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Der Israelit · 1892-12-19 · Heft 100 (19.12.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 100 (19.12.1892)
Date
1892-12-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1922 „zahlreichen, überaus tiefen Geheimnisse, die sich „daran knüpfen" u. f. w. Wir können hier nicht die Fülle von Belegen aus Talmud und Midrasch anführen, welche darthun, daß alle Zweige sämmtlicher Wissenschaften in unserer von Gott geoffenbarten Thora enthalten sind. Es sei hier nur eines einzigen Zeugnisses aus viel späterer Zeit gedacht, das ebenfalls Ramban in seinem Thora-Commentar zu 1. B. M., Cap. 5, V 2 erwähnt. „R. Scherira Gaon", heißt es daselbst „schreibt, daß die Weisen einer dem anderen die gesammte Wissenschaft der Physignomik überiüfert haben, die theils in der Reihenfolge des Verses tbd n; diu nnbin und theils in dem folgenden Verse ->2: bn-o napji vollständig enthalten ist." Wenn nun jede Uebertragung aus einer Sprache iu die andere mehr oder weniger unvollkommen das Original wiedergibt, so begreift es sich, daß eine Uebersctzung der Thora, kaum einen schwachen Reflex, jedenfalls aber nur eine einzige Seite des Urtextes der Thora zum Ausdruck zu bringen vermag. Das was der Eigenart der Sprache, der Schriftzetchen, der Wortstellung, jedem einzelnen Zug und Punkt an Gedanken und Wahrheiten anvertraut ist, muß selbstverständlich verloren gehen. Als daher die Thora ins Griechische, d. h. in eine Sprache übertragen wurde, die in ihren Voraussetzungen und Grundanschauungen auf ganz anderem Boden steht, als die Sprache der Thora, so bedeutete dies einen verhängntßvollen Schritt zur Verkennung der Thora. Das was die Thora selbst in ihrer Uebertragung noch durch ihren einfachen Wortsinn bietet, war allerdings geeignet in den Augen der griechischen Welt, einen lichten Glanz über das Volk der Thora zu verbreiten. Aber die Thora selbst ging leer dabei aus. Die Anerkennung, die der bloße, durch die Uebertragung in eine fremde Sprache noch dazu flatrirte Wortsinn bei der nichtjüdischen Welt davon trug, konnte nicht ohne Rückschlag auf den jüdischen Kreis bleiben. Man fing auch dort an in diesen zur Roth übertragbaren, äußeren Theil der Thora, ihre eigentliche Bedeutung zu erblicken. Ihr Kern aber, ihr eigentlicher Inhalt trat so vollständig zmück, daß er für uns heute vollständig in Finsterniß gehüllt ist. Das ist der Glanz und die Ftnsterniß, welche auf die Uebertragung der Thora ins Griechische folgte. (Schluß folgt.) Literarische Wotiz- Antisemiten-Spiegel. Die Antisemiten im Lichte des Christenthums', des Rechtes und der Moral. — Verlag von A. W. Kafemann in Danzig (Preis 1 Mark). — Von diesem bekannten und vorzüglichen Werk waren bisher drei Lieferungen erschienen, welche eine gute Ausnahme gefunden. Die Herausgeber haben es jedoch für zweckmäßiger gehalten, die folgenden Lieferungen mit den bereits erschienenen in einer Ausgabe zu vereinigen und damit ein vollständigeres, besser verwendbares Handbuch zu bieten. Ein Sachregister, das betgefügt worden ist, wird den Gebrauch des Handbuchs sehr erleichtern und eine genaue Uebersicht über das einschlägige reichhaltige Material geben. Interessant ist es, daß das Buch auch die allerneueste Zeit behandelt, sich namentlich über die neueren antisemitischen „Autoritäten" Karl Paasch und Rektor Ahlwardt verbreitet und auch, nach gründlichen Ausführungen über das alberne Märchen vom „Ritualmord", eine objektiv gehaltene Darstellung des Vuschhoffprozesses giebt. Das Werk ist für Jedermann, der in das Wesen der „antisemitischen Bewegung" Einblick erhalten will, unentbehrlich. Wir werden auf einzelne Theile desselben noch eingehend zurückkommen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 8. Dezember. Soeben ist das Ergebniß der letzten Wahlen festgestellt worden. Der „Central-Verein für jüdische Interessen" hat wieder den Beweis geliefert, daß die Hochburg der Reform erschüttert werden kann, wenn das Kartenhaus ernstlich a n g e w e h t wird. Zu einem Sturm ist es allerdings nicht gekommen. Dazu fehlte noch die erwünschte Energie. Indem aber das Volk zum zweiten Male gezeigt hat, daß es mit der bisherigen Linkssteuerung unzufrieden ist, so werden die leitenden Herren Wohl umkehren, oder wie dies von Biedermännern nicht anders zu erwarten ist, bescheiden zurücktreten. Die meisten Stimmen erhielt der bisherige Repräsentant Herr I. R. Jsaac. Derselbe hat sich bisher unzweideutig, ja mit einer rühmenswerthen Offenheit zur conservativen Partei bekannt. Seiner gewissenhaften Wirksamkeit verdanken wir es auch, daß die religiösen Zustände im jüdischen Krankenhause besser geworden sind. Wenn bisher noch nicht alles Wünschenswerte erreicht ist, so ist es eben der Hochdruck, der von der höchsten Spitze kommt, dem noch immer Rechnung getragen werden muß. Dreitausend vierhundert und vier Wähler haben der Amtsführung des Herrn Jsaac ihre Zustimmung ausgedrückt. Möge es dem greisen Herrn vergönnt sein noch recht lange zum Heile der göttlichen Religion zu wirken.

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