Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1834 Sachlage gebracht, rief Wertheimer .... „was erwiederte Ihr Vater?" „Der nichtswürdtge Schurke," war mein Vater fortgefahren, „sieht es ein, daß allerhöchst Sie das Vorfinden der Edelsteine bei Ehrenstamm nicht als Judicium anerkennen würden, — die Edelsteine des Schmuckstückes waren ja keine Unica — und man würde in allen Werkstätten der Wiener, Pariser, Londoner, Berliner und Nürnberger Juweliere gleiche Steine vorfinden — darum will Brandlin allerhöchst Ihnen Ehrenstamm's volles Geständniß unterbreiten, das aber würde er zweifellos erlangen, wenn er seine Absicht ausführte und den Unglücklichen heute Nachmittag der Folterung des vierten, des höchsten Grades unterwürfe — der Qual vermag kein Mensch zu widerstehen." — Die Worte meines Vaters und die Art, in der er sie sprach, machten einen tiefen Eindruck auf den Markgrafen, er versuchte — offenbar von seinem Mißerfolge im Vorhinein überzeugt — noch einen Einwurf. „Weßhalb sollte Brandlin einen Unschuldigen an den Galgen bringen wollen?" Darauf konnte mein Vater schon mit einem ruhigen Lächeln antworten: „Sire, es ist im Allgemeinen schwer, die Gedanken und Beweggründe eiues Anderen zu errathen, namentlich für einen redlichen Mann jene eines Schurken; — allein in dem vorliegenden Falle bietet dies nicht die geringste Schwierigkeit. Vrandlin will durch rasches Auffinden des Verbrechers glänzen. Vielleicht", mein Vater blickte dem Markgrafen fest ins Gesicht, „haben Euer hochfürstliche Durchlaucht, um ihn anzuspornen, ihm auch mir allerhöchst Dero Ungnade gedroht, wenn er sich unfähig erwiese, den Thäter zu eruiren." Der Markgraf war von der Wahrheit dieser Worte betroffen und sprach nach kurzem Bedenken: „Was wollen Sie denn eigentlich von mir? Was verlangen Sie?" „Euer Durchlaucht geruhe allergnädigst zu verordnen, daß, wenn Brandlin kein anderes Jndicium als das Vorfinden der Steine zu erbringen weiß, die Untersuchung gegen Zadok Ehrenstamm eingestellt und er sofort der Haft entlassen werde." „Dann aber hätten wir Niemanden, an dem wir uns halten könnten; dann müßte ich alle Hoffnung aufgeben, den frechen, schurkischen Dieben aufzufinden." „Durchlaucht," sprach mein Vater, „ein Unschuldiger ist eben so viel oder so wenig als Niemand — und der Schuldige könnte immerhin noch aufgefunden werden." „Meinen Sie?" frug der Markgraf, dann schritt er in Nachdenken versunken mehrmals im Kabinete auf und ab, plötzlich blieb er vor meinem Vater stehen und sprach„Sie sind der klügste Mensch, der mir je vorgekommen." . . . . „Wodurch habe ich dieses günstige Urtheil verdient?" wagte mein Vater, die Etikette verletzend zu fragen. „Als Sie gegen meinen Willen in mein Kabinct stürmten, etwas, das sich kein Zweiter in meinem ganzen Fürstenthume unterstanden hätte, war ich in höchstem Zorn gerathen und fest entschlossen Sie nach der Wülzburg zu schicken und Sie dort einige Jahre Ihre Dreistigkeit büßen zu lassen; — aber Sie sprachen so ausbündig klug, daß Sie meinen Zorn entwaffneten. Ich glaube das Kunststück wäre keinem Zweiten gelungen. . . . Wenn Sie sich bereit erklären an Stelle dieses unseligen Brandlin, die Untersuchung zu übernehmen, will ich Ihre Bitte gewähren, den Juden sofort seiner Haft entlassen." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch üen Bllchhanüei;n bestehen bei G. F. K1 e t n a ck e r, Leipzig, Rastplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. osterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandten Mauuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalten. Inhalt <Hanptblatt>: 1'eilenver Ärlikel: Zum vierunddreihigsten Jahrgang. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Bad Ems. Aus Süddeutschland. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Griechenland: Zanta. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Sarvar. — Griechenland: Marocco. — Amerika: Washington. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Prozeß Ahlwardt. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz .Berlin. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosduchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.