Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1892)
- Date
- 1892-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1853 und Unheil; was sie in ihrem Schoße birgt, zu welchen Schrecken sie führen muß, wenn ihr von mächtiger Höhe nicht Halt geboten wird, das zu erwägen überlassen wir den Berufenen, denen das Wohl des Volkes anvertraut ist. Sie, die Einsichtigen, mögen ihre Augen nicht verschließen und erkennen, wo der Krater sich öffnet, um gesegnete Fluren zu verheeren, um Wunden zu schlagen, an denen das Judenthum-nicht verbluten wird. Feuilleton. „Fürstengunst?' Erzählung von S. Kohtt, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Ueberseyungsrechte Vorbehalten. (34. Fortsetzung.) Mein Vater wurde von diesem unerwarteten Anträge überrascht, aber er konnte es vor peinigender Ungeduld nicht erwarten, Zadok Ehrenstamm den Klauen des Stadtvogtes zu entreißen; er entschloß sich daher sogleich denselben anzunehmen und erwiedcrte mit einer tiefen Verbeugung: „Als Euerer bochfürstlichen Durchlaucht treu gehormsamster llnterthan, bin ich bereit jedem allerhöchst Ihrer Befehle zu gehorsamen, allein ich wage allerunterthänigst ein Bedenken auszusprechen. Wird es nicht bei den Herren Ständen oder dem Volke Unzufriedenheit erregen, wenn allerhöchst Sie einem Rabbiner, wenn auch nur für einen einzelnen Fall, die Funktionen eines Justizbeamten übertragen?" Der Markgraf fuhr zornig auf. „Ich bin Herr in meinem Lande, ich kann thun, was ich will .... ich habe Ihrem Bruder Elkan, den Wirkungskreis eines Ministers übertragen und kann auch Ihre großen Fähigkeiten, wie es mir am Besten dünkt, zu meines und meines Staates Besten verwerthen, und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Sie sind wohl überzeugt den Verbrecher zu entdecken? einem so klugen Manne wie Sie es sind, kann dies, wenn er sich im Besitze meiner ausgedehntesten Vollmachten befindet und ihm zu diesem Zwecke die ganze Beamtenschaft meines Fürstenthums zur Disposition gestellt wird, nicht schwer fallen n’est-ce-pas!?" *) Mein Vater erschrack, aber er hatte von Onkel Elkan erfahren, daß Markgraf Friedrich Wilhelm ganz eigenthümlich behandelt werden müsse, namentlich, daß er es nicht liebe, lange auf eine Antwort zu warten und mein Vater erwiederte, dem Fürsten, offen ins Gesicht blickend, rasch : „Nein, Durchlaucht! das kann ich nicht, das kann wohl kein Mensch auf Erden versichern. Ich kann nichts Anderes thun, als alle meine Kräfte aufbieten, die mir übertragene Aufgabe zu lösen, und auch da kann ich nur dann ein günstiges Resultat erhoffen, wenn Allerhöchst Sie geruhen mir Allerhöchst Ihre gnädige Unterstützung angedeihen zu lassen." „Diese habe ich Ihnen ja schon zugesagt," erwiederte Friedrich Wilhelm schon mit einem Anfluge von Ungeduld, „ich habe ja erklärt, daß ich Ihnen weitestreichende Vollmachten ertheilen und Ihnen die gesummte Beamtenschaft zur Verfügung stellen will!" „Das genügt nicht", erwiederte mein Vater. „Sie sind sehr prätentiös!" riefjder Markgraf ärglich, mit dem Fuß aufstampfend, „was können Sie denn noch verlangen?" „Daß allerhöchst Sie die Gnade haben, mir selbst ganz genau, mit allen Nebenumftänden mittheilen, wie sich die Sache verhalten und mir allergnädigst gestatten, ehrfurchtsvoll einige Fragen unterbreiten zu dürfen und dieselben allergnädigst eingehend beantworten." Der Markgraf blickte lächelnd auf und sprach: „Sie wollen also ein Protokoll mit mir aufnehmen, trös bien 2), ich finde das sehr vernünftig, sehr zweckmäßig," dann trat er an meinen Vater heran und klopfte ihm wohlwollend auf die Schulter. „Ich habe Sie schon oft als ungewöhnlich klugen Mann rühmen hören und erkenne das jetzt selbst. Sie packen die Angelegenheit ganz anders als der Dummkopf, dieser Brandlin an! Der Kerl versicherte mir, er werde den Thäter auffinden und hat mich gar nicht über das Nähere gefragt, Sie versprechen nichts und wollen mich ausfragen. Ich hoffe, Sie werden zu einem Resultate gelangen. Das Eine will ich Ihnen schon heute sagen, wenn es Ihnen gelingt, dann können Sie meiner höchsten Gunst gewiß sein." Mein Vater bat den Markgrafen nun, er möge unverzüglich den Befehl ertheilen, Ehrenstamm auf freien Fuß zu setzen, was auch sofort geschah. Mein Vater erzählte immer, es wäre einer der schönsten Momente seines Lebens gewesen, als Zadok Ehrenstamm heil und unversehrt seiner Familie zurückgegeben wurde. „Wie endete diese merkwürdige Affaire?" frug Wertheimer. „In befriedigender Weise. Mein Vater hatte aus den Mittheilungen des Markgrafen Folgendes erfahren. Dieser, welcher einer Dame einen kostbaren Schmuckgegenstand schenken wollte, hatte zu dem Behufe einen Wiener Juwelier eingeladen, ihm Einiges zur Auswahl einzusenden. Dieser war persönlich erschienen, hatte mehreres vorgelegt. Der Markgraf wollte den Rath seiner Günstlinge einholen und hatte mehrere derselben, den ersten Familien des Landes angehörige junge Leute, für den Abend zu sich befohlen. Auf deren Anrathen hatte 2) Sehr gut. 1) Nicht wahr.