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Der Israelit · 1892-12-15 · Heft 99 (15.12.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 99 (15.12.1892)
Date
1892-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1900 semitismus benutzen wird, um den Staatswagen von dem Abgrunde zurückzuhalten, dem er jetzt entgegen rollt. Berlin, 12. Dez. Die freikonservative „Post" bespricht den Prozeß Ahlwardt. Sie hebt hervor, daß der einzige Jude, Herr Loewe, ganz rein aus diesem Prozesse hervorgegangen ist. Hamburg am ersten Chanukah-Abend. Am Sonntag den 29. Ktslef vollendet dahier Herr Sally Lewisohn sein 80. Lebensjahr in beschaulicher Zurückgezogenheit. Der Lebenslauf dieses würdigen Mannes verdient besonders in heutiger Zeit wohl das Interesse, das ihm wettere Kreise seiner Vaterstadt und des Judenthums widmen. Geboren im Jahre 1812 und einer geachteten Kaufmannsfamilie entstammend, war seine Jugend, durch den auf die Franzosenzeit folgenden Druck in Handel und Gewerbe, eine sorgenvolle. Früh verwaist, traf ihn die Aufgabe in bescheidensten Verhältnissen der verwittweten Mutter und einer ganzen Reihe unmündiger Geschwister zur Seite zu stehen, eine Aufgabe, der er sich im Verein mit dem früher verstorbenen Bruder Sam Lewisohn zeitlebens mit größter Opferwilligkeit unterzog. Hohe Intelligenz gepaart mit eisernem Fleiß und großer Sparsamkeit brachte bald die von beiden Brüdern in größter Einigkeit geleitete Firma zu gedeihlicher Entwicklung, so daß die Firma bereits im Krim-Kriege zu den ersten ihrer Branche zählte, deren Geschäft durch eigene Niederlassungen in Berlin, London und schließlich New-Uork sich bald über alle Länder erstreckte. Trotz dieser umfangreichen Geschäfte, die gewiß die Thätigkeit eines jeden gewöhnlichen Menschen absorbirt hätten, fand der Jubilar Zeit sich an allen Bestrebungen des orthodoxen Judenthums zu bethätigen. Der damalige Secretär und spätere Hystoriker der hiesigen Gemeinde Haarbleicher weckte früh in dem gut veranlagten Jüngling, in dessen Seele die Lehren eines Chacham Bernahs tiefe Wurzeln gefaßt, das Interesse für Gemeinde-Angelegenheiten. Mit hervorragenden Gesinnungsgenossen, dem zu früh verstorbenen Simon May, Dr. meä. Michel und Sally Lion, welche Liebe zur Bildung mit wahrer Religiösität vereinten, finden wir ihn an der Spitze Derjenigen, die mit Erfolg die Bestrebungen der Reform im Judenthume einzudämmen wußten. Mit großen pekuniären Opfern wurde eine in orthodoxem Geiste, von dem jetzigen Provinzialrabbiner in Hanau Dr. Kores, geführte Realschule, gegründet. Durch den Synagogeu-Verein gelang es dem Jubilar die Gemeinde-Bewegung in solch gesunde Bahnen zu lenken, daß noch heute die Hamburger Gemeinde an der Spitze aller Orthodoxen steht. Als im reiferen Mannesalter ihn der herbe Schicksalsschlag traf, eine blühende Tochter durch den plötzlichen Tod zu verlieren, war in seinem edlen Sinne kein Platz für Verbitterung. Er verwandte die derselben bestimmte Aussteuer zur Errichtung des schönsten Denkmals, zum Bau eines Schulhauses für die Talmud-Thora-Schule. Es würde den Raum dieses Berichtes überschreiten alle diejenigen Institutionen und Wohlthätigkeits-Vereine in der Gemeinde aufzurechnen, denen er seine Mitwirkung lieh. Vom Vorstandsmitglied bis zum einfachen Contribuenten, tritt seine Name überall hervor, bis weit über die Grenzen seiner Vaterstadt erstreckte sich seine Beihttlfe; das Würzburger, das Cölner Lehrerseminar zählen ihn zu ihren Gründern, ebenso wie das Rabbinerseminar in Berlin, dessen Curatyrium er noch heute angehört. Auch in nichtjüdischen Kreisen fand die Noth in ihm einen Helfer. An der Seite einer in demselben edlen Sinne wirkenden Gattin, war sein Haus in früheren Jahren der Sammelpunkt aller geistigen Elemente im Judenthume; Viele, die heute in angesehener Stellung sich befinden, verdanken diesem Hause Förderung auf ihrem Lebenswege mit Rath und That —, bis ein zunehmendes Gehörleiden Herrn L. zwang, sich von dem Verkehr mit der Außenwelt zurückzuziehen, und sich ganz dem Dienste Gottes, durch tägliches Studium der Thora und durch einen Gottesdienst im eigenen Hause, den er als Vorbeter und Thoraleser persönlich leitet, zu widmen. Mit warmem Interesse und regem Geist verfolgt der Jubilar noch heute alle öffentlichen Angelegenheiten. Möge die Schilderung dieses Lebenslaufes dazu beitragen, daß jüngere Kräfte diesem edlen Beispiele folgen, und möge es dem Jubilar vergönnt sein, an der Seite seiner Gattin, umgeben von seinen Kindern und Enkeln, sich der Früchte seines Wirkens noch lange ungetrübt zu erfreuen und mit Befriedigung aus ein langes, im Dienste Gottes und der Menschheit verbrachtes Leben zurückzublicken. Feuilleton. „Fürstengunst" Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (36. Fortsetzung.) „Als ich an den Hof kam", fuhr Rafael Fränkel fort, „war Rogert hocherfreut und glücklich, aber trotzdem, ich ihn, wenn ich ihm im Schlosse allein begegnete, stets freundlich ansprach und mich nach seiner Mutter erkundigte, hielt er sich doch

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