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Der Israelit · 1892-12-12 · Heft 98 (12.12.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 98 (12.12.1892)
Date
1892-12-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1878 saß gar keine festen Grundsätze. Wenn er in toller Gebelaune war, konnte er den geringsten Dienst königlich belohnen, während er, wenn er übler Laune war, oft einen Diener, der unabsichtlich einen gar nicht nennenswerthen Schaden verursachte, eigenhändig in surchlbarfter Weise mißhandelte. Bald war er jedermann, bis an die äußerste Grenze vertrauend, bald war er von einem Argwohn, einem Mißtrauen besessen, das sich seiner ganzen Umgebung in peinlichster Weise fühlbar machte. Markgraf Friedrich Wilhelm war egoistisch, rücksichtslos, hart, grausam. Mein Vater, der in Fürth lebte jund mir daher nicht von Fall zu Fall mit seinem weisen Rathe zur Seite stehen konnte, hatte mir es streng^eingeprägt, mich nie in Dinge zu mischen, die außerhalb meiner Sphäre lägen, machte es mir aber anderseits zur Pflicht, wenn dies in meiner Macht läge, Grausamkeiten zu verhindern, unschuldig Verfolgte zu schützen. In der That hatte ich namentlich einmal Gelegenheit diese Pflicht mit Erfolg auszuüben und ich will dieses Begebniß, das sich kurz vor dem Sturze unseres Hauses zutrug, aus dem Grunde erzäblen, weil Sie, hochverehrter Herr Oberhoffaktor, die Person, die es betraf, kennen lernten und diese, mit Gottes Hilfe eine günstige Wendung in dem Schicksal meiner Familie herbeiführte. Es handelte sich nämlich um einen Menschen, den ich von meiner frühesten Jugend an gekannt hatte. Mein Vater war einmal auf einen, etwa sieben bis achtjährigen Burschen dadurch aufmerksam geworden, daß dieser ihm eine große Silbermünze, die er ihm, als er jihn um eine Gabe ansprach, verabreichte, aus dem Grunde zurückgebracht, weil er glaubte, mein Vater hätte sich in der Dunkelheit vergriffen und beabsichtigte ihm nur eine Kupfermünze zu geben. Mein Vater erkundigte sich über die Verhältnisse des Knaben und erfuhr, daß seine Mutter Barbara Rogert, die Wittwe eines Dachdcckergehilfen sei, der bei einem Sturze vom Thurm sein Leben etngebüßt und sie und ihr einziges Kind in so trauriger Lage zurückgelassen hatte, daß die arme Frau, die an Gicht litt und daher nicht arbeiten konnte, um nicht mit ihrem Kinde zu verhungern, gezwungen war, dieses betteln zu schicken. Mein Vater sorgte für die Wittwe und ließ deren Sohn Bernard, einen gutgearteten, begabten Knaben unterrichten. Als dieser vierzehn Jahre alt geworden, gab ihn seine Mutter in die Dienste eines Gutsbesitzers, wo er Gelegenheit hatte, sich zu einem tüchtigen, herrschaftlichen Diener auszubilden, und als sein Dienstherr starb, äußerte die arme Wittwe, deren Vater einen unbedeutenden Posten bei dem Fürsten eines kleinen Ländchens eingenommen, und sich hierbei wohlbefunden, sie würde es als ein Glück betrachten, wenn ihr Sohn, und sei es auch in der niedrigsten Stellung, an den markgräflichen Hof käme, wo er ganz gewiß in nicht ferner Zeit in die Lage gesetzt würde, seine Mutter zu unterstützen. Mein Vater sah ein, daß Barbara Rogert recht habe und deren Sohn Bernard kam — mein Vater war damals noch nicht in persönliche Berührung mit dem Markgrafen gekommen — durch Vermittlung meines Onkels Elkan als Stallbursche an den Hof, der kluge zu Allem verwendbare Bursche erregte die Aufmerksamkeit des Markgrafen, er gewann dessen Gunst und wurde bald dessen Leiblakai." „Es ist dies derselbe, der zuletzt beim Grafen Nimptsch in Diensten stand, und das gegen den Prinzen Eugen geplante Complott entdeckte", bemeikle Wertheimer sich anPerezMarkbreiter wendend. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhanüel ju besiegen bei E. $. Kteinacker, Leipzig, Roßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öfterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzuseuden. Eine Rücksendung von au die Redactiou eingesandten Mauuscripte» findet nicht statt, mau bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalteu. JuyaN evauptviatt,: r'ettenver Ärutet: UmieuvlUiger Humor. — Zeuuugsnachrcchleil u. ^orreipouvenzen: Deultchland: Berlin. Posen. Leipzig. Aus Baden. Wnrzburg. Burgpreppach. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Frankreich: Paris. — Rußland: Moskau. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitende Artikel: Prozeß Ahlwardt. — Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Landsberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Leitende Artikel: Das Chaiiukah-Licht. Von'Wilh. Löwy in Sarbogard (Ungarn). — Prozeß Ahlwardt. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Worms. Berlin. — Vermischtes. Verantwortliche Redaclion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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