Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1831 wollte der Gemeinderath des Weltdorfes Kördorf von solchem Entgegenkommen nichts wissen, so daß die jüdische Gemeinde ein kleines, dumpfes Zimmer für den Religionsunterricht vorläufig sich beschaffen mußte. Der Bezirksrabbiner Herr Dr. Weingarten erhob nun Beschwerde bei der Königlichen Regierung zu Wiesbaden, welche auf Grund einer ministeriellen Verfügung vom 28. Februar 1870 den Gemeinderath von Kördorf aufforderte, sofort ein Zimmer im öffentlichen Schulgebäude für Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes einzuräumen. Es dürfte von allgemeinem Interesse sein, den Inhalt des betreffenden Ministerialreskriptes, welches sich in den Akten des Bezirksrabbinates Ems befindet, im Wortlaut zu erfahren. Der jüdische Religionsunterricht, so heißt es daselbst, gehört zu den obligatorischen Unterrichtsgegenständen und ist von dem betreffenden jüdischen Religionslehrer nach 8 2 und 3 des Nass. Gesetzes über den öffentlichen Unterricht vom 24. Mai 1817 in Verbindung mit § 59 der dazu gehörigen allgemeinen Schulordnung für die Volksschulen zu ertheilen. Ist auch den Juden zu überlassen für die zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes geeignete Persönlichkeit selbst zu sorgen, so kann doch darüber hierüber die Beschaffung eines Unterrichtslokals von ihnen nicht verlangt werden. Der zufällige Besitz eines zur Ettheilung des Unterrichts geeigneten Lokals seitens der jüdischen Gemeinde kann an den bestehenden Rechten und Verpflichtungen nichts ändern. Wenn die Schulzimmer in dem Schulgebäude anderweitig so sehr in Anspruch genommen sind, daß es unthunlich ist, eines derselben für einige Stunden wöchentlich zur Verfügung zu stellen, so wird es nicht schwer fallen, die gegenwärtigen Einrichtungen so abzuändern, daß den begründeten Ansprüchen der Juden genügt werden kann. Ebenso wenig kann aus die Verbindung des jüdischen Religionsunterrichts mit dem in der hebräischen Sprache Gewicht gelegt werden, da hierdurch allein der elftere nicht seines Charakters als eines Elementarlehr-Gegenstandes entkleidet wird. Aus Südderrtschland In den jüngsten Dezenten bemerken wir eine fast beispiellose Vernachlässigung des jüdischen Pflichtlebens. Die traurigste Erscheinung in diesem „Jammer der Zeiten" bildet aber der immer mehr umsichgreisende na». Die Heilighaltung des na» ist die Klippe, an welcher die Frömmigkeit so Vieler und Vieler jetzt Schiffbruch leidet. Noch zu keiner Zeit konnte der Ausspruch unserer b"! v'van: 7\b)3 m*nn nN v'p i^xa na»n nx opon hi so augenscheinliche Bestätigung finden, wie in unserer Zeit, inaSna na» iDi»n Va, wer den na» ganz nach Vorschrift heiligt, der kann heute mehr wie je als echter, wahrer mrr anerkannt werden. Es gehört heute wirklich wahrer Mannesmuth dazu, sich durch das rastlose Jagen nach Erwerb nicht in den Strudel des Verderbens mit fortreiben zu lassen. Wie unzählig Viele suchen den Glauben zu verbreiten, daß jetzt bei der starken Concurrenz auf allen Gebieten es unmöglich wäre, ein Geschäft zu Glanz und Ansehen zu bringen, wenn man nicht die ganze verfügbare Arbeitszeit ausnützen würde. Diese Anschauung findet weit bis in die sogenannten „frommen Kreise" ihre Verbreitung. Jedes einzelne geschäftliche Unternehmen aber, das sich Geltung und Anerkennung zu erringen weiß, ohne die Heiligkeit des na» im Geringsten zu verletzen, läßt diese Anschauung als eine falsche erkennen und verdient als wahrer D»n »np hervorgehoben zu werden. Folgende Notiz verdient daher wohl auch eine Verbreitung in weitere Kreise: In dem Morgenblatte der „Frankfurter Zeitung", Nr. 325 vom 20. Nov. d. I., bespricht Prof. F. Luttmer (Frankfurt) „Berliner Eindrücke". Prof. Luttmer äußert sich abfällig über die Unfähigkeit der Ausstattung der Ladenerker, die Berlin besitzt und erwähnt dann: „Drei Geschäfte — wenn es mehr sind, bitte ich um Entschuldigung — machen eine rühmliche Ausnahme von der Ungeschicklichkeit im Auslegen ihrer Waaren. Die Silberwaarenfabrik von P o s e n, UnterdenLinden,das „Hohenzoller-Kaufhaus", Hirschwald, kunstgewerbliche Magazin in der Leipzigerstraße und die königliche Porzellan-Manufaktur. Von Posen braucht man dem Frankfurter Publikum nicht zu erzählen-" Die Thatsache, daß in Berlin, Unter den Linden ein Geschäft sich befindet, das mn na» aiv ganz nach Vorschrift heiligt, wie dieses bei der Silberwaarenfabrik von Lazarus Posen Wwe. der Fall ist und sich dennoch Erfolge und Anerkennung zu erringen weiß, ja von sachverständiger Seite Anderen als mustergiltig hervorgehoben wird, kann den wahren m.-p mit Stolz erfüllen. Wir ersehen daraus, daß es in jeder Zeit, an jedem Orte möglich ist, die Vorschriften der nun zu erfüllen und auf dem geschäftlichen Gebiete sich Erfolge zu erringen, wenn der ernste Wille mit der richtigen Thatkraft vereint ist. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, viele Schwankende zu ermuthigen, daß die Worte des Propheten beherzigt werden, die uns alljährlich am omean dv zugerufen werden: ncopi ’»ap üra •j’ssn m»y na»a a*»x on niüdd -pan ni»yo mnaai naao 'n »np^ jjy nasch 'moa t>y -pnaa-im 'n hy wrn in :->an -iaT. “jssn : -tai 'a 'O ’a -px apy’ lchm ■pnbaNm pN