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Der Israelit · 1892-12-15 · Heft 99 (15.12.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 99 (15.12.1892)
Date
1892-12-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1901 stets bescheiden in ehrerbietiger Entfernung von mir, da er wußte, daß seine Annäherung an eine Person, welche der Fürst seines Umgangs würdigte, dessen höchstes Mißfallen erregen würde. — Als ich im Jahre 1711 nach dem Peßachfeste, das ich in Fürth im elterlichen Hause verlebt hatte, nach Ansbach zurückkehrte, wurde ich in meiner Wohnung von Rogerts Mutter erwartet. Sie warf sich vor mir auf die Kuice und bat mich unter herzbrechendem Schluchzen ihren unglücklichen Sohn zu retten, ich wäre der Einzige, dem dies durch seinen persönlichen Einfluß auf dem Markgrafen möglich wäre. Sie fügte hinzu, es sei Gefahr im Verzüge und wenn es nicht zu spät werden sollte, müßte ich sofort ohne mir Zeit zu nehmen die Kleider zu wechseln, beim Markgrafen, bei dem ich unangemeldet Zutritt hatte, Audienz nehmen. Näheres wisse sie selbst nicht, nur so viel hätte sie heimlich erfahren, daß der Markgraf ihren Sohn eines Diebstahles bezichiige, ihn verhaften ließ und dieser, da er nicht gestehen wolle in der nächsten Stunde, auf fürstlichen Befehl, peinlich befragt werden sollte. Ich kannte Rogert als einen streng redlichen Menschen, der Gedanke, daß er gefoltert werden sollte, — die Tortur ist etwas Entsetzliches! — machte mein Herz erzittern und ich eilte sofort ins Schloß. Ich könne jetzt nicht Vorkommen, hieß es, Serrenissimus habe hohen Besuch, der Prinz Eugen von Savoyen, erster kaiserlicher Minister und Generallissimus der kaiserlichen und der Reichsarmee sei bei ihm. Ich erinnerte mich daran, wie mein Vater einmal in ähnlicher Lage erfolgvoll einen Versuch gewagt, ich ließ mich nicht abhalten und betrat mit klopfenden Herzen das markgräfliche Kabinct. „Was willst Du", rief Friedrich Wilhelm zornig, „wie konnte Dich der Schuft von Kammerdiener einlassen? Ich werde den vaurieu *) peitschen lassen, daß ihm die Seele aus allen Knopflöchern fliegen wird! . . . . Ich habe hohen Besuch und will ungestört sein!" .... doch schien sein Zorn während des Schreiens ein wenig zu verrauchen, denn er fügte in etwas milderem Tone, halb scherzhaft hinzu, „troll Dich weg und komm' meinetwegen Nachmittag!" „DurchlauchtigsterMarkgraf", erwiederteich, „ich hätte es nicht gewagt vorzudringen, allein es handelt sich um eine wichtige und unaufschiebbare Angelegenheit und seine Durchlaucht, der Herr Prinz von Savoyen, den die ihn bewundernde Mitwelt, den Ritter ohne Furcht und Tadel nennt, ist so hochsinnig, daß ihn meine Kühnheit nicht verletzt, ja ich wage es zu hoffen, daß wenn höchst er meine allerunterthänigste Bitte, an allerhöchst Sie hören, höchster, dieselbe durch sein gnädiges Fürwort unterstützen wird." — Ich selbst und die Art meines Auftretens schienen auf den Prinzen Eugen einen günstigen Eindruck zu machen, denn er frug: „Wer ist der junge Mann? „Der" entfuhr es dem Markgrafen einer mehrjährigen Gewohnheit folgend, ist mein Lebensretter, Rafael Frankel, der hat mich von der Umarmung eines gereizten Bären erlöst, der nicht übel Lust hatte, mich in Stücke zu reißen". . . . Die Erinnerung hieran hatte ihn plötzlich wohlwollend für mich gestimmt, er trat rasch an mich heran, strich mir die Haare aus der Stirne, soDaß meine Narbe sichtbar wurde, und sprach schon lachend, das hat er von der Affatre zum Andenken behalten! „Ich glaube", meinte der Prinz gutmüthig lächelnd, „einem Lebensretter könnte man schon eine kleine Gefälligkeit erweisen; wenns kein Geheimniß ist, wäre ich selbst begierig zu hören, was der junge Mann von Ihnen, Durchlaucht, wünscht." „Das sollen Euer Durchlaucht sofort erfahren — also, was willst Du Rafael?" frug der Markgraf. „Seremissime! Bernard Rogert soll in einer Stunde gefoltert werden, weil er im Verdacht steht, gestohlen zu haben. Ich kenne ihn von seiner Jugend an, er hat Proben der strengsten Redlichkeit gegeben, ich bitte .... „Rogert ist ein Filou l er hat meinen Ring gestohlen; es kann gar nicht anders sein! Ich war allein im Zimmer mit ihm, hatte zuerst den Ring am Finger, zog ihn dann ab und legte ihn auf den Tisch; als ich ihn dann, nachdem Rogert das Zimmer verlassen, wieder anlegen wollte, war der Ring verschwunden, das kann ich mit meinem Fürstenworte beschwören. . . . Der Kerl muß ihn gestohlen haben! Und nun will diese Hundeseele nicht einmal das Verbrechen eingestehen! Wenn man den Schuften foltert, bis er crepirt, geschieht ihm nur, was ihm gebührt! Wo wäre denn der Ring hingekommen? .... Habe ich nicht Recht, Durchlaucht?" wandte er sich an den Prinzen. Dieser erwiderte nichts, aber ich rief. Serenissime! Rogert kann den Ring unmöglich genommen haben; adsoläuwent nicht! Was sind das wieder für dumme, abgeschmackte Redensarten? Warum, weßhalb sollte dies nicht sein können? schrie der Markgraf. „Weil sich der Ring hier im Käfig des Papageis befindet", antwortete ich, denn ich hatte ihn, Gott Dank, plötzlich vom Sonnenlicht bestrahlt, dort glänzen sehen, ich trat rasch zu oem Käfig, zog den Ring aus demselben und überreichte ihn den Markgrafen. Prinz Eugen rief, „ah, quelle surprise!“2) ich aber fuhr fort, „Durchlauchtigster Herr Markgraf, ich beschwöre Sie allerunterthänigst, mir allergnädigst 1) Taugenichts. Ah, welche Ueberraschung.

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