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Der Israelit · 1892-12-12 · Heft 98 (12.12.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 98 (12.12.1892)
Date
1892-12-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1881 Vertheidiger: Ich mutz jetzt mir das Wort zu einem Anträge erbitten. Der Herr Erste Staatsanwalt Drescher hat unter wiederholter Berufung auf seinen „klassischen" Zeugen und Bundesgenossen, den Bettelredakteur Saling, mir zwar den Vorwurf gemacht, daß derartige Anträge aus Verschleppung hinzielen. Ich bin gegen solche Vorwürfe wehrlos, da ich nicht vom Präsidenten geschützt werde, aber ich thue trotz dieser Vorwürfe unbeirrt meine Pflicht. Was ich jetzt vorlege, ist das Produkt der Arbeit der letzten Nacht, die Sonderung weniger wichtiger Daten von vielem Unwesentlichen, was mir zugegangen. Dabei habe ich die Thalsache, daß der Angeklagte im Wahlkreise Friedeberg- Arnswalde mit 10,000 Stimmen Majorität in den Reichstag gewählt ist, und vielleicht dieser Reichstag von der Befugniß des Art. 31 der Verfassung Gebrauch machte, bei der Stellung des Beweisantrages völlig außer Acht gelassen. Mich leitet nur das Bestreben, daß im Interesse des Vaterlandes Aufklärung bis in die dunkelsten Schlupfwinkel geschaffen werde. Ich überreiche diese Anträge. Erster Staatsanwalt Drescher: Ich darf mich Wohl persönlich gegen einen persönlichen Angriff des Herrn Vertheidigers wenden, der sich würdig anreiht den elenden Verdächtigungen, die hier in Massen gegen Beamte und Offiziere losgelassen werden. Die Herren sprechen immer von ihrer großen Hochachtung, die sie vor dem Offizierstand haben. Hier ist nichts davon zur Erscheinung gekommen, sondern nur Angriffe gegen die Offiziere. Das ist mir ein netter Patriotismus! Dann hat der Vertheidiger von einem Bettelredakteur gesprochen, den er als meinen „Bundesgenossen" bezeichnet hat. Das ist ein so infamer Angriff, wie er wohl noch nie vor Gericht von einem Vertheidiger unternommen ist. Ich habe im Gegentheil die Meinung, daß Herr Saling einen Meineid geleistet hat, und habe noch an demselben Nachmittag das Verfahren gegen denselben eingeleitet. Und das ist mein „Bundesgenosse"! Vertheidiger: Trotz dieser Einleitung des Verfahrens ist der Erste Staatsanwalt Drescher auch im Laufe der Verhandlung auf diesen Zeugen mehrfach zurückgekommeu Präs.: Ich nehme an, daß die Bemerkung „elendeVerdächtigung" sich nicht auf den Vertheidiger beziehen sollte. Vertheidiger: Das nehme ich zu Gunsten des Staatsanwalts auch an. Im Uebrigen erwiedere ich demselben: „Vous vous etes fache, vous avez fort“! (Im Zuhorerraum ertönt ein lautes Bravo!) Präs: Wer hat im Zuhörerraume „Bravo" gerufen? — Verschiedene Stimmen aus dem Zuhörerraum: „Hier ist er'" — Präs.: „Bringen Sie den Mann vor." Es wird ein Herr vorgeführt, der sich auf Befragen als der in der Bismarkstrase zu Charlottenburg wohnhafte Kaufmann Gebhard Felke zu erkennen giebt. — Präs.: Haben Sie „Bravo!" gerufen? — Felke: Ja. Präs.: Was soll das bedeuten? — Felke: Ich habe mir nichts dabei gedacht. — Präs.: Haben Sie nicht gehört, daß ich vorhin Jeden mit Strafe bedrohte, der solche Unregelmäßigkeiten begeht? Felke: Nein, ich war erst soeben eingetreten, ich kann es durch Zeugen beweisen. — Präs.: Herr Staatsanwalt, stellen Sie einen Antrag? Erster Staatsanwalt: Ich stelle anheim. — Der Gerichtshof zieht sich zur Berathung zurück. Das Ergebnitz derselben ist, daß der Kaufmann Felke wegen Ungebühr zu 10 Mark Geldstrafe