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Der Israelit · 1892-12-19 · Heft 100 (19.12.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 100 (19.12.1892)
Date
1892-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. M 100 Der Israelit. Ein Henlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von IZr. Lehmann in Mainz. Montag, den IS. Dezember 5653 (1892). Da mit dem 1. Januar 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Die heilige Sprache. Von Bezirks-Rabbiaer Dr. Ehemann in Baden (Schweiz). II. Die bisher entwickelte Auffassung findet ihre Begründung in verschiedenen Aussprüchen der Thora und der Weisen. — Die heilige Sprache war die Sprache der Weltschöpfung, wie an verschiedenen Beispielen von unseren Weisen gelehrt wird. Sie war noch Jahrtausende lang die Sprache der Menschheit, bis zu der babylonischen Sprachvermischung. Angesichts der socialen Verderbtheit, die sich in den Bestrebungen und letzten Zielen der damaligen Generation bekundete, löste sich das von der gemeinsamen Sprache gewobene einheitliche Band in siebenzig verschiedene Sprachformen auf. Diese Auflösung der gemeinsamen Sprache wäre wohl schon bei der viel größeren Verirrung zur Zeit der allgemeinen Fluth erfolgt, wenn nicht die Menschheit selber ihren gewaltsamen Untergang gefunden hätte. Die soziale Zerklüftung der sich gegenseitig ausschließenden verschiedenen menschlichen Anschauungen hatte auch die Auflösung der einen Sprache zur Folge. Erst wenn am Ende der Zeiten diese Gegensätze ihren Ausgleich gefunden haben, wird eine einzige geläuterte Sprache diese Aussöhnung auch zum äußeren Ausdruck bringen. (Zephanja III, 9.) So gewiß aber die heilige Sprache eben durch ihre Heiligkeit nicht länger der Menschheit zum Ausdruck dienen konnte, sobald alle Gesinnungen und Anschauungen so wett und so vollständig auseinandergingen, wie es vor der Sündfluth zur Zeit des ruVsn in tatsächlich der Fall war, so gewiß wäre bei einer solchen Zersetzung aller Begriffe auch jede andere einheitliche Sprache demselben Schicksal verfallen. Deßhalb bietet dieser Vorgang keinen unanfechtbaren Beweis für die Heiligkeit der Sprache, wie es z. B. bei der Sprachvermischung der Fall ist, deren wir nach dem babylonischen Exile begegnen. Dagegen machen unsere Weisen auf eine andere Veranlassung aufmerksam, aus welcher die Heiligkeit unserer heiligen Sprache in unverkennbarer Weise zu Tage tritt. Als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gegeben hatte, sprach er zu ihnen: wöpi »b ’d ns tja nun nyyy mm „Euere Augen sehen es und die Augen meines Bruders Binjamin, daß es mein Mund ist, der zu - ich spricht." (I. V. M.. 45, 12.) Diese Schlußworte deuten unsere Weisen auf die Sprache, die Josephs Mund sprach, auf die heilige Sprache, .trrpn dd’Vk "ü“iD,n ’d o Joseph hatte gewiß nicht nöthig, seine Identität erst durch seine Sprache festzustellen. Diese hatten sie sofort aus den Gesichtszügen erkannt, und dieses Wiedererkennen war es ja, was sie betroffen und jeder Antwort unfähig machte. Ein anderes war es, worum es sich hier handelte. Als Joseph sich zu erkennen gab, waren seine ersten Worte: \3n, „Ich bin Joseph." Darauf folgt das sprachlose Entsetzen der Brüder. Erst dann ließ Joseph die Brüder zu sich herantreten und sprach: nym] spv um, „Ich bin Joseph, euer Bruder!" Daß Joseph in der vieljährigen Entfernung und Entfremdung, nach all der Unbrüderlichkeit, die ihn der Fremde überantwortet hatte, dennoch der Bruder geblieben war, daß er sich brüderlich eins wußte mit den Seinen hinsichtlich der 1 k.

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