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Der Israelit · 1892-12-12 · Heft 98 (12.12.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 98 (12.12.1892)
Date
1892-12-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1876 Resultate beigetragen haben. — Wir wünschen unserem frommen Dr. Klein im by m-n n!?s. N. Rußland. Moskau, 2. Dez. Dem Bureau Reuter zufolge sollen demnächst „außerordentliche Maßregeln" ergriffen werden, um die noch in Moskau lebenden jüdischen Handelsleute zu zwingen, sich der griechischen Kirche anzuschließen. Die Handelskammer hat eine Resolution gefaßt, wonach alle Juden von der Liste der Moskauer Kaufleute gestrichen werden sollen. Jüdische Kaufleute aber, welche die griechische Religion annehmen, sollen auf eine dreijährige Probezeit nach dem 10 km entfernten Dorfe Tscherkijowa versetzt werden, wo sie unter Aufsicht der lokalen Geistlichkeit ihre neuen religiösen Pflichten zu erfüllen hätten und je nach ihrem Verhalten wird ihnen dann die Rückkehr nach Moskau erlaubt oder verboten werden. Was die Schüler des Herrn Pobjedonosszew wohl noch ansdenken werden, um Andersgläubige zu bedrücken und zu vernichten! — England. London, 25. November. Der Sekretär des Schatzamtes in den Vereinigten Staaten ernannte bekanntlich vor einiger Zeit eine Kommission, welche sich in Europa über Alles informiren sollte, was mit der Jmportation von unter Kontrakt stehenden europäischen Arbeitern nach den Vereinigten Staaten zusammenhängt und darüber berichtet. Außerdem wurde die Kommission beauftragt, sich auch über alle anderen Klassen von Ausländern zu unterrichten, deren Einführnng in Amerika verboten ist. Der Bericht der Kommission ist nun veröffentlicht. In Kurzem sei hervorgehoben, was die nach Rußland gesandten Mitglieder der Kommission über die schreckliche, barbarische und schimpfliche Verfolgung, welche die Inden in dem orthodoxen Lande mit der Sanktion des russischen Kaisers und der russischen Regierung zu leiden haben. Natürlich ist dies Alles im Großen und Ganzen der Welt schon längst bekannt. Die Kommission, die Alles geprüft, die nichts auf guten Glauben hingenommen, führt jedoch Einzelheiten an, welche — authentisch wie sie sind — ihr selbst Abscheu und Scham eingefiößt haben. Wir machten es uns zur Pflicht — sagen die Delegirten — in unserem Berichte die Thatsachen für sich selbst sprechen zu lassen. Wir hatten uns Zwang anzulegen, um die Gefühle, die sich unserer beim Anblick des grausamen Elends, dem diese menschlichen Wesen ausgesetzt waren, bemeistern wollten, zu unterdrücken. Die Szenen, die wir vor unseren Augen hatten, werden nie aus unserem Gedächtniß schwinden. Ein Ukas, von dem Zarenselbst unterzeichnet, und in welchem alle Privilegien, die den Juden früher gewährt worden waren, wieder zurückgenommen wurden, ward in Moskau an den beiden ersten Tagen des Passah-Festes 1891 veröffentlicht Die Polizei und die Feuerwehr umzingelten während der Nacht das Quartier der Juden, trieben Männer, Frauen, Kinder aus ihren Häusern und schleppten sie zur Polizeiwache. Die, welche zeitig gewarnt worden, flohen nach den Vorstädten, den Kirchhöfen, andere fuhren von einem Ende zum anderen Ende der Stadt, heimathlos, hungrig, hilflos — und nur wenn sie Zuflucht in öffentlichen Häusern finden konnten, waren sie für den Augenblick gerettet. — Die „Times", welche in einem Leitartikel den obigen Bericht bespricht, drückt ihren Unwillen in starken Worten über diese Unmenschlichkeiten im christlichen Rußland aus. Was, sagt das Blatt, die ganze zivilisirte Welt empört, ist, daß ein solches System der Unterdrückung, wie nun offiziell dokumentirt, von dem russischen Kaiser und der russischen Regierung gebilligt und aufrecht erhalten wird. > vermischtes. < Karlsruhe. Vor einigen Wochen wurde hier wieder eine antisemitische resp. deutsch-soziale Versammlung abgehalten, deren Hauptredner von Ulm importirt war. Bald darauf wurde hier das Scheffeldenkmal eingeweiht und es waren die Worte, mit welchem der Oberbürgermeister das Denkmal im Aufträge des Stadtrathes annahm, jedenfalls an die Adresse dieser Partei gerichtet. Er sprach unter Anderem: „Er (Scheffel)" war es, der s. Z. für das neu erstandene Reich inbrünstig den Segen herabflehte: „Gott schütze es vor Klassenhaß Und Rassenhaß und Massenhatz Und derlei Teufelswerken." Wir aber wollen nicht nur wünschen, sondern handelnd bewirken, daß dieser Segen insbesondere auch an der engen Heimath, der wir angehören, an unserer Stadtgemeinde in Erfüllung gehe, daß hier auch fürder nicht die zerstörende Macht des Hasses und Zwiespalts, vielmehr die schöpferische der Eintracht die Herrschaft führe. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (35. Fortsetzung.) Der Herzog von Maine, derjenige von den natürlichen Söhnen König Ludwig XIV., welchen dieser am meisten liebte, werde in dem Momente vollständig von ihr beherrscht und habe ihr zugesagt, wenn ihr Freund der Kammerjunker von Lirenberg nach Paris käme, er ihn protegiren, ihm rasch eine glänzende Stelle am Hofe verschaffen würde. Mein Vater hatte sich die höchste Gunst des Markgrafen errungen, aber in entschiedenem Gegensätze zu seinem Bruder Elkan, der bei allen Staatsaffairen und bei den Privatgeschäften des Markgrafen mitberieth, vermied er es, sich in öffentliche Angelegenheiten zu mischen. Nur ein einziges Mal hatte er dem Markgrafen ein Memoriale überreicht, in welchem er dringenst die Abschaffung der Tortur forderte, welche er mit kühnem Freimuthe als eine Geißel der Menschheit, als ein unsühnbares Verbrechen an diese bezeichnete." „Alle sublimen Geister unserer Zeit theilen diese Ansicht", meinte der Oberhoffaktor.

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