Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 99 (15.12.1892)
- Date
- 1892-12-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1896 Weisen auf die Thora, von der man nur das Auge wegzuwenden braucht, um ihrer verlustig zu gehen, psp v« *\'y rpaa* 221 *6v bnyb m« .('n rvoia) urw 12 ■yyy ^ynn mm „Die Worte der Thora verfallen der Vergessenheit anheim, sobald man die Aufmerksamkeit von ihnen ablenkt." xhx yrontPD px mm nan ('t noyn) njnn nona. — „Die Worte der Thora sind schwer zu erwerben, wie Gefäße von gediegenem Gold, und leicht zu vernichten, wie Gefäße von Kristall." w 62 nmiDni rvaian an; Miy ab aman wo yrmi *b 621 an* 6aa ]mpb v^ptf nun nan 6« V"« .(v'ü ru’jn) n’aiai 622 pat6 „Kann doch Jemand zwanzig Jahre hindurch Thora lernen und sie in zwei Jahren wieder vergessen." d\jv 'aa nas6i bw 'aa mm nwbb o*w bw .(Ya 'b )na 21*1 max) '21 nira Ja, es kann Jemand selbst mit mühevoller Hingebung sich dem Studium der Thora widmen, ohne deßhalb eine Bürgschaft zu besitzen, daß die mühsam errungenen Geistesschätze nun auch treu dem Geiste im Gedächtniß verbleiben. Hierfür bedarf es des besonderen göttlichen Beistandes. .('l r6'JD) NVI X’Dff ]D Xnp'D XD“)2 ’BipixV Es bedarf übrigens zur Conftatirung dieser merkwürdigen Erscheinung kaum des Hinweises au' die Aussprüche unserer Weisen, da sie durch die tägliche Erfahrung leid nur allzusehr bestätigt wird. Ihre Erklärung findet sie in dem Gegensatz zwischen Geist und Körper und in der Schwierigkeit, diesen Gegensatz auszugleichen. Die höchsten geistigen Güter, welche den Inhalt der Thora ausmachen, sträuben sich gegen die Verbindung mit den Staubgeborenen. Es ist derselbe Gegensatz, den wir in der Vereinigung von Seele und Körper unserem ganzen Dasein ausgeprägt finden. Diese Vereinigung ist eine an und für sich so widernatürliche, daß sie nur gewaltsam bewerkstelligt und nur durch Gottes thatsächltches Eingreifen aufrecht erhalten werden kann. In diesem Sinne bemerken die Weisen zu den Worten nami 12a 6y, „Du legst auf uns deine Hand" (Psalm 139, 5), daß die Seele jeden Augenblick dem Körper entfliehen möchte, wenn Gottes deckende, schützende Hand dies nicht verhinderte. Wie die Seele in dieser ihrer Vereinigung niemals die volle Befriedigung finden könne, erläutern die Weisen im Midrasch, indem sie dieselbe zur Verbindung einer Königstochter mit einem Bürgerlichen vergleichen. Böte man derselben auch alle Kostbarkeiten der Welt, sie schienen ihr werthlos, weil sie eben höherer Herkunft ist. wi6v na mw tt6d x^isn d6 lLDrn nvw ü6a nb D2wn o^iya» no ^>2 r6 x'2' ox d*x r6iy bi nb nxan 6x notwn 12 na .(v'B naa nbnp Brno) D’jvtyn p N»n» nt6 m 1262 Dasselbe Verhältniß, das zwischen Körper und Seele bet jedem Individuum besteht, waltet zwischen unserem Volkskörper und seiner Lebensseele, der göttlichen Thora. An und für sich würde ihre Verbindung mit der zeitlichen, stofflichen Welt unmöglich sein, wenn nicht Gottes Wille das Unmögliche möglich machte. Es bedarf daher des innigsten Anschlusses an Gott, der vollendetsten Hingebung an dieses theuerste Kleinod, welches unsere Thora repräsentirt. Sie entzieht sich uns, wenn wir uns ihr entziehen, wenn wir nur den Blick von ihr wenden. Eine ganz ähnliche Bewandtniß hat es mit der Sprache, die wir die heilige nennen. Um dieses Verhältniß in seiner ganzen, tiefen Bedeutsamkeit zu erfassen, erinnern wir an ein sprachliches Phänomen, das uns Allen geläufig ist. — Unsere Glaubensgenossen, die seit Jahrhunderten in Rußland, Polen unter einer russisch, polnisch, litthauisch redenden Bevölkerung leben, die kein deutsches Wort versteht, sprechen sämmtlich deutsch. Diese merkwürdige Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die dortige jüdische Bevölkerung sich aus Emigranten ursprünglich gebildet hat, die aus Deutschland zur Zeit der Kreuzzüge sich dort niedergelassen hat. Dasselbe ist bei den spanischen und portugiesischen Glaubensgenossen der Fall, die bei der großen Verbannung von der iberischen Halbinsel vor 400 Jahren sich in der Türkei niedergelassen haben. Auch sie sind ihrer Sprache bis auf den heutigen Tag treu geblieben. Diese merkwürdige Erscheinung findet ihre natürliche Erklärung in dem Umstand, daß bei der damaligen Vertreibung und Niederlassung ganze Familien, Väter und Mütter mit ihren Kindern betroffen waren. Die Kinder wuchsen unter der Pflege und Erziehung ihrer Eltern heran, sie blieben so der Sprache ihrer Heimath treu und vererbten sie ebenso den folgenden Generationen bis auf den heutigen Tag, obwohl seitdem nun viele Jahrhunderte verflossen sind. So einleuchtend dies nun ist, so auffallend muß ein anderer Vorgang erscheinen, der sich unter denselben Verhältnissen vollzog und dennoch ein ganz anderes Resultat zur Folge hatte. Wie aus der oben angeführten Stelle aus Jesaja ersichtlich ist, war zur Zeit des ersten Tempelheiligthums die jüdische Sprache die dem Volke geläufige; und dennoch! Während des verhältnißmäßig kurzen babylonischen Exils verlor sich die reine jüdische Sprache so rasch aus dem Volksleben, daß schon zu Anfang des zweiten Tempels die Sprache ihre ursprüngliche Reinheit eingebüßt und sich mit anderen Sprachidtomen vermischt hatte.