verurtheilt wird. Es folgen noch die beiden Zeugen Neugebauer und Tornow, welche bekunden, daß der Büchsenmacher Klott ihnen einmal den Stempel anvertraut habe, als er sich wegen Unwohlseins kurz vor Feierabend entfernen mußte. Es seien noch etwa 20 bereits durchgeschossene Gewehre zu stempeln gewesen. — Hierauf erstattet Bücherrevisor Töpfer Bericht über die Buchungen der Extraverdienste der Büchsenmacher. Damit ist die Beweisaufnahme, soweit sie sich auf anwesende Zeugen erstreckt, erledigt. Zu den neuen Beweisanträgen des Vertheidigers bemerkt der Präsident: Mir wird hier mitgetheilt, daß diese Anträge wieder so viele Beleidigungen enthalten, daß der Gerichtshof Bedenken trägt, dieselben hier ohne Weiteres zur Verlesung zu bringen. Der Gerichtshof wird sich zur Berathung darüber zurückziehen. Vertheidiger: Ich bin mir bewußt, während der ganzen Verhandlung Niemand beleidigt und Niemand zu Liebe noch zu Leide gehandelt, sondern mich bemüht zu haben, das Rechte zu fördern. Die neuen Anträge gehen auf Vernehmung zweier Kommandeure und eines Majors in Culm über schlechte Beschaffenheit Loewescher Gewehre, ferner eines Mitgliedes der Zintgraff'schen Expedition und zweier ehemaligen Loeweschen Arbeiter, welch letztere erweisen sollen, daß alle sachlichen Behauptungen der Broschüre auf Wahrheit beruhen. Ferner soll bewiesen werden, daß die seiner Zeit vom Kriegsminister im Reichsanzeiger erlassene Erklärung, daß die gesammten 425,000 Gewehre sich als tüchtig erwiesen haben, nicht richtig sei, da damals überhaupt erst 125,000 Gewehre erprobt worden seien und die übrigen unerprobt in den Depots lagern. Weiter wird auf Herrn v. Diest-Daber zum Beweise darüber Bezug genommen, daß höhere Offiziere die Broschüre Ahlwardts als ein Verdienst um das Vaterland bezeichnet haben. Der ungarische Kriegsminister soll darüber vernommen werden, daß die ungarische Regierung zweimal die Abnahme von 20,000 Gewehren als unbrauchbar zurückgew-esen habe. Daran reihen sich noch zahlreiche andere Beweisanträge, namentlich wird auch der Beweisantrag über Herrn v. Wackerbarths vergebliche Anstrengung, die Staatsanwaltschaft zum Einschreiten zu veranlassen, gestellt. Der Vorsitzende erklärt, daß daran sich noch Deduktionen knüpfen, die zu verlesen der Gerichtshof ablehne, da das nur persönliche Auseinandersetzungen zwischen den Offizieren und dem Vertheidiger zur Folge haben würde. Vertheidiger: Ich würde persönliche Auseinandersetzungen mit den Offizieren nicht scheuen. Der Gerichtshof behält sich die Beschlußfassung über diese Anträge vor und der Präsident vertagt um 4 ein halb Uhr die Sitzung auf Mittwoch 9 ein halb Uhr. (Fortsetzung siehe in der zweiten Beilage.) Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann. (Schluß.) Jene allgemeineren Uebereinstimmungen und Aehnltchkeiten nämlich werden noch ergänzt durch eine ganze Anzahl speziellerer. Was zunächst den äußerlichen Charakter der Melodien betrifft, so haben sich bei uns auch in unzähligen Tongängen Melodien von durchaus alterthümlichem Gepräge erhalten, Melodien, deren Tonleiter nicht mit einer unserer modernen Tonleiter äur oder inoll übereinstimmt, sondern die sich nur in eine der antiken sogenannten Kirchentonarten einreihen lassen. Z. B. ist die Tonart des ThoravortragD an Neujahr und Versöhnungsfest die jonische, Kol nidre enthält Wendungen aus der dorischen Tonart u. s. w. Auf diesen Ktrchentonarten aber ist auch der ge-

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