Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1892)
- Date
- 1892-12-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1856 wurden, indeß die jüd. Vorsänger, die in früheren Zeiten meistens in erster Linie Gelehrte und dann erst Chasonim gewesen, die Reinheit des musikalischen Theils unseres Gottesdienstes zu allen Zeiten stark beeinträchtigten. Auch war man glücklich, zu Zeiten der Verfolgungen die heilige Lehre, die heiligen Schriften und Bücher retten zu können und konnte nichtgenügend Zeit und Kraft auf die Erhaltung von Melodieen verwenden. Infolgedessen werden wir bei der Ausbeutung der Uebcreinstimmungen der beiden Kulte für die Frage nach dem Ursprünge der jüdischen auch von den wohlgeordneten Melodiesammlungen der katholischen Kirche ausgehen müssen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Berlin, 5. Dezember. Die „Natioual-Ztg." bespricht die Thatsache, daß der Landrath v. Bornstedt öffentlich zur Wahl Ahlwardt's aufgefordert hat, und sagt: „Es ist das ein öffentlicher Skandal, zu dem uns ein Seltenstück nicht erinnerlich ist. An die preußische Regierung ergeht die Frage, ob sie dieses Auftreten des Landraths zu dulden gewillt istd Nach unserer Mein- und hat er sich der Achtung, des Ansehens. und des Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Wir führen diese Voraussetzung für die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung nicht an, weil wir eine selche etwa wünschten. Der Landrath von Barnstedt ist ein alter Mann, der jüngst sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum gefeiert hat. Es wird für die Regierung also mildere Mittel geben, der Mißbilligung des Verfahrens eines Landraths, welcher die Kreiseinwohner zur Wahl Ahlwardts in den Reichstag auffordert, deutlichen Ausdruck zu verleihen. Aber durchaus zutreffend sind allerdings nach unserer Meinung die citirten Worte des Disziplinargesetzes auf den Landrath v. Bornstedt." — Die „Nationalztg." erinnert nämlich an den bekannten Erlaß Bismarks über die Wahlpflichten der Beamten, wobei er sagte: „Ich verstehe darunter, daß ein politischer Beamter bei aller Freiheit der Wahl, wenn er z. B. fortschrittlich wählen wollte, doch der Verpflichtung nicht überhoben wäre, Lügen — was ich vorhin „politische Brunnenvergiftung" nannte — zu wiederlegen nach seinem besten Gewissen; und wenn es ein Mann von Ehre und Gewissen ist, so wird er das wahrscheinlich thun; das ist es, was ich vom politischen Beamten erwarte; und wenn er das nicht einmal leistet, daß er einer notorischen Lüge und Entstellung, wie sie bei den Wahlen so oft vorkommt, entgegentritt, daß er der Wahrheit nicht die Ehre giebt: —also ein Oberpräsident zum Beispiel, der in dieser Beziehung fehlte, der wäre viel zu lang Oberpräsident gewesen. Von diesen politischen Beamten wird erwartet, daß sie die Wahrheit, so weit sie ihnen bekannt ist, der Unwahrheit gegenüber vertreten." Hat der Landrath von Bornstedt diesen Absichten des königlichen Erlasses von 1882 entsprochen, indem er die Einwohner des seiner Verwaltung anvertrauten Kreises öffentlich anfforderte, Ahlwardt in den Reichstag zu wählen, den extremsten Vertreter der Hetzerei, welcher dem Volke glauben machen will, unser ganzes Staatswesen sei verrottet und verkauft, so daß sogar das deutsche Heer mit unbrauchbaren Gewehren bewaffnet worden! Man wird ja hören, welcher Meinung hierüber das preußische Staatsministerium, insbesondere sein Präsident, der Minister des Innern Graf Eulenburg ist." Auch die „Post" erklärt, sie hätte es nicht für möglich gehalten, daß das konservative Wahlkomits und der Landrath für Ahlwardt eintreten. Es sei das eine hochbedenkltche Verwirrung, zu der sich auch Anklänge bei einigen sozial-gefärbten Schmarotzerpflanzen am Stamme der konservativen Partei fänden. Aus dem Spessart, 30. November. Der antisemitische „Main- und Kinzigbote" hatte ein schreckliches Bild entrollt von der „Judenwirthschaft im Spessart". Dies gab dem kalholischen Pfarrer und ultramontanen Landtagsabgeordneten De. Frank in Wiesen (So ssart) Anlaß zu folgender Erklärung: . Der fragliche Artikel beruht aus Uukeuntntß der wirthschafllichen Verhältnisse im Spessart. Das Einstellvieh, das allerdings ftüher ein Krebsschaden bei uns war, ist großentheils durch die bäuerlichen Darlehenskassen - Vereine in manchen Gemeinden ganz, in anderen theilweise beseitigt. Von einem Terrorismus jüdischer Wucherer, welcher die bäuerlichen Darlehenskassenvereine nicht aufkommen ließe, weiß man im Spessart nichts. Ich kenne allerdings zwei Spessartqemeinden, in denen bis jetzt ein solcher Verein nicht Wurzel schlagen konnte, aber die Gründe, welche dort entgegenstehen, sind ganz andere. Daß die Spssartgemeinden, stumpfsinnig ihrem Ruin entgegengehen, ist eine Verleumdung, gegen die ich entschieden Verwahrung einlcgen muß. Ich bin jetzt zwanzig Jahre im Spessart im Dienste des Staates und der Kirche thätig und muß die erfreuliche Thatsache feststellen, daß die wirthschaftlichen Verhältnisse daselbst sich im Allgemeinen, Dank der Fürsorge der königlichen Regierung und dem Entgegenkommen der Sprffartbevölkerung, bedeutend gehoben haben. Ein Nothstand, wie wir solchen früher zu beklagen hatten, wird nach menschlicher Voraussicht bei uns nicht mehr eintreten." Hannover. Am 25. Nov. hielt der Reichstagsabgeordnete Herr Liebermann von Sonnenberg im Palmengarten dahier einen Vortrag über das Thema: „Wie verträgt sich die Moral des Talmuds mit dem deutschen Staatsbürgerrecht." Das Thema behandelte der Redner dadurch, indem er Bruchstücke aus dem Justus'schen Jndenspiegel und besonders aus dem bekannten talmudfeindlichen