Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1833 außer Acht gelassen zu haben; — aber ich würde unverzeihlich handeln und allerhöchst Dero Ungnade verdienen, wenn ich cs durch eine Unterlassung, geschehen ließe, daß mein gnädigster Herr und Fürst von einem Nichtswürdigen betrogen würde Der Markgraf zuckte von seinem Lehnstuhle empor, er ließ meinen Vater nicht zu Rande sprechen. „Wer will mich betrügen? De qui parlez-vous? *) Sprechen Sie doch deutlicher!" „Der Stadtvogt Brandlin will Euer Durchlaucht in unerhörtester Weise betrügen, will allerhöchst Sie irre führen, er will einen würdigen Mann, für dessen Unschuld und Redlichkeit ich mit meinem ganzen Vermögen und mit meinem Kopfe bürge, als Dieb des vermißten Schmuckstückes, an den Galgen bringen. Ich habe cs nicht nöihig, vor allerhöchst Dero hohen Einsicht die Folgen seiner Gräuclthat auszurollen. Dadurch würde der Verbrecher, der die That begangen, der gerechten Strafe entzogen und würde jene, die er betrogen, noch auslachen, verspotten!" „C’est vrai, c’est vrai! je ne peux le nier!“1 2) murmelte der Markgraf, und mein Vater, der erkannte , daß er schon halb das Spiel gewonnen, fuhr, als hätte er den leisen Ausruf überhört, ruhig fort. „Wenn, was kaum zu vermeiden wäre, dieser Vorgang ruchbar würde, müßte der gerechte Tadel des In- und Auslandes hervorgerufen werden, dadurch müßte die Liebe der Unterthanen zu ihrem Landesfürsten erlöschen; dadurch würde allerhöchst Dero malcontenten Ständen Veranlassung gegeben werden, von ihrem Rechte, sich bei dem obersten Schutzherrn des deutschen Reiches, bei seiner apostolischen Majestät, dem römischen Kaiser über allerhöchst Sie, allerunthänigst zu beschweren, Gebrauch zu machen; — aber weit mehr als alles das — wenn allerhöchst Sie — zu spät — inne würden, daß der Stadtvogt Brandlin, gedeckt durch allerhöchst Ihre Vollmacht, einen Unschuldigen zu Tode gebracht, die Wittwe und die Waisen des schuldlos Ermordeten noch um ihr Hab und Gut beraubt, um den Werth des Geschmeides, das ein Anderer gestohlen an allerhöchst Dero Cassa abzusühren, so würde dies allerhöchst Ihrem Gerechtigkeitssinne endloses Weh bereiten, denn so wahr Gottes Vaterauge über die ganze Welt, vom Kaiser bis zu dem armen, gefesselten Juden, der heute ohne Recht und Grund auf die Folterbank gestreckt werden soll, herabblickt, so gewiß bin ich, allergnädigster Herr Markgraf, davon überzeugt, daß allerhöchst Sie nicht gesagt, Stadtvogt: Ihr müßt mir einen Menschen ver¬ 1) Von wem sprechen Sie? 2) Das ist wahr, das ist wahr, ich kann es nicht leugnen. schaffen, gleichviel, ob er die That verübt hat odernicht, den ich tödten unddessen Hinterlassenschaft ich consisciren lassen kann, sondern: verschafft mir den Thäter!" „Ich bewundere die salomonische Weisheit Ihres Vaters, mit welcher er seine Worte wählte", meinte Markbreiter, als Fränkl einen Moment inue hielt, „und fast nicht weniger Ihr ausgezeichnetes Gedächtniß, denn ich bin überzeugt, daß Sie weder ein Wort ausgelassen, noch eines hinzugefügt haben." „Das habe ich auch in der That nicht gethan. — Als mein Vater bei seiner Heimkehr dies Begebniß ausführlich erzählte, hatte es auf mich, dem damals siebzehnjährigen Jüngling, einen so tiefen Eindruck gemacht, daß sich mir jedes Wort unverlöschlich eingeprägt; auch hatte mein Vater später in meiner Gegenwart, Andern sein erstes Zusammentreffen mit dem Markgrafen mehrmals und immer gleichlautend erzählt." „Was erwiederte der Markgraf?" frug Wertheimer, um Fränkl zur Fortsetzung seiner Erzählung zu veranlassen. „Friedrich Wilhelm hatte meinen Vater mit steigender Verwunderung angehört und endlich geantwortet : „Rabbi, Sie sprechen gegen einen meiner eifrigsten Beamten eine schwere Beschuldigung aus; — was vermögen Sie zu deren Begründung anzuführen?" — „Sire", erwiederte mein Vater unentwegt, „Stadtvogt Brandlin hat ein Mitglied meiner Gemeinde, den Juwelier Zadok Ehrenstamm, einen redlichen, unbemakelten Mann, deßhalb in Ketten legen und nach Ansbach zur Untersuchung führen lassen; weil er Edelsteine jener Sorte bei ihm vorgefunden, aus welchen das vermißte Collier bestanden; aber da Ehrenstamm sich über den redlich erlangten Besitz derselben auszuweisen vermag, scheut sich Brandlin die Akten dem zuständigen Gerichte vorzulegen, weil dieses, die entlastenden Beweise anerkennen müßte. Er pocht auf eine Vollmacht, die er von allerhöchst Ihnen empfangen haben will und will die Untersuchung ganz allein zu Ende führen." „Ich werde mir ja die Akten vorlegen lassen", hatte der Markgraf meinen Vater unterbrochen, „wenn Brandlin mir nicht Beweise vorlegt, wird er mich ja nicht von der Schuld des Angeklagten überzeugen! Rabbi, Sie werden mir ja nicht zumuthen, daß ich einen unschuldigen Menschen aufhängen oder zu Tode peitschen lassen werde? ich bin ja nicht der Bey von Tripolis, ich bin der Fürst eines civilisirten, christlichen Staates!" „Ihr weiser Vater hat den Markgrafen in meisterhafter Weise zur richtigen Erkenntniß der