Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1892)
- Date
- 1892-12-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1874 neueren Bedürfnissen entsprechend zu erhöhen, entschlossen, eine neue Umlage unter den dem Religionsverband angehörenden Gemeinden vorzunehmen. Dagegen protestirt die reichste Gemeinde des Landes, das ist Mannheim, und droht mit ihrem Austritt aus dem badischen Religionsverbande, was bekanntlich in Baden möglich ist. (Ueber vorstehende Angelegenheit wird uns von anderer Seite geschrieben: Schon seit längerer Zeit schweben zwischen dem Oberrathe und den Shnagogenräthen des Landes Unterhandlungen wegen der Besteuerung. Es handelt sich dabei um zweierlei Steuern, um die sogenannten Oberrathsgelder (Eentralcasse) und um Gemeindeumlagen. Die Oberrathsgelder (feine neue Steuer) sollen nur ans Grund der vom bad. Staate festgestellten Einkommensteuer und zwar durch die staatlichen Beamten erhoben werden. Bei der Gemeindesteuer soll allgemein ein neuer Modus der Klasseneintheilung eingeführt werden. Dieser Modus bestand bisher nur in Mannheim, und soll das Maximum, das bisher in Mannheim 300,000 M. Kapital betrug, erhöht werden. Mannheim schlug 600,000 M. vor, Karlsruhe dagegen 1 Million. Bor dem Jahre 1893 wird die betreffende Vorlage kaum vor den Landtag kommen. An einen Austritt denkt die Gemeinde Mannheim nicht. Red.) Würzburg. Anlehnend an den Artikel aus Worms in Nr. 93 Ihres gesch. Bl. dürfte es interessiren, daß man hier vor einigen Wochen beim Umbau eines Hauses einen jüdischen Grabstein mit der Jahreszahl 5057 a. m., der also das respectable Alter von fast 600 Jahren hat, gefunden hat. Derselbe trägt folgende Inschrift: ypx Ywa jt nosa orrct* na anrun 'n dp npm 'D’a 'noa dem Dpui ra ’Jüm .'d 'n 'n 'n Der Eigenthümer des Hauses überließ den Stein in pietätvoller Rücksicht dem isr. Cultus- Vorstand, welcher denselben renoviren und aus dem hiesigen Friedhof aufstellen ließ. Burgpreppach, im Dez. Dem soeben ausgegebenen Jahresbericht der hiesigen israel. Präparandenschule „Talmud-Thora" für das Jahr 1891/92 entnehmen wir: Die Abfassung des Schulberichts, welchen wir alljährlich unserer Rechnungsablage vorausschicken, erscheint bei den segensreichen Wirkungen, von welchen unser wohlmeinendes Bemühen fortgesetzt begleitet ist, zwar als eine angenehme, ist aber nichtsdestoweniger eine höchst undankbare Aufgabe für uns. Denn wir verhehlen es uns nicht, daß unser Vorbericht das gewöhnliche Schicksal aller Vorworte theilt, das ist, entweder gar nicht oder nur in den seltensten Fällen gelesen zu werden. Obgleich der Berichterstatter die größte Sorgfalt darauf verwendet, durch Zusammenstellung der einzelnen die Schule betreffenden Daten ein untrügliches Zeugniß zu liefern von der Treue nnd Gewissenhaftigkeit, mit der er seines Amtes gewaltet, über die Ergebnisse und Erfolge, die sein Mühen gelohnt, oder über den Umfang des Bedürfnisses, dessen Erfüllung er von der Unterstützung höherer Gnade und frommer Menschenfreundlichkeit erwartet — kurz: während er bemüht ist, Freunden und Gönnern zn einem richtigen Einblick und Urtheil über den Werth und die Leistungen der Anstalt, der sie ihre fördernde Beihilfe leihen, zu verhelfen, eilt der empfangende Leser in der Regel mit nur flüchtigem Blick über diese Daten und Mittheilungen gleichwie über die ihm gleichgiltigen Namen und Zahlen hinweg, höchstens bei der Schlußbilanz eine Weile innehaltend, um den finanziellen Stand beurtheilen und hiervon die fernere Beitragsleistung abhängig machen zu können. Dies ist von Uebel. Denn im Interesse der redlichen Leitung einer Schule liegt es, daß die Freunde der letzteren ihre Aufmerksamkeit auch dem Gebiete des ideellen Schaffens, der Lehr- und Erziehungsthätigkeit zuwenden, daß sie wie in materieller, ebenso in geistiger Beziehung prüfen, wie sich die Ernte zur Aussaat stellt, um hieraus den richtigen Maßstab für die Würdigkeit, die Nothwendigkeit und die Gottgefälligkeit des Zweckes zu erkennen, der ihr Interesse in Anspruch zu nehmen sucht. Der Unterricht für das Schuljahr 1891/92 wurde am 28. Oktober 1891 begonnen und mit Ausschluß der üblichen Ferienzeit bis zum 6. September 1892 ohne wesentliche Störung fortgeführt. Außer den Vorständen der Schule, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Deutsch, sind hierfür noch 5 Lehrer in Anspruch genommen, und zwar 3 Präparandenlehrer und 2 Volksschullehrer. 46 Zöglinge haben im Berichtsjahre die Schule besucht, von denen 26 Bayern, 9 Preußen, 5 Württemberger und je 2 aus Meiningen,^Hessen-Daxmstadt und den Reichslanden waren. Am 14. Dezember beehrte der kgl. Kreisschulreferent von Unterfranken, derzeitige Referent über das gesammte Volksschulwesen im kgl. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten, Herr kgl. Ober- Regierungsrath Ludwig Britzelmayr die Schule mit seinem Besuche. Der hohe Herr nahm eine eingehende Besichtigung und Prüfung der Anstaltsräume, der Schuleinrichtungen, der Lehrmittel und des Unterrichtsbetriebs vor, wohnte tagsüber dem Unterrichte in den einzelnen Abtheilungen mit an und sprach sich bei seinem Weggehen höchst befriedigt über das Gesehene aus. Der hierauf erfolgte Inspektionsbericht konstatirt die gemachten Wahrnehmungen, giebt einige dankenswerthe Anregungen und Unterweisungen,szollt der pflichttreuen, zielbewußten Arbeit der Fachlehrer gebührende Anerkennung und schließt mit den Worten: „daß die Präparandenschule unter ihrem dermaligen Vor stände sich eifriger und einsichtiger Leitung zu erfreuen hat." (Wir sind über diesen werthvollen Ausdruck auszeichnender Anerkennung auf's Höchste beglückt, statten hierfür unfern ehrerbietigsten Dank ab und hegen die freudige Zuversicht, daß das