Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1892)
- Date
- 1892-12-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1875 Wohlwollen, welches der verdiente Herr uns in seiner seitherigen amtlichen Stellung hat angedeihen lassen, uns auch in der Folge nicht fehlen werde.) — Auch in dem materiellen Entwickelungsgang der Schule können wir wieder mit Freude und dankerfülltem Herzen einen allmählich steigenden Fortschritt konstatiren: edle Menschenliebe, frommer Brudersinn und inniges Verständniß für die Zwecke und Ziele der Schule haben zusammengewirkt, ihr Spenden und Gaben in so reichem Maße zuzuführen, daß es möglich ward, das Bedürsniß des Jahres zu decken und einen Ueberschuß zu erzielen. Noch erscheint zwar der Bestand der Schule nicht gesichert, aber ein kräftiger Ansatz einer fortschreitenden, verheißungsvollen Entwickelung ist mit Hilfe Gottes und der Unterstützung edler treuer Freunde gemacht, das Uebrige werden in Verbindung mit diesen ernster Eifer, feste Beharrlichkeit und unerschütterliches Vertrauen vollenden. „Hoffe auf Gott! Sei stark, und muthig sei dein Herz, und hoffe auf Gott." (Ps. 27, 14.) Oest er. - Ungar. Monarchie. Pretzbrrrg, im Dez. Die Preßburger Gemeinde nimmt eine ganz eigentümliche Stellung unter den jüdischen Gemeinden ein und übt seit alten Zeiten einen seltsamen Eindruck auf Gemüth und Phantasie des Judenthums aus. Es liegt noch heute etwas Urjüdisches sowohl in den Institutionen der Gemeinde als auch in der Gemeinde selbst; es weht uns noch heute — obzwar Preßburg auch nicht von den Einflüssen der modernen Strömung frei ist — etwas von dem streng jüdischen und kraftvollen Geist der Vorzeit von dieser Stadt entgegen. Vor Allem aber ist es die Jeschibah, auf welche die Blicke der orth. Juden unserer Monarchie gerichtet sind. Besonders erfreuend ist der Anblick so vieler vortefflichen jungen Leute, in deren Mitte schon manches wirksame Genie für die Zukunft aufgeblüht, die die edle Wißbegierde, die Thora an der Quelle zu schöpfen, hier versammelt. Diese Woche wurde das Wintersemester eröffnet. Es ist von jeher Brauch, daß bei Eröffnung der Vorträge ein exegetischer Vortrag abgehalten wird, in welchem auch in eindringlichster Weise 1212 »th gesagt werden. Noch lange vor Ankunft des Direktors, Herrn Oberrabbiner Schreiber ’-j herrschte in allen Räumen des neurestaurirten Hörsaales ein lebhaft bewegtes Treiben. Nach dem üblichen Vortrage, in welchem die Aufgabe der Talmudjünger, im ganzen Umfange ihrer Pflicht und Wichtigkeit dargestellt wurde, ist noch ein halachischer Vortrag abgehalten worden, wobei es natürlich an einem lebhaften Pilpul seitens der Bachurim nicht fehlte, bis der Direktor den Vortrag schloß und unter nicht endenwollenden Beifallsrufen den Saal verließ. Samstag, den 26. Abends, feierte die isr. Volksküche die Jahreswende ihrer Eröffnung. Das Resultat des verflossenen Jahres war ein glänzendes und hat auch der Zweck derselben den guten Absichten entsprochen, welche sich die Gründer vorgesetzt; denn es wurden laut statistischem Ausweis nicht weniger als 25.000 Portionen monatlich an Arme verabreicht. Die Volksküche wird sowohl von hilfsbedürftigen Talmudjüngern als auch von andern unterstützungsbedürftigen Personen frequentirt, so daß man an eine Erweiterung der Lokalitäten denken mußte, weil die dort täglich speisenden Gäste kaum mehr Platz in den ausgedehnten Räumen hatten. Auch hat sich das Komitee der Volksküche seiner Aufgabe der Jeschibah gegenüber in pietätsvoller Weise entledigt, weshalb es auch dem regsten Interesse und dem Beifalle des Publikums begegnet, den eine jede hohe Errungenschaft des jüdischen Humanitären Sinnes verdient. A. Sch. Frankreich. Paris, 16. Kislew. Der gestrige Tag brachte dem gesetzestreuen Judenthume und allen religiös gesinnten unserer Brüder einen bedeutungsvollen Wahlsieg. Herr Dr. meä. Eh. Klein wurde, nach einem erregten Wahlkampfe, mit einer imposanten Majorität, in das isr. Corsistorium von Parts wieder gewählt. In der am 30. November stattgefundenen und von mehr als tausend der hervorragendsten Gemeindemitglieder besuchten Versammlung, ward von einer kleinen Fraction die Wiederwahl eines orthodox gesinnten Vertreters angesichts der antisemitischen Bewegung, als unzulässig bezeichnet. Herr Dr. Klein lieferte hierauf in einer denkwürdigen, von Geist und Witz sprühenden Improvisation den nnanfechtbaren Nachweis, daß sämmtliche politische und soziale Errungenschaften des französischen Judenthums in eine Zeit fallen, die von Reformbestrebungen auf religiösem Gebiete verschont war, wir leben heute im Vollgenuffe der einem streng orthodoxen Judenthume zuerkannten Vortheile. Uebrigcns ist das isr. Konsistorium von Paris, kraft seines Gründungsreglements gehalten, keinerlei neue, von den Synhedrialbeschlüssen abweichende Bestimmungen zu treffen. Die antisemitischen Angriffe Drumonts seien aber nicht gegen die treuen Beobachter der jüdischen Religion; Männer die Taleß und Thefilin legen, figuriren nicht in den Publikationen der Judenfeinde. — Die falsche Behauptung, die Orthodoxen hätten den Antisemitismus heraufbefchworen, war gründlich zerstört und ein allgemeiner Beifall begleitete die herrlichen Auseinandersetzungen, die, wie man hier überall behauptet, nicht wenig zum günstigen