Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 100 (19.12.1892)
- Date
- 1892-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1920 Gesinnung und ganzen Lebensanschauung, das war es, was die Brüder billig bezweifeln durften, und was er ihnen nicht besser als durch die Sprache, die heilige Sprache nahelegen konnte. Ihre Heiligkeit hat die Heiligkeit der sie Redenden zur selbstverständlichen Voraussetzung. Wenn Joseph Jahre lang als Sklave sowohl wie als Fürst im sieten Verkehr mit einer fremden, sittlich tief unter ihm stehenden Umgebung fortwährend eine andere Sprache zu hören und zu sprechen genöthigt ist und keine Gelegenheit hat, die Sprache seiner Jugend zu hören oder gar zu sprechen, wenn Joseph unter solchen Verhältnissen die Sprache seiner Brüder nicht vergessen hat, so war dies der vollgiltige Beweis, daß Joseph der Bruder geblieben war, wie er es versicherte. Mit seinem ganzen Denken und Fühlen muß der vereinsamte Bruder in den langen Jahren der Trennung mit brüderlicher Treue das Band, welches ihn mit den Seinen verband, gepflegt und gefestigt haben, wenn ihm diejenige Sprache treu geblieben ist, von der man sonst nur das Auge zu wenden braucht, um sie zu verlieren. Bemerken doch die Weisen im Midrasch, daß Joseph auf Schritt und Tritt in leiser Zwiesprache die theuren Laute geflüstert, für die seine Umgebung kein Verständniß hatte, aus der ihr icy 'n »n rrns n*vi S2'1 ojnn tyr6D mm aber die Ahnung wurde, daß Gott mit Joseph war. Nirgends sonst aber tritt uns die Heiligkeit der jüdischen Sprache so in ihrer Eigenart entgegen, wie in ihrer Eigenschaft als Sprache der Thora. Unsere Ueberlieferung enthält hierüber einige kurze, dunkle, aber überaus vielsagende Angaben. Unter den Tagen, die in der Fasten-Rolle myn als Fasttage bezeichnet werden und die sich im Schulchan Aruch Orach Chajim, Cap. 580, zusammengestellt finden, heißt cs vom 8. Tebeth, daß an ibm die Thora in griechischer Sprache für König Ptolmäus niedergeschrieben wurde, damals war Finsterniß in der Welt drei Tage lang. Am 9. desselben Monats vollzog sich ein ernstes Ereigniß, wir wissen aber nicht, welches Leid uns damals betroffen hat. Spätere bezeichnen ihn als Todestag Esras. (in ^>n (.nn^D Dm omnn pm rrm ’t^n ’tvn nuv nrnn nnnnj nnvn 'ro man N\n tn ynu ab in 'wm d’D’ 'j otnyn *]irm .in yTscr Es braucht kaum bemerkt zu werden, daß die Finfterniß, welche sich an die griechische Uebertragung der Thora knüpfte, in symbolischem Sinne zu verstehen ist. Aber selbst dann scheint sie im Widerspruch mit der Bemerkung des Josephus und des Buches D\ry tind von R. Asarja min lia-Adomim. welche übereinstimmend von der Ehre und dem lichten Glanze berichten, der für die Judenheit damals durch das Bekanntwerden der Thora aufging. Auch dürfte es auffallend erscheinen, daß man in späterer Zeit die Bedeutung des 9. Tebeth gekannt habe, während sie ursprünglich unbekannt war. Um die trüben, hier als Finsterniß bezeichneten Folgen zu würdigen, welche sich an die griechische Übertragung der Thora knüpfen, müssen wir an eine in der Eigenart ihrer Sprache begründete Eigenthümlichkeit der Thora erinnern. Auch nur ein flüchtiger Blick in dieselbe drängt uns die unabweisbare Gewißheit auf, daß sie der Inbegriff alles Wissens ist, daß sie alle menschlichen Wissenschaften zur stillschweigenden Voraussetzung hat, daß die ganze Thora ohne diese Voraussetzung ein unlösbares Räthsel bliebe. Greifen wir z. B. die erste Mizwa heraus, zu welcher die jüdische Gesammtheit verpflichtet wurde, die Pflicht die Monatanfänge zu heiligen, und nach dem Laufe des Mondes Monate und Jahre zu zählen, also tsnnn piYp nixo. lieber diese Pflicht enthält die Thora nichts, als den einen Satz: mnn .nmn ’ttnn1? on^? sin D'tnn trsn onh mn „Dieser Monat ist euch der Anfang der Monate, der erste sei er euch für die Monate des Jahres. (II. B. M., Cap. 12, 2.) Die Erfüllung dieser Pflicht setzt die genaueste Kenntniß von der Bewegung der Sonne, des Mondes und ihrer Bahnen voraus. Und doch werden diese astronomischen Kenntnisse nirgends in der Thora gelehrt. Sie müssen aber dem Volke und jedenfalls dem großen Gerichtshof geläufig gewesen sein, der Jahrhunderte lang den Kalender auf Grund sorgfältiger Berechnung geregelt und ihn sogar auf Jahrtausende voraus festgesetzt hat. Die Thora enthält die Pflicht über Zauberei und Zauberer zu Gericht zu sitzen und sie zu bestrafen. Man kann aber nicht v erurtheilen, was man nicht beurtheilen kann. Diese Pflicht setzt die eingehendste Kenntniß aller Zauberei, die jener After- Wissenschaft voraus, welche die natürliche und sittliche Weltordnung und ihre Gesetze aufzuheben und zu übergehen sucht. Die Bestimmungen über nsnv, das Genußverbot aller derjenigen Thiere, die eine das Leben gefährdende Abnormität oder Verletzung an sich tragen, setzt eine große Fülle medicinischer, anatomischer und physiologischer Kenntnisse voraus, ohne welche die Entscheidung dessen, was als nsntj und mrn gilt, unmöglich ist. Zu den Pflichten der Leviten gehört der Gesang und Jnstrumental-Mufik, die tatsächlich eine Virtuosität erreichten, von der uns geradezu Wunderbares berichtet wird. Die Anordnung setzt Kenntniß und ungewöhnliche Vertiefung in die Musik voraus.