, seine Präsidial- Gewalt zur Verhinderung des unerhörten Mißbrauches der Tribüne durch die gewissenlose antisemitische Hetzerbande in Anwendung zu bringen. Herr Dr. Smolka hat gegenüber der Deputation, welche ihm die erwähnte Eingabe überbrachte, sein Bedauern über das Benehmen der Antisemiten ausgesprochen, sich aber zugleich unter Hinweis auf die Geschäftsordnung für machtlos erklärt, den Excessen zu steuern. Inzwischen gibt sich die im Vorjahre eingesetzte Commission zur Reform der Geschäftsordnung dem süßesten Schlummer hin, während das hohe Haus für die7unsauberen Ausbrüche der antisemitischen Gesellschaft immer ein aufmerksames Ohr hat. Wie«, 5. Dez. Während des Gottesdienstes zum Sabbateingang am"Freitag Abend schlichen sich drei Knaben in den Rudolfsheimer Tempel und störten die Andacht durch Pfeifen. Sie liefen davon, doch hat sie das Polizei-Commissariat ausgeforscht. Die Jungen, 13jährige Schulknaben, werden in behördlichem Aufträge von den Eltern gestraft werden. Prag. Bei dem jüngst stattgehaben Eröffnungscommerse der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten hielt der Rector der deutschen Universität in Prag Herr Professor Dr. Emil Sax eine Rede, in welcher er unter Anderem sagte: " „Eine der edelsten Blüthen der wahren Bildung ist die Duldsamkeit gegen Andersdenkende, gegen fremde Meinungen und Ueberzeugungen, und gerade der wissenschaftlich Gebildete wird geneigt sein diese Duldsamkeit zu üben, da er weiß, wie sich die Wahrheit in der geistigen Entwicklung der Menschheit nur ganz allmählich vom Jrrthume losringt;7wie so Vieles, was zu einer Zeit als unumstößlich galt, später als irrig erkannt wurde und wie wenig objective Bürgschaft für die Richtigkeit der eigenen Meinung gegeben ist. Und was wir im Mikrokosmos der Geschichte wahrnehmen, das wiederholt sich im Mikrososmos jedes Einzellebens. Es ist daher die Unduldsamkeit ein Zeichen der geistigen Unbildung und es ist vollends ein Zeichen geistiger Rohheit, wenn dieselbe auf'die7Personen übertragen wird." Das sind goldene Worte, die da der erste Würdenträger der Prager deutschen Hochschule gesprochen hat, Worte, deren tendenziöses Gepräge unverkennbar ist und die jenen Theil der^Prager deutschen Studentenschaft, welcher von selbstsüchtigen Demagogen irregeleitet, den Racenhaß auf seine Fahne geschrieben hat, empfindlich treffen müßte,' wenn er noch fähig ist einzusehen, daß die „akademische^Bildung zum Adel der Gesinnung verpflichtet zur Noblesse des Charakters". Allein die geistige Korruption hat in jenen Studentenkreisen, an deren Adresse des Rectors überzeugenden und schwungvollen Worte gerichtet waren, so sehr um sich gegriffen, daß wohl an eine Wirkung derselben vor der Hand kaum zu denken ist. Unmöglich kann aber auch der Rector einer Universität in einem Augenblicke gut machen, was ein Professor an derselben Universität Jahrelang verschuldet hat. Wir meinen in diesem Falle den Professor Rohling, diesen Vorkämpfer der Blutlüge, der an Wahngebilden hartnäckig und sagen wir's offen, überzeugungslos festhält und so die Glut des Hasses schürt zur emporlodernden Flamme, welche das menschliche Gefühl verzehrt. Griechenland. Athen, 13. November. Die eben stattgefundene silberne Hochzeit unseres erlauchten Königspaares gab auch den Juden Griechenlands Gelegenheit ihre unwandelbare Treue und Anhänglichkeit an unsere erhabene Dynastie und an das thcuere Vaterland öffentlich bezeugen zu können. Sämmtliche jüdische Gemeinden Griechenlands beeilten sich daher, dem erlauchten Hochzeitspaare ihre Huldigung darzubringen und wurde dieses Freudentages auch in den Synagogen gedacht. Der Czarevics, der dieser Feier als Vertreter seines erlauchten Vaters angewohnt, konnte sich so überzeugen, daß der Jude zu den loyalsten Unterthaneu des Staates gehört. Seit Menschengedenken ist noch kein Jude in Griechenland wegen eines Verbrechens gegen den Thron oder den Staat bestraft worden. Syrien. Aleppo, im November. Immer, wenn die Herbstzeit herannaht, da beginnen auch aus den benachbarten jüdischen Gemeinden Syriens, Mesopotamiens und Anatoliens die Bachurim hierher zu strömen, um sich hier dem Studium unserer heiligen Thora zu widmen. Unsere Bothe-Midraschim (Lehrhäuser), deren wir nahezu ein Dutzend haben, sind jetzt wieder angefüllt von Talmudjüngern und ihren Lehrern und in vielen dieser Schulen findet das Thorastudtum fast gar keine Unterbrechung, da bald Baale Batim (Familienväter), bald wieder Bachurim sich in denselben versammeln, um sich dem Studium des Wortes Gottes hinzugeben. Unsere Gemeinde ist fast die einzige im nördlichen Syrien, die sich rühmen kann, eine große Jeschibah zu besitzen. Dagegen nimmt leider in den syrischen Hafenstädten, wo die jüdische Jugend sich immermehr dem Handel widmet und dabtzi nebst den europäischen Kleidern auch europäische Sitten und Lebensgewohnheiten annimmt, auch das Thorastudium, von Tag zu Tag immer mehr ab.