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Der Israelit · 1892-12-06 · Heft 96 (6.12.1892) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 96 (6.12.1892)
Date
1892-12-06
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1844 zu der Ueberzeugung gelangt bin, dah die Alliance Jsraeliite der Firma Loewe u. Co. keinen Befehl ertheilt hat, schlechte Gewehre zu liefern. Ueber die Statuten und sonstige Zwecke der genannten Gesellschaft zu erfahren, kann für die jetzige Verhandlung ohne Bedeutung zu sein. Vertheidiger Rechtsanwalt Hertwig: Auch ich verzichte auf die beiden Zeugen, schon aus dem Grunde, weil ich mir ein Resultat zu Gunsten Ahlwardts davon nicht verspreche. Es hieße doch den Bock zum Ziergärtner setzen, wenn man Mitglieder der Alliance Israelite über die Zwecke der Gesellschaft vernehmen wolle. Schon nach talmudischen Begriffen seien die Zeugen verpflichtet., darüber nichts zu sagen. An ge kl.: Auf diese Zeugen verzichte ich auch: ich behalte mir aber weitere Anträge vor. Rechtsanwalt Munkel: Da uns nun doch noch weitere Beweisanträge drohen, so verzichte ich auf die beiden Zeugen nicht. — Der Zeuge Dr. Reumann wird darauf zu morgen früh wieder bestellt. Ein bei dem Vorsitzender eingegangener Brief giebt demselben Veranlassung, zu erklären: Es gehen viele anonyme Briefe für und gegen Ahlwardt bei mir ein, welche auch Beleidigungen und Anschuldigungen gegen mich als Leiter dieser Verhandlung enthalten- Ich verachte die feigen Subjecte, welche nicht den Muth haben, ihr Geschreibsel mit ihren Namen zu vertreten. Es ist weit unter meiner Würde, derartige Dinge weiter zu beachten. Zeuge Oberbürgermeister a. D. Weber, Generalbevollmächtigter des Herrn v. Bleichröder: Es ist unwahr, daß durch Herrn v. Bleichröder Geld für ein Komitee gegeben ist, dessen Zweck es sein sollte, den Angeklagten moralisch zu vernichten. — Angeklagter: Haben Sie Herrn v. Groningen, Lichtenstein oder Weiß im Aufträge des Herrn v. Bleichröder Geld gegeben? — Zeuge: Niemals ' Ich möchte eine Erläuterung hierzu geben. Der Angeklagte hatte bekanntlich eine Broschüre gegen Herrn v. Bleichröder verfaßt. Letzterer hatte sich überlegt, ob er Schritte thun solle, um seine Ehre von Gerichtswegen schützen zu lassen. Da ihm aber versichert wurde, daß seine Ehre in allen Kreisen, die Urteilskraft besitzen, keinen Schaden genommen habe, versagte er sich, gegen den Mann, den er verachtete, die Gerichte anzurufen. Danach kamen viele Leute zu mir, die mir bald diese, bald jene Forderung gegen den Angeklagten anboten. Ich habe alle diese Leute abgewiesen, Herrn v. Bleichröder so wenig wie mir konnte daran liegen, auf das Schicksal dieses Mannes irgend welchen Einfluß ausüben zu müssen. — Präs.: Stehen Sie mit dem Herrn v. Schwerin in irgend welcher Verbindung? — Zeuge: Leider in einer sehr unangenehmen. Schwerin war der Rathgeber einer Frnu Eohn in einem Prozesse, den diese Frau gegen Herrn von Bleichröder geführt hat. Herr v. Schwerin hatte schon früher einmal eine Broschüre gegen Herrn v. Bleichröder angedroht und war deshalb wegen versuchter Erpressung zu einem Jahr Gesängniß verurtheilt worden. Später trat er wieder an Herrn v. Bleichröder oder vielmehr an mich, der ich alle diese Dinge persönlich und selbstständig führe, heran, klagte über seine traurige Lage, bat um Unterstützung und fragte, ob er mir wichtige Papiere zum Kaufe anbieten dürfe. Er sagte dann weiter, daß Ahlwardt eine neue Broschüre unter dem Titel „Jude und Edelmann" herausgeben wolle und ihm Offerten bezüglich der Papiere gemacht habe. Ich ließ mich auf nichts ein. Später wurde ich benachrichtigt, daß Herr v. Schwerin wegen Ueberlassung der Papiere mit den Antisemiten verhandele, er sei aber wieder abgelehnt. Dann wurde Herr v. Schwerin dringender. Herr Weiß schrieb mir, daß Schwerin seine Schriften am liebsten mir überlassen