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Der Israelit · 1892-12-15 · Heft 99 (15.12.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 99 (15.12.1892)
Date
1892-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1902 den schriftlichen Befehl zu geben, daß der iJnguisit nicht gefoltert, daß er sofort frei gegeben roerbe." Der Markgraf wurde brennend roth und brach um seine Verlegenheit zu maskiren in ein schallendes Gelächter aus; — aber schon nach wenigen Sekunden wechselte seine Stimmung, er wurde über den Papagei, welcher frei im Zimmer herumgeflogen und den Ring in seinem Schnabel in den Käfig getragen hatte, wüthend, schalt ihn Filou, miserable, voleur, coquin, fripon3 4) und hätte ihn gewiß in seinem Zorne getödtet, wenn nicht der Prinz für den prächtigen Vogel gebeten hätte. — Ich hatte wieder von Neuem Gelegenheit zu erkennen, wie gering Markgraf Friedrich Wilhelm, das Wohl, die Gesundheit eines Menschen schätze. Er dachte nicht daran, daß, wenn er nicht den Gegenbefehl ertheilen würde, ein unschuldiger Mensch furchtbare Schmerzen erleiden müßte und ich hatte es wieder nur der Intervention des edlen Prinzen Eugen zu danken, daß er mir endlich die erbetene Gegenordre schriftlich gab. Es war die höchste Zeit; als ich vor Eile athemlos im Gerichtshause anlangte, hatte man schon mit der Terretion^) begonnen. Sie können sich den Jubel des Erlösten vorstellen!" „Nun wird es mir klar", sprach Wertheimer, „weßhalb dem Prinzen der Name Rogert bekannt erschien — aber ich bitte Sie fortzufahren." „Ich gelange nnn zu dem traurigsten Abschnitte unserer Familiengeschichte. Ich war im Jahre 1712 längere Zeit in Geschäften vom Hause abwesend und empfing in Breslau durch einen Eilboten ein Schreiben meines Vaters, in welchem er 3) Spitzbube, Elender, Dieb, Spitzbube, Schelm. 4) Jedem Jnkulpaten wurden, bevor man zur Tortur schritt, die Folterwerkzeuge gezeigt und ihm deren Anwendung erklärt. Man nannte das die Terretion.! mir anzeigte, Onkel Elkan sei, in Folge einer lügenhaften Denunciation, beim Markgrafen in Ungnade gefallen. Er hoffe allerdings, daß es dem Onkel, der sich keiner Schuld bewußt sei, gelingen würde, die Anklagen seiner Verleumder zu entkräften, allein bei dem eigenthümltchen Charakter des völlig unberechenbaren Markgrafen ließe sich nichts mit Gewißheit vorausbestimmen. Die Ungnade eines Fürsten gleiche einem Brande, der, wenn er nicht sofort im Entstehen gelöscht wird, rasch um sich greift, auch die angrenzenden Häuser erfaßt und zerstört. Es wäre nicht unmöglich, daß sich des Fürsten Zorn auch auf ihn lenken würde. Er selbst müsse der drohenden Gefahr muthig ins Auge sehen und im Fürstenthume ausharren. Er habe die Pflicht im Nothfalle seinem Bruder in seiner harten Bedrängniß beizustehen, überdies würde man, wenn er in dem kritischen Momente das Land verließe, dies als ein Zeichen der Furcht, als ein Zugeständniß seiner Mitschuld deuten. Ich aber, der ich durch eine glückliche Fügung von der Hetmath abwesend, solle vorläufig in der Ferne den weitern Verlauf dieser Angelegenheit abwarten. Ja, er rieth mir Breslau zu verlassen und mich nach einem Orte, wo ich unter fremden Namen ungekannt leben könne, begeben. Die Machthaber in Ansbach, haben über den Prozeß unserer Familie so viel Lügenhaftes ausgestreut, daß ich es für nöthlg halte den Verlauf dieser merkwürdigen Begebenheit wahrheitsgemäß vor Ihnen zu entrollen." „Ich habe längst gewünscht, eine richtige Darstellung dieses epochemachenden Ereignisses zu hören", sprach Werthetmer „und ich bin auf diese sehr gespannt." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju brfieyrn bei E. F. St r inacker, Leipzig, Roßplatz l8. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eiugesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalteu. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die heilige Sprache. Von Bezirks-Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten u. Correfpondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Kirche und die Juden. Von Dr. A. Berliner (Berlin). — Telegr. Reichstagsbericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Grebenhain. Witten. Berlin. Cassel. Breslau. — Frankreich: Paris. Inhalt der Belletr. Beilage: Sabbatgrnß. — Eine wunderbare Rettung. Erzählung zu Chauukah von H. Berger. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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