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Der Israelit · 1892-12-12 · Heft 98 (12.12.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 98 (12.12.1892)
Date
1892-12-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1880 sagen? — v. Wäckerbarth; Ich habe sehr viel Studien darüber gemacht, halte mich aber in keiner Weise für berufen, hier mich darüber auszulassen. Der nächste Zeuge ist der Ingenieur Paasch. Derselbe erklärt, daß er selbst in der antisemitischen Bewegung stehe und mit der Entstehung der Broschüre und allen Einzelnheiten sehr vertraut sei. Er wisse, daß Ahlwardt nur aus patriotischen Impulsen gehandelt habe. Er sei ja nur ein Laie, habe aber doch nur einige Seiten der Broschüre zu durchblättern brauchen, um zu sehen, daß es sich hier um außerordentliche Dinge handelte, welchen man im Interesse des Vaterlandes unbedingt näher treten müsse. Präs.: War Ihnen denn nicht klar, daß durch diese Broschüre die Liebe des Soldaten zu seinem Gewehr erschüttert werden mußte, daß es nichts Gefährlicheres und Vaterlandsloseres geben konnte, als solch eine Broschüre zu veröffentlichen? Paasch: Ich bin anderer Meinung. Ich halte dafür, daß sich der Angeklagte ein großes Verdienst um das Vaterland erworben hat. Hoffentlich wird die Folge dieser Broschüre sein, daß Juden in Zukunft nicht mehr solche Lieferungen erhalten. Ich habe mit Ahlwardt Stunden lang in seiner Wohnung darüber berathen, ob etwa durch die Broschüre das Vertrauen der Soldaten zu dem Gewehre erschüttert werden könnte. Wir sind dabei zu einem negativen Resultat gekommen. Wir hofften, daß das Schlußergebniß dahin führen würde, daß die Militärverwaltung diese 425,000 Gewehre der Firma Loewe zurückgeben, das Geld dafür wieder einziehen und andere Gewehre fertigen laffen würde. Der Zeuge erzählt dann, daß er mit Wackerbarth ein Gespräch über die Wahrnehmungen des Grafen Hohenthal im Borchardl'schen Lokale gehabt habe. v. Wackerbarth habe gesagt, Graf Hohenthal hätte ihm mitgetheilt, daß Loewe, Kühne und die dritte Person sich über die Leichtigkeit unterhalten hätten, mit der man die Abnahmekommission betrügen könnte. Erster Staatsanwalt: Das ist ein Widerspruch mit dem Zeugen v. Wackerbarth. Derselbe hat uns unter seinem Eide selbst gesagt, daß er den Grafen Hohenthal gar nicht nach dem Inhalt des von den Dreien geführten Gespräches gefragt habe. Paasch: Dazu kann ich nichts sagen. w Wackerbarth erklärt, daß er über die Details des Gesprächs nicht unterrichtet gewesen sei, aber allerdings erfahren hätte, daß cs sich um die Firma Loewe und Armeelieferungen handelte. Die Thatsache, daß Graf Hohenthal daraus Veranlassung nahm, bei dem Kriegsministerium vorstellig zu werden, habe ihm gezeigt, daß es sich um wichtige Dinge handle. Erster Staatsanwalt: Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß zu jener Zeit eine Abnahme-Kommission noch gar nicht bestand. Vertheidiger: Ich bitte darauf doch nicht so großes Gewicht zu legen. Abnahmekommissionen haben doch bei anderen Lieferungen schon bestanden und die Herren können sich ja über Erfahrungen in dieser Beziehung unterhalten haben. Kann uns dieser Zeuge Auskunft über die Zwecke und Ziele der „Alliance Jsraelite" geben? Paasch: Gewiß. Seit Monaten bin ich vom Untersuchungsrichter über die Alliance Jsraelite vernommen worden, habe große Reisen gemacht, viele Briefe geschrieben und wundere mich, daß diese Arbeit eigentlich eine vergebliche werden sollte. Ein Jude darf nach seiner sogenannten Religion anderen Leuten über den Inhalt der Satzungen des Talmuds nicht Kenntniß geben. Er wird andernfalls einfach todtgeschlagen. Ebenso ist es mit der Alliance