möchte, daß er die Schriften aber nur in Gegenwart eines Notars zeigen wolle. Ich willigte schließlich, um zu sehen, was Schwerin eigentlich besitze, ein, zu dem Rechtsanwalt Goldschmidt zu kommen, als dessen Vertreter ein Assessor Fuchs fungirte. Ich blätterte dort in den Schriften, und da ich nur Schwerins Handschrift sah, erklärte ich, daß ich keinen Gebrauch davon machen wolle. Nach Beendigung der Verhandlungen hat mir Herr Assessor Fuchs auf meine Frage bestätigt, daß dies der reinste Erpressungsversuch des Herrn Schwerin gewesen sei. — Der Angeklagte behauptet, daß nicht Schwerin an den Zeugen, dieser vielmehr an Schwerin herangetreten sei, was Zeuge bestreitet. Bei der Erörterung der weiteren Zeugenvorladung erklärt Rechtsanwalt Hertwig, daß ein Zeuge (Brettschneider) mit Hilfe jüdischen Geldes nach Hamburg verschoben sei und nicht gefunden werden könne. — Präs.: Der Mann ist gerichtlich vernommen worden und seine Aussage ist dem Angeklagten gar nicht günstig. — Angekl.: Der Mann hatte aber das Wichtigste noch gar nicht ausgesagt! Der Vorsitzende giebt ferner anheim, ob nicht auf die Zeugnisse bezüglich der Alliance Israelite verzichtet werden könne, da dabei doch Nichts herauskonnne. — Rechtsanwalt Munckel verzichtet aber nicht darauf mit Rücksicht auf die Aeußerung des Vertheidigers betreffend die Bestellung des Bockes als Ziergärtuer. (Fünfter Verhandlungstag, 3. Dezember.) Landgerichtsdirektor Brausewetter eröffnet die Sitzung um halb zehn Uhr. Nach Verlesung der erschienen Zeugen nimmt der Präsident das Wort zu einigen allgemeinen Bemerkungen. Es würden heute Zeugen vernommen, welche sich aus politischem Gebiete feindlich gegenüberständen. Er richte die eindringlichste Mahnung an die Zeugen, bei Abgabe ihrer Aussage mit der strengsteu Gewissenhaftigkeit vorzugehen. Es sei ein trauriges Zeichen der gegenwärtigen Zeit, daß von beiden Seiten in der Presse, durch Broschüren und Artikel, durch Versammlungen u. s. w. in einer Weise gehetzt werde, welche entschieden einen demoralisirenden Eindruck ausübe. Ich werde — so führt der Präsiden; aus — mit Briefen des schmutzigsten Inhalts von Personen überschüttet, die ich als feige Subjekte bezeichnen muß, da sie sich scheuen, ihre Namen zu nennen. Es ist zu bedauern, daß solche Leute überhaupt schreiben können. Ich werde zur Kennzeichnung dieser Personen zwei von den vielen Briefen verlesen, welche mir im Laufe des gestrigen Tages zugeangen sind: „Hochverehrter Herr Präsident! Mit einer Million läßt sich ein behagliches Leben führen. Diese Summe erhalten Sie, wenn es Ihnen gelingt, Ahlwardt für immer unschädlich zu machen. Höhne." Augenscheinlich ist das ein fingirter Name. Der zweite Brief ist in einer Art Verürecherton gehalten und lautet folgendermaßen: „Geehrter Herr Präsident! Wenn die Verhandlung nicht genau nach Recht und Gesetz geführt wird, so werden wir selbst Richter spielen. Wir machen dann einfach Berlin zu Paris, und es wäre traurig für uns, wenn wir nicht die Mittel dazu hätten. Ahlwardt ist zu weit gegangen, Loewe ist unschuldig, aber der Oberstlieutenant Kühne hat unrecht gehandelt. Die Schweinereien in der Fabrik müssen aushören. Oberstlieutenant Kühne hat auch als Militär seinen Abschied erhalten. Warum werden so viele Offiziere geladen die ihn entlasten sollen? Wir überwachen täglich die Versammlungen und» wenn nicht Alles gesetzlich zugeht, sprengen wir den Justizpalast in dieLuft. (Heiterkeit imZuhörerraum.) Unterzeichnet ist das Schrifstück: „Das Komitee der Berliner Anarchisten." Präs.: Ich habe hier auch noch ein Schreiben, in welchem gesagt wird, daß auch Ahlwardt ein Jude sei. (Heiterkeit.) Es wird darin gesagt, daß der Vater jüdischer Herkunft sei und die Mutter — doch ich will die abscheulichen Sachen hier lieber nicht weiter erörtern, Ich habe ja schon

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