Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 98 (12.12.1892)
- Date
- 1892-12-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1873 ifjrem Rausche ruft sie aus: Mag die jüdisch-freisinnige Meute ihr Gift ausspritzen, so viel sie will, es ist unschädlich. Der Sieg des gesunden, deutschen Gefühls über jüdische Niedertracht, das ist die Bedeutung dieser Wahl, die hoffentlich noch dadurch erhöht werden wird, daß das deutsche Volk sich in seiner überwiegenden Mehrheit von diesem jüdischen Treiben voll Abscheu abweudet. Warte nur, edle „Staatsbürgerzeitung", auch Deine Stunde kommt, wo Du an Gräbern stehst und klagst. Pose», im Nov. dvh 'mn mitto nr« *6. Mir liegt die schmerzliche Pflicht ob, den Heimgang einer edlen Frau zu berichten, edel durch Abstammung, edel durch die höchsten weiblichen Tugenden, edel als wahrhafte Israelitin. Es ist dies die Frau Hirsch selb, Tochter unseres unvergeßlichen -iyjDj6s nötw '"i, Wittwe des vor mehreren Jahren Hingeschiedenen Dr. A. Hirschfeld, die nun ihrem verewigten Gatten in's Jenseits folgte. Ein Ideal echter Weiblichkeit, zierten sie sowohl die Vorzüge der gesellschaftlichen Bildung, als auch diejenigen einer wahrhaft jüdischen Hausfrau; sie war die würdige Tochter ihres großen Vaters. Als solche wußte sie auch die Pflichten einer jüdischen Mutter im weitesten Umfange zu erfüllen und es ist ihr gelungen, ihre Kinder zu braven, tüchtigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft und zu begeisterten Anhängern des Judenthums zu erziehen. Mit Recht konnte ihr Sohn, der Rabbinats-Candidat Dr. Leo Hirschfeld an ihrer Bahre die Worte Raschi's zu der dieswöchentlichen Sidra anwenden: rmn njs ,ni’T hjb ,rmn rus, denn nicht nur der trauernden Familie ist sie entrissen, sondern auch der jüdischen Gemeinschaft, die wahrlich nicht allzuviele solcher Frauen zu verlieren hat. Welcher Beliebtheit und Achtung die Verstorbene sich erfreute, zeigte sich bei dem Leichenbegängnisse, an welchem eine zahlreiche Menge theilnahm. Vorher sprachen im Trauerhause der Gemeinde-Rabbiner Herr Dr. Feilchenfeld tief empfundene und zu Herzen gehende Worte, darauf der jüngste Sohn, der bereits genannte Dr. Leo Hirschfeld, der durch seine schmerzerfüllte Rede die ganze Versammlung mächtig ergriff, und endlich auf dem Friedhöfe der Bruder und Schwiegersohn, der Rabbiner Dr. Pleßner aus Oftrowo, der ebenfalls in ergreifenden Worten seine und aller Seinigen schmerzlichen Gefühle schilderte. Das Andenken der Verstorbenen sei zum Segen! Leipzig, 2. Dez. Die Prahlsucht am Grabe, resp. das Kranzunwesen, wie es heute in Großstädten Mode ist, geißeln die „antisemitlsch-orthodoxen Grenzboten" (dasselbe Blatt, das den Artikel von Caro, die Judenfrage, eine ethische Frage zuerst brachte) wie folgt: Wenn heute Hinz oder Kunz stirbt, das Mitglied des Vergnügungsclubs „Hilaria" die Augen schließt, werden ganze Lorbeerbäume entblättert. Du, armer Lorbeer, wie bist Du heruntergekommen! An die Stelle des Palmenzweiges sind die großen Fächerpalmen getreten, am Stiel mit einem sogenannten Blumenarrangement belastet das möchte ja noch Alles hingehen; aber wer sich's viel kosten läßt, will auch nicht im Verborgenen bleiben. So wird an dem Lorbeerwagenrad eine Schleife von Handtuchgröße befestigt, auf der in goldenen dicken Buchstaben der Name des Gebers steht. Wer jetzt den Sarg sieht, weiß auch gleich, wer die sind, die ihn so schön (!) geschmückt haben. Aber am Begräbniß nehmen nur wenige theil könnten nicht auch andere davon erfahren? Nichts leichter, als das; der Blumenhändler ist sofort bereit, des Arrangement mit der Schleife in seinem Schaufenster auszustellen und so weiß denn bald die ganze Stadt, was für noble Freunde der Verstorbene gehabt hat! Eine einzige Steigerung wäre noch möglich, wenn nämlich unter den Namen des Gebers in noch dickeren Buchstaben der Preis genannt würde. Dann erst hätte man sofort einen Maßstab für den Schmerz der Leidtragenden. Vielleicht erleben wie das auch noch. Wo bleibt aber die Liebe, die sich nicht aufbläht, die sich nicht ungeberdig stellt, die nicht des Ihre sucht? Wahrhastig wohlthuend wirkte es, als neulich in einer Zeitung zu lesen war: „Blumenschmuck wird auf besonderen Wunsch des Verstorbenen dankend abgelehnt." Vielleicht interessirt es die antisemitische Redaction des „Grenzboten" zu erfahren, daß Blumenspenden in gesetzestreuen jüdischen Kreisen nicht eingeführt sind, daher auch daselbst nicht abgeschafft zu werden brauchen. Ans Baden. Im Bereiche des badischen israelitischen Religionsverbandes, welcher durch den badischen Oberrath der Israeliten staatsrechtlich repräsentirt wird, besteht bekanntlich eine Kasse, „Zentralkasse" genannt, die dazu bestimmt ist, armen Gemeinden, die ihre religiösen Bedürfnisse, wie Synagoge, Lehrer, Schochet rc. nicht aus eigenen Mitteln aufbrigen können, aus dieser Kasse zu unterstützen. Diese Kasse hat ihre Einnahmen daher, daß dieselben auf den Gemeinden, nach Verhältnis ihrer Steuerbudgets ausgeschlagen und vertheilt werden. Leider sind in der neueren Zeit viele kleine Gemeinden durch Wegzug ihrer vermögenderen Mitglieder unterstützungsbedürftig geworden und die „Centralkasse" in Anspruch zu nehmen in die Lage gekommen. Da hat sich nun die badische Oberbehörde, um die Einnahmen der Centralkasse den