Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1892)
- Date
- 1892-12-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1848 dazu dienen werden, daß durch die Weisheit unserer Regierung das religiöse Leben auch ungeschmälert erhalten bleibt. Der hohen Regierung sei hiermit in jedem Falle sür die Aufmerksamkeit, welche sie dem hessischen Judenthnme zuwendet, unser ehrfurchtsvoller Dank ausgesprochen. AanKöarKekt der Juden gegen die Päpste und den Klerus. Wir haben bereits sofort nach ihrem Erscheinen auf die Epoche machende Schrift: „Die Kirche und die Juden" von Pfarrer Dr. Frank aufmerksam gemacht. Soeben ist von derselben die dritte Auflage erschienen. Wir heben aus dem Vorwort solgende charakteristische Stelle hervor: „Wenn ich in einzelnen Blättern von antisemitischer Färbung dem Publikum als getaufter Jude vorgestellt wurde, so habe ich über diese Entdeckung herzlich gelacht. Och habe mich dabei lebhaft an den hochseligen Papst Pius IX. erinnert, der, wie Karl Paasch in seinem zweibändigen Werke „Eine jüdisch-deutsche Gesandtschaft und ihre Helfer; III. Theil, Seite 117" nachweist, ebenfalls ein Hebräer war: „Ein Schüler des Seelenriechers Dr. Jäger hat das schon im Jahre 1847, als er den Pantoffel des Papstes küssen durfte, durch den Geruch entdeckt, und Papst Pius IX. hat es dann im Jahre 1861 den Gebrüdern Kohn*) aus Lyon selbst eingestanden. Ich befinde mich also auch hier in ganz guter Gesellschaft. Aus der reichen Fülle des in dieser Schrift Gebotenen lassen wir hier einige Auszüge über das Verhalten der Päpste gegen die Juden und die Dankbarkeit der Inden gegen die Päpste folgen. Im Allgemeinen glauben wir, daß das Verhalten der Päpste und des Klerus gegen die Juden sich nicht allenthalben so vollständig deckt, wie es der Verfasser annimmt. Zwischen dem Verhalten der Päpste und besonders demjenigen des niederen Klerus klafft hier in vielen Fällen eine Kluft, über die man sich leider nicht täuschen kann. Wir leben aber der zuversichtlichen Ueberzeugung. daß, wenn irgend etwas, es Darstellungen von so berühmter Seite sind, welche diesen Gegensatz zu mildern geeignet sind, und geben deßhalb um so lieber dem Verfasser das Wort: „Der unvergeßliche Papst Pius IX. hatte im Jahre 1846 kaum den Apostolischen Stuhl bestiegen, als er seine väterliche Fürsorge auch dem Judenviertel in Rom, dem Ghetto zuwandte. Es wurden verschiedene Anordnungen getroffen, um die gesundheitlichen Verhältnisse zu verbessern und den Stadttheil wohnlicher zu gestalten. *) Dieselben waren wohl verkappte Erzbischöfe. Red. Eine Deputation der Juden dankte dem heiligen Vater und machte ihm einen alterthümlichen Kelch zum Geschenke, der im Ghetto schon Jahrhunderte lang aufbewahrt worden war. Der Papst nahm das Geschenk mit aller Herablassung an und sprach: „Mein lieben Söhne! Mit Vergnügen nehme ich euer Geschenk, indem ich euch dafür danke." Dann setzte er sich an seinen Schreibtisch, schrieb auf das erste Blatt Papier, das ihm in die Hände kam: „Gut für tausend Thaler", und setzte seine Unterschrift darunter; dann fuhr er fort: „Nehmet dagegen auch meine kleine Gabe an und vertheilt sie im Namen Pius ix. an die armen Familien im Ghetto!" Dann gab er ihnen das Versprechen, daß er seine väterliche Fürsorge von ihren Glanbengenoffen niemals abziehen, sondern ihnen die nämliche Aufmerksamkeit widmen werde, wie den Christen, da er sein Herz keinem menschlichen Geschöpfe, dessen Leitung ihm Gott anvertrant, verschlossen habe. Der Papst fand auch bald eine Gelegenheit, zu beweisen, daß er sein Versprechen nicht vergessen habe. Seit unvordenklichen Zeiten bestand der Gebrauch, daß die israelitische Gemeinde zu Rom am ersten Tage der Fastnacht in feierlichem Zuge die jährliche Abgabe überbringen mußte, die sie an die Rentkammer des Kapitoliums zu entrichten hatte. Mit dieser demüthigen Feier wurden alljährlich die Lustbarkeiten der Winterzeit eröffnet. Einige Tage zuvor, ehe diese Feier stattfinden sollte, ließ der Papst den Israeliten zu wissen thun, daß sie nicht mehr verpflichtet seien, die Prozession nach dem Kapitolium vorznnehmen, und daß diese Ausnahmssteuer in nächster Zeit werde abgeschafft werden. Zugleich verordnete er, daß die Thore des Judenviertels, welche bis dahin regelmäßig allabendlich beim Rufe der Angelusglocke geschlossen wurden, fortan die ganze Nacht hindurch offen bleiben sollten, damit die Bewohner des Ghetto wie die übrigen Römer ungehindert ihren Geschäften oder Vergnügungen nachgehen könnten._ Dieser erste Schritt zu umfassenden Verbesserungen erfüllte die Juden mit unbeschreiblicher Freude. Viele trugen kein Bedenken, Pins IX. als den verheißenen Messias zu erklären, nnd die meisten schwuren, ihm treu anzuhängen und erforderlichen Falles für ihn in den Kampf zu ziehen. Ihre Begeisterung verbreitete sich weit über die Grenzen des Kirchenstaates, und die Juden von ganz Italien vereinigten sich zu Kundgebungen ihrer Anhänglichkeit an Papst Pius IX. Im Dezember 1846 richtete der Tiberfluß durch eine Ueberschwemmuug großen Schaden in der Stadt Rom, besonders im Ghetto an. Als eine Folge der Ueberschwemmnng traten bösartige Fieber auf, welche die Bewohnerschaft des Ghetto in steter Todesangst erhielten. Da gestattete Papst Pius, daß die Juden den Ghetto verlassen und sich in anderen Stadttheilen ansiedeln durften. Damit aber kein Mangel an Wohnungen eintrete, berief der Papst sofort eine Kommission, welche die Aufgabe hatte, die Pläne zur Anlegung eines neuen Stadttheiles auszuarbeiten. Im Sommer des Jahres 1847 sah Papst Pius, als er eines Tages eine Ausfahrt machte, in einer Straße Roms einen alten Mann ohnmächtig auf dem Boden liegen. Der edle, menschenfreundliche Papst ließ