Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-12-08 · Heft 97 (8.12.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 97 (8.12.1892)
Date
1892-12-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448309--35339-2483319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1854 er sich für ein kostbares Collier entschieden, welches er dann in dem Etui aus den kleinen Tisch neben seinem Bette stellte. Als er dasselbe am andern Morgen öffnete, fand er es leer, der kostbare Inhalt war verschwunden. Man hatte daher nicht, — wie der Stadtvogt in Folge der oberflächlichen Mittheilungen des Markgrafen geglaubt, — den Schmuck sammt dem Etui, sondern nur jenen ohne dieses entwendet. Mein Vater erkannte sofort, daß nicht ein einschleichender Dieb, sondern einer der jungen Leute, welche dem Markgrafen bet der Auswahl gerathen, der Thäter wäre. Der Vater sprach diese seine Ueberzeugung vor Niemanden aus, führte jedermann dadurch irre, daß er ostentativ durch Beamte in allen Orten des Fürstenthums Nachforschungen und Untersuchungen anstellen, aber gleichzeitig alle junge Leute, die sich an jenem Abende beim Markgrafen befunden hatten, unauffällig überwachen ließ. Er bediente sich hierzu nicht Ansbach'scher Beamten, deren Unverläßlichkeit ihm bekannt war, sondern einiger Franzosen, die früher Mitglieder der Pariser Geheimpolizei gewesen und die er nach Ansbach berufen, wo sie als Uhrmacher, Perruckier und Sprachmeister unerkannt lebten und von ihm fürstlich besoldet wurden. — Nachdem mein Vater durch scheinbar verkehrte, erfolglose Maßregeln, den Verbrecher in Sicherheit gewiegt und jedermann, ganz besonders der ungeduldige Markgraf jede Hoffnung auf Entdeckung des Thäters aufgegeben hatte, forderte mein Vater eines Tages den Markgrafen ganz unvermittelt auf, er möge die Gnade haben, ihn und eine aus mehreren Gerichtspersonen bestehende Commission in ein Haus zu begleiten, in welchem er — wie er hoffe — Ujm den Dieb seines Schmuckes zeigen werde. Eine solche persönliche Mitwirkung war ganz nach dem Geschmacke des Sonderlings Friedrich Wilhelm. Mein Vater führte ihn und die Commission, deren Mitglieder eben so wenig als der Markgraf wußten. wohin sie geführt würden, zu dem Kammerjunker von Lirenberg, welcher von dem Markgrafen schon als dieser noch Erbprinz gewesen, ausgezeichnet wurde und auch sein Begleiter, während seiner Reisen und feines Pariser Aufenthaltes gewesen war. Junker von Lirenberg erschrack beim Anblick des Markgrafen und seiner Begleiter, und eilte — wie er sagte, um sich eines so hohen Besuches würdig umzukleiden — ins Nebenzimmer, aus dem kurz darauf ein Schuß ertönte, und als man in dasselbe eilte, fand man ihn mit zerschmettertem Gehirn, blutüberströmt, tobt am Boden ausgestreckt. Diese Selbstjustisizirung ließ seine Schuld erkennen und eine sofort unter den Augen des Markgrafen vorgeuommene Untersuchung, ließ nicht den geringsten Zweifel darüber. Der leichtsinnige Mann, der mit Gewißheit darauf gerechnet hatte, seine Geburt und seine Stellung zum Landesfürsten, würde jeden Verdacht von ihm ferne halten, chatte es nicht einmal für nöthig erachtet, ihn compromittirende Correspondenzen zu vernichten und man hatte unter anderen ihm wenig zur Ehre gereichenden Schriften, auch eine Serie von Briefen einer Tänzerin in Paris, einer Mademoiselle Padilla, eines sehr schönen Mädchens, gefunden, welches früher längere Zeit in Ansbach gelebt, damals ein intimes Verhältniß mit dem Kammerjunker unterhalten und auch noch von Paris aus mit ihm correspondirte. In einem ihrer unorthographisch geschriebenen Briefe, dankte sie ihm für das herrliche Collier, das er ihr (so vorsichtig war er doch gewesen, dasselbe nicht von Ansbach aus zu senden) von Frankfurt aus geschickt, und in einem andern schrieb sie ihm, daß sie seiner noch stets in Liebe gedenke und nichts sehnlicher wünsche, als wieder mit ihm vereint zu werden. Ihr Streben, dies zu ermöglichen, würde voraussichtlich von dem besten Erfolge gekrönt Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Marl, für's Ausland 16 ReichS-Marl. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len Buchhandel M bestehen bei E. g. Steinacker, Leipzig, Doßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandteu Mannscripten findet nicht fiatt, mau bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. werden. (Fortsetzung folgt.) Inhalt sHauptblatt): Leitende Artikel: Zur Beruhigung der Gesetzestreuen Hessens. — Dankbarkeit der Juden gegen die Päpste und den Klerus. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. K o h n, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann (Fortsetzung). — Zeitungsnachri chten und Correspondenzen: Drutschland: Berlin. Aus dem Spessart. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland: St. Petersburg. — Telegramme. Inhalt der zweiten Beilage: Leitende Artikel: Die Rede des Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch in der Sitzung des österr. Reichsrathes vom 25. November. — Prozeß Ahlwardt. — Vermischtes. verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckeret-Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.