Jsraelite, deren Hauptmitglied Ludwig Loewe war und zu welcher Isidor Loewe 10 Mark Beisteuer leistet. Die Alliance Jsraelite ist eine gegenseitige Versicherungsgesellschaft. Wenn der Jude 10 Mark Beitrag dazu leistet, dann darf er Verbrechen begehen und den Staat betrügen, er wird geschützt durch die andern Juden, jüdische Rechtsanwälte und jüdische Offiziere, deren es ja auch giebt, wenn sie auch getauft sind. Präs.: Die Alliance Jsraelite gehört nur insoweit hierher, ob sie der Firma Loewe den Befehl erlheilt hat, Deutschland wehrlos zu machen, um die hirnverbrannte Idee zu verwirklichen, „die jüdische Weltherrschaft zu etabliren." Ist Ihnen davon etwas bekannt? Paasch: So dumm sind doch die Juden nicht, daß sie davon etwas verlautbaren laffen. Hier erhebt sich im Publikum beifälliges Gelächter. Der Präsident rügt das wiederum ernstlich, droht nochmals, den Zuschauerraum zu räumen und läßt vier Schutzleute im Zuschauerraum postiren mit dem Aufträge, Jeden sofort vorzuführen, der sich unterstehen würde, die Unterhandlung zu stören. Paasch: Mit Einverständniß der Alliance Jsraelite geschehen solche Sachen, im Einverüändniß mit der Alliance und dem jüdischen Sittengesetz geschieht es, daß jüdische Lieferanten den Staaten schlechte und unbrauchbare Waare liefern. Präs.: Derartige Abhandlungen gehen aber damit doch zu weit. Das mag ja ein sehr interessanter Vortrag sein und wenn der Vertheidiger Interesse daran hat, so kann er ja dahin gehen, wo ein solcher Vortrag gehalten wird. In seiner weiteren Bekundung erklärt Zeuge Paasch u. A., daß der srühere zweite Direktor der Loewe'schen Fabrik, Hr. Barthelmes, ein Deutscher gewesen sei, gegen dessen Thätigkeit sich Nichts einwenden lasse. Derselbe sei aber ganz plötzlich gestorben — Zeuge Loewe: Derselbe ist an einer Verkalkung der Blutgefäße gestorben. Paasch: Es kommt auch daraus an, festzustellen, ob nicht etwa Offiziere jüdischer Abkunft bei der Zutheilung der Lieferung an Loewe betheiligt waren. — Präs.: Sie wissen doch wohl keine Namen solcher Offiziere? Die Verträge sind bekanntlich im Kriegsministerium festgestellt und vom Justitiarius geprüft. Wozu also solche Verdächtigungen? Paasch: Das ist hier eine Rassensache. Wir haben ja doch auch schon einen jüdischen Kultusminister gehabt. — Vertheidiger: Wer war das? Herr v. Goßler? — Präs.: Sollen nun auch noch die Ministerien hier an den Pranger gestellt werden? — Vertheidiger Die Militär-Sachverständigen haben hier in aller Weitschweifigkeit sich äußern dürfen! — Präs.: Der Zeuge Paasch schweift in Regionen ab, in welche wir ihm hier nicht folgen können. Man sieht doch, wie parteiisch die Vertheidigung vorgeht, daß sie sich hier nun extra an einen Namen anklammert. Hier soll wieder etwas in den Schmutz gezogen werden. Ich lasse hier aber Nichts in den Schmutz ziehen! Verth.: Ich ziehe hier nichts in den Schmutz, sondern ich vertheidige den Angeklagten Ahlwardt! Präs.: Sie wissen doch ebenso gut wie ich, daß es eine unwahre Behauptung ist, daß in der Familie Goßler nichts Jüdisches ist! Zeuge Paasch läßt sich dann noch über die Alliance Jsraelite aus. Bei einer Frage des Angeklagten, die sich auf die Antheilnahme der Alliance an der Ermordung Alexanders II. bezieht, erhebt sich der Staatsanwalt und erklärt: Wenn in dieser Weise fortgefahren wird, seitens des Angeklagten Utld des Vertheidigers ganz willkürlich Dinge in die Oeffentlichkeit zu werfen, welche dann öffentlich weiter ausgedeutet weroen, werde ich augenblicklich beantragen, die Oeffentlichkeit auszuschließen, da in der That die öffentliche Ordnung gestört wird.

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