Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1892)
- Date
- 1892-12-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1921 Die gebotene Vertheilung des heiligen Landes, bat geometrische, stereometrische und geographische Kenntnisse zur stillschweigenden Voraussetzung. Das Verbot verschiedene Pflanzengattungen gemischt zu säen — d'*6d und die daran sich knüpfenden Bestimmungen, in wie fern die Nähe oder Entfernung der einzelnen Gattung dieselben gegenseitig beeinträchtigen np\r — erfordert eingehende Kenntniß der Botanik. Welche, fast alle menschliche Wirksamkeit und Handfertigkeit umfassende gründliche Kenntniß erfordert nur das eine Werkverbot des Sabbat mit seinen 39 verschiedenen Thätigkeiten! Wie zeigen sich unsere großen, vielseitigen Weisen bei jeder einzelnen dieser Werkthätigkeiten als gründliche, umfassende Sach- und Fachkenner, sie mögen die Manipulation des Webens oder des Färbens, sie mögen landwirthschaftliche oder naturwissenschaftliche Vorgänge zum Gegenstand haben. Sollen wir noch an die philosophischen Disciplinen erinnern, an die scharfe Logik und Kritik, an die Geradheit des Denkens und Unmittelbarkeit des Empfindens, die das Studium der Thora bei jedem voraussetzt, der auch nur ihren einfachen Wortsinn erfassen und ihre Satzungen wirklich erfüllen will? Wo sind die Lehrbücher für alle diese Wissenschaften und Künste, ohne welche die Erfüllung unserer in der Thora gebotenen Lebenspflichten unmöglich ist? Sie tx'.stiren bei uns nicht, wir haben ursprünglich auch nicht ein einziges Lehrbuch für eines dieser Gegenstände. Wer sie sich aneignen will, muß sie aus außerjüdischen Quellen schöpfen. Das kann aber niemals die Absicht des Gesetzgebers gewesen sein, daß er die Möglichkeit der Verwirklichung seines Wortes durch unsere That, von Umständen und Gelegenheit abhängig gemacht habe, die ganz außerhalb unseres Kreijes liegen. Es kann deßhalb nicht anderes sein: Die Thora, welche uns die Pflichten unseres Lebens vorschreibt, sie selber reicht uns auch die hierzu erforderlichen Hilfswissenschaften in einer so genügenden Weise, wie sie bei keiner Entlehnung von anderen Kreisen ausgiebiger sein könnte. In dem Wortlaute ihrer Diktate sind uns auch die Wissenschaften und Kenntnissen übermittelt worden, welche für ihre Erfüllung erforderlich sind. Wenn z. B. die Thora mit den Worten D’ann bwi cnb nn innn uns die Regulirung der Jahre und Monate nach den Bahnen vorschreibt, welche Sonne und Mond beschreiben, so ist uns damit auch der Schlüssel für die hierzu erforderlche Wissenschaft der Astronomie übergeben worden. Wer die Deutung und Bedeutung dieser Worte in ihrer ganzen Tiefe erfaßte, wie sie Moscheh und Ahron von Gottes Allmacht gelehrt wurde, wäre dann auch im Besitz der Kenntnisse, ohne welche dieses Gebot nicht erfüllt werden kann. Uns ist diese tiefere Kenntniß so vollständig abhanden gekommen, daß uns diese ganze Annahme unglaublich schiene, wenn uns nicht eine Fülle wohlverbürgter Zeugnisse dafür vorlägen. In ausführlicher instruktiver Weise hat diesen Gegenstand Ra mb an in der Vorrede zu seinem Pentateuch- Commentar behandelt. -„Alles was durch Prophetie über „Maase Merkabah und über die Weltschöpfung „übermittelt wurde", heißt es daselbst, „ebenso „was hierüber durch Ueberlieferung den Weisen „bekannt war, alles was die vier Reiche betrifft, „welche unsere irdische Welt ausmachen, das „Erd-, Pflanzen-Thierreich und der Mensch, von „allen sind unserem Lehrer Moscheh am Sinai, „ihre Schöpfung, ihre Kräfte, ihr Wesen, ihre „Funktion, ihre Veränderungen mitgetheilt worden „Alles ist in der Thora niedergeschrieben, aus- „drücklich oder andeutungsweise. So sagen be- „reits unsere Lehrer: Fünfzig Morten, die zur „Einsicht führen, sind in der Welt geschaffen und „alle wurden sie Moscheh überantwortet bis „auf eine einzige, wie es heißt: Du ließest ihn „um ein Geringes Gott nachstehen- „Alles was nun Moscheh unserem Lehre über- „gcben worden, von den Pforten die zur Einsicht „führen, alles ist in der Thora ausdrücklich nie- „dergeschrieben oder findet sich angedeutet durch „die Worte, ihren Zahlenwerth, durch die Form „der Buchstaben, sowohl derjenigen, die normal „geschrieben sind, als derjenigen mit abweichender „Schreibart, ferner durch die Spitzen der Buch- „staben und ihre Kronen. Das ist auch, was „die Weisen sagen: Als Moscheh in dieHimmels- „höhe gelangt war, fand er den Heiligen, gesegne- „sei er, wie er Kronen an die Buchstaben fügte. „Er fragte: was sollen diese? Einst wird ein „Mann aufsteheu, daraus eine Fülle von Lehrer „entwickeln und sie als Ueberlieferung Moschehs „vom Sinai her lehren. — Denn diese Andeutungen sind nur durch mosaische, bis zum Sinai „zurückführende mündliche Ueberlieferung zu verstehen. Darauf bezieht sich auch die Stelle im „Midrasch Schir Haschirim, wo von dem Kronen- „Buch, pjnn “ico die Rede ist, welches König „Chiskijahu zeigte. Dieses Buch ist ja bekannt „und findet sich allenthalben. Dieses-.Buch ent- „hält die Zahl der einzelnen Buchstaben Aleph, „Beth u. s. w., sowie die Kronen derselben. Der „Werth und der geheime Sinn dieses Buches „liegt jedoch nicht in den Kronen an und für sich, „sondern in der Kenntniß ihrer Deutung und der