Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1830 gegenbringt und zeugen von dem unermüdlichen Eifer des Vorstandes, das gute Werk zu erhalten, zu fördern und zu heben. Auch in geistiger Hinsicht zeigt uns der Bericht, daß die Anstalt ihrer Aufgabe gerecht wird, denn wiederum hat sie eine Anzahl Zöglinge mit den nöthigen Kenntnissen und Fähigkeiten für den Lehrerberuf ausgerüstet, wovon das gut bestandene Examen Zeugniß gibt, und sie als tüchtige, auch mit der Kenntniß der heiligen Thora ausgerüstete und von ihrem Geiste erfüllte Lehrer in die Praxis entlassen. Dieser Bericht ist wohl die beste Antwort auf einen Schmähartikel, dem ein erst jüngst erschienenes Blättchen Aufnahme gewährt. Hat sich denn der Verfasser jenes Artikels die Verantwortung vergegenwärtigt, die er mit seiner lästernden und verleumderischen Behauptung auf sich genommen? Wie konnte er so ganz das bekannte Sprüchwort außer Acht lassen, daß man in den Brunnen, aus dem man geschöpft, keinen Stein werfen solle? Wahrlich, es ist ein frevelndes Spiel, eine Anstalt, die einen so hohen Zweck hat und die das allgemeine Interesse in so hohem Grade besitzt, zu schmähen, event. in ihrer Existenz zu gefährden. Wer möchte es wagen, ein Werk, das ein Mann, wie der große, unsterbliche Rabbi Seligm. Bamberger gegründet, als eine Pflanzstätte jüdischen Wissens und jüdischer Gesinnung hegte und pflegte, ja als den schönsten Erfolg seines Wirkens erkannte, in seinem vitalsten Bestände anzugreifen? Der anonyme Velfasser hat sich gewiß diese Verantwortung nicht vergegenwärtigt, sonst würde er sich sicher gescheut haben, seine auf Unkenntniß der wirklich bestehenden Verhältnisse beruhenden Behauptungen in die Welt zu schleudern, Numeri sunt testimonia, die Zahl der entlassenen Zöglinge, die weitaus zum größten Theil im Sinne der Anstalt wirken, und als tüchtige Berufsmänner anerkannt sind, ja vielfach vorgezogen werden, beweist am Besten, daß die Leistungen mehr als entsprechend, und daß der Schreiber jenes Artikels im Unrechte sich befindet. Mögen daher alle diejenigen, welche es aufrichtig mit unserer Religion meinen, dieser Anstalt ihr Wohlwollen bewahren, bezw. zuwenden und ihr Fortgedeihen fördern helfen! Berlin, 30. November. Dem Programmentwurf der Konservativen, welchen die heutige „Kons. Korresp." veröffentlicht, entnehmen wir folgende Stelle: „Wir bekämpfen den vielfach sich vordrängenden und zersetzenden jüdischen Einfluß auf unser Volksleben. Wir verlangen für das christliche VolkMne christliche Obrigkeit und christliche Lehrer für christliche Schüler. „Wir verwerfen die Ausschreitungen des Antisemitismus." Charakteristisch ist, daß hier neben den antisemitischen Forderungen gleichzeitig auch die Ausschreitungen des Antisemitismus, unter denen sich jeder alles denken kann, verurtheilt werden. Hamburg, 28. Nov. Bekanntlich ftst die Wahl des Herrn Dr. Rosenfeld aus Ungarn zum Oberrabbiner s. Zt. nicht bestätigt worden, und als Motiv dafür angegeben, daß in Deutschland an Rabbinern eine genügende Zahl vorhanden ist, welche doch eine größeres Anrecht auf Anstellung als Ausländer haben^dürfen.MMitglieder^der'hochdeutsch israelitischen Gemeinde hatten sich bei diesem Bescheide nicht beruhigt und, wie berichtet, ein directs Gesuch um Bestätigung der Wahl des Dr. Rosenfeld au den König gerichtet. Ein vom Kgl. Hofmarschallamt nunmehr eingetroffenes Antwortschreiben besagt, daß auch an Allerhöchster Stelle die Motive gegenM Bestätigung der Wahl als -berechtigt anerkannt sind Es ist somit abermals eine Ablehnung des Gesuchs erfolgt und muß jetzt zur Neuwahl eines Ober-Rabbiners),hierselbst geschritten werden. Hamburg. Zur Kennzeichnung antisemitischer Hetzer und Schreier schreibt man: Es ist gewiß sehr bezeichnend, daß viele der größten Schreier der antisemitischen Partei, wenigstens soweit es sich um ihre Anhänger in Hamburg-Altona handelt, es mit dem BegriffeZ„Mein und Dein", wie durch gerichtliche Urtheile festgestellt ist, durchaus nicht genau nehmen. So ist kürzlich ein Altonaer Hausmakler, der in antisemitischen Versammlungen durch verhetzende Reden^sich auszeichnete,"wegen Betruges von der Strafkammer des Landgerichts verurtheilt worden. — Ein früherer Steuerbeamter, der sich