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Der Israelit · 1892-12-12 · Heft 98 (12.12.1892) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 98 (12.12.1892)
Date
1892-12-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1882 sammte gregorianische Gesang anfgebaut. So ergibt sich denn auch bei einem oberflächlichen Vergleich der jüdischen mit der katholischen Gesangsart, daß der allgemeine Charakter der Melodien ein durchaus ähnlicher ist. Nun hat man aber sogar auch direkte Uebereinstimmungen gefunden. Ehrlich in seiner Liturgischen Zeitschrift (Theil III, S. 13) berichtet, er habe in einem katholischen Bußgesangbuche eine bestimmte Melodie gefunden, die er uns mittheilt. Diese selbe Melodie ist in vielen Synagogen auf den Text novx n»w an m in Gebrauch und stimmt sonst bis auf den letzten Ton mit der unsrtgen überein. Ihre Tonart ist die phrygische. Katz in dem obenerwähnten Aufsatz berichtet, die Melodie eines von Meyer-Mainz herrührenden rwo findet sich in einem Amsterdamer Processionsgesangbuch, und gewiß sind noch eine ganze Anzahl solcher Uebereinstimmungen gefunden worden. Ich selbst habe mich auch auf die Suche begeben, und ich kann sagen, daß ich auch gefunden habe. In Baumkers großem Werk: „Das katholische deutsche Kirchenlied nach seinen Singweisen" fand ich z. B. einen Gesang, der in seinem ganzen melodischen Aufbau der Melodie unseres Eli Zijon entspricht;*) ferner den Anfang unseres )did von D’-iyo für 3"’i m;2) dann die Ausgangsphrase der Pismonim, wie sie Lewandowski in seinem nn ausgezeichnet hat. Am meisten aber hat mich Folgendes verblüfft: Derjenige Theil des katholischen Ritus, welcher sich am engsten an den jüdischen anschließt und der sicherlich zu jenen Theilen gehört, die auf direktestem Wege aus der alten Tempelmusik in die Kirche Eingang fanden, ist der Psalmengesang. Für diesen Psalmengesang hat man nun in der katholischen Kirche die sog. Psalmodie, d. h. eine Anzahl von mannigfach modifizirten Melodiesätzen, nach denen die Psalmen gesungen werden. Man zählt so acht Psalmentöne, und außer diesen acht gibt es noch einen tonus persgrinus, der lediglich zu Psalm 113, in exitu Israel deAegypto, gebraucht wird. Die Melodieführung dieses louns psregrinus ist eine so stark von der der übrigen Psalmentöne abweichende, daß die Gelehrten auf dem Gebiete des Ktrchengesanges darüber ganz außer Fassung geriethen. Sie behaupten nun, daß diese Melodie dem Worte Kolad ihren Ursprung verdanke.*) Selah bedeutet nämlich modorum musicorum dementatio, , d. h. Veränderung der Musikform, griechisch einer der Schriftsteller spricht 1) I, Nr. 178. 2) I, Nr. 255. 3) II, Nr. 277. 4) Vgl. Mattheson: Das erläuternde Selah, Hamburg 1746, Pfeifer: De musica vet. Hebr. sogar die direkte Ansicht ans, daß gerade diese Melodie aus der Synagoge stamme. ^) Die Melodie dieses 1oirii8 peregrinus aber war für mich ein alter Bekannter aus der Synagoge meiner Heimath, wo sie von einem Vorsänger auf die Worte: pxa ytyei *no ^id uw» pbß 2C. an n"*i gesungen wird. Wir theilen bei dem hohen Interesse der Sache in Folgendem die beiden Melodien mit: 'S... 4.. &6&A - n—i—i / r . : rTV , l <-> —I—~~~T rrr'—n n—— \ [Ff •—*r t v \ ar A > n ^Li J /oofa&r- UTi * S +— jic-fr+l MRudi t]tuSL^L‘ß' jit - fajcct & * fatbrur t&vttrr Cbfac - PV Eine zufällige lieberem nmunung anzunehmen, ist bei dem ausgeprägten Charakter der Melodien unmöglich. Vgl. bes. Takt 3 und 4, sowie die Schlußwendung nach moll. Sie stimmt zwar nicht ganz genau überein, eine verblüffende Aehnlichkeit ist aber unverkennbar. Ich denke mir nun die Wetterführung der Forschung auf diesem Gebiete derart, daß eine möglichst große Anzahl ähnlicher Uebereinftimmungen feftgeftellt wird. Durch ausgedehnte Vergleichungen und historische Verfolgungen der einzelnen Melodien auf katholischer Seite dürfte es 5) Gerber!:: De cantu et musica sacra I, p. s: Quodsi (vox Selah) ad modum musicum mutandum pertinuit in genere diatonico, convenienter ad factum fuisse dici potest, quomodo in ecclesia christiana secundum octo inodos ejus generis instituitur cantus: est vero singularis meiodia Psalmi in exidu Israel de Aegypto, forte e synagoga repetenda ....

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