Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1892)
- Date
- 1892-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1897 Wohl hatte ein Bruchtheil des Volkes auch seine Reinheit nicht gewahrt und es waren Ehen mit heidnischen Frauen vorgekommen, worauf am Ende des Buches Nechemjah der Umstand zurückgeführt wird, daß die Kinder die heidnische Sprache angenommen und die jüdische Sprache verloren hatten.*) Aber man muß sich doch gegenwärtig halten, daß diese Mischehen nur die Ausnahme bildeten, während die bei weitem größte Mehrheit des Volkes sich von dieser Vermischung freigehalten hatte. Aber daß selbst bei dieser Minderheit die jüdische Sprache so leicht durch die heidnische verdrängt wurde, erscheint auffallend, wenn man bedenkt, daß diese Ausnahmen mitten in einem Volkskreise lebten, dessen Sprache doch die jüdische war. Wenn die jüdische Sprache so plötzlich ihrem Volke entschwand, als es dem heiligen Lande den Rücken kehrte, als es die Heiligkeit des Lebens vermissen ließ, die bis dahin keine eheliche Verbindung mit der heidnischen Außenwelt aufkommen ließ, so findet dieses räthselhafte Problem seine einzige Lösung nur in der Heiligkeit der Sprache, dieser Seele unseres ganzen Volkslebens, die Angesichts der Entartung des Volkskörpers sich gegen die weitere Verbindung sträubte und sich scheu zurückzog. Dieses rasche Schwinden der Sprache aus dem VolksleSen, in welchem sie bis dahin der geläufige Ausdruck alles Denkens und Empfindens war, beweist wie nichts anderes ihre Heiligkeit, ganz in demselben Sinn, wie wir auch von unserer „heiligen" Thora sprechen. Somit konnte die dem Wesen der Sprache anhaftende Heiligkeit der Sprache erst mit ihrem Schwinden zum allgemeinen Bewußtsein gelangen, also erst nach dem babylonischen Exil. Während der Zeit des ersten Tempels wird sie deßhalb niemals die heilige Sprache genannt, weil eben dieser offenkundige Beweis ihrer Heiligkeit für das allgemeine Bewußtsein noch nicht erbracht war. Man nannte sie rmrr nsttf, die jüdische Sprache, weil sie tatsächlich die Sprache der Juden war. Rach dem babylonischen Exil aber war sie nicht mehr die Sprache der Juden, denn selbst zur Zeit des zweiten Tempels war sie mit anderen Sprachelementen vermischt und nur wenig Auserlesene handhabten die Sprache in ihrer ursprünglichen Reinheit. Betont doch Rambam in der Einleitung seines Mischnah-Commentars, daß selbst unseren Weisen die volle Kenntniß unserer Sprache abging, aus Stellen wie: 'n by *jbtsn 'uv pan ijm rrn uh nanf? djw mncr« nano isn orwai (* .(j"d jp rrnm) ojn ay pBfrai rvnrp Deßhalb konnte man sie jetzt nicht mehr die jüdische Sprache nennen. Von da ab hieß sie die heilige Sprache, denn jetzt war ihre Eigenart, ihre Heiligkeit vor allen anderen Sprachen durch die That vor aller Welt constatirt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondeuzeu. Deutschland. Mainz. Vom Berliner deutschenThierschutzverein macht eine tendenziöse Notiz über ein Probeschächten in Dresden die Runde durch viele deutsche Zeitungen, die uns zu einigen Gegenbemerkungen veranlaßt. Dieselbe lautet: „Am vergangenen Mittwoch wurde im Schlachthof zu Dresden vor einer Regierungs-Commission Schacht-, resp. Schlachtversuche an vier Ochsen und einem Bullen vorgenommen. Beim ersten Ochsen, der geschachtet wurde, war die Cornea-Reaction (Reaction der Hornhaut des Auges) nach dreieinhalb Minuten noch vorhanden, der Eintritt des Todes erfolgte nach 5 Minuten. Bei dem hierauf geschachteten Bullen dauerte die Cornea-Reaction fünfeinhalb Minuten, bei dem folgenden Ochsen 4 Minuten. An vierter Stelle wurde ein Ochse geschachtet und genickt (nach der Schächtung erhielt das Thier einen Genickstich); die Cornea-Reaction dauerte dreieinhalb Minuten. Hierauf wurde ein Ochse mit Maske geschlachtet, wie seit dem 1. October in Sachsen durchweg angeordnet ist. Hier war die Cornea-Reaction sofort verschwunden und der Tod sofort eingetreten. Die Procedur des Schächtens ist für die Zuschauer geradezu haarsträubend gewesen. Durch das Hinwerfen des Schlachtopfers kamen häufig Brüche der äußeren Darmbeinwirbel vor, auch schlägt sich das Rind oft ein Horn ab. Ferner ist das Herumdrehen und Strecken der Halswirbel (da der Kopf auf die Hörner gestellt wird) so thierquälerisch, daß man sich mit Abscheu abwendet. Noch entsetzlicher ist der Anblick der furchtbaren Krämpfe, welche nach dem Schächten bei dem Thiere eintreten. Nach den bei diesen praktischen Schächtproben erhaltenen Resultaten dürfte die Agitation für die Wiederzulassung des Schächtens in Sachsen wohl kaum einen Erfolg haben." Wir haben darauf zu bemerken: Wenn ein Thierschutzverein, der z. B. für die Grausamkeiten, welche an den Thieren bei der Jagd verübt werden, kein Sterbenswörtchen übrig hat, weil sie von Leuten als Sport gepflegt werden, mit welchen man es nicht gern verderben will, der aber gegen die Art und Weise, wie die Juden ihre Schlachtthiere tödten, nicht laut genug poltern kann, so weiß man schon im Voraus, welches Resultat ein von solcher Seite veranlaßtes Probeschächten haben muß. Auch die Gegenwart einer Commission seitens einer Regierung, " das Schächten bereits verboten hat, ändert d .can nichts. Sie muß zu Demselben Resultate gelangen, wenn sie sich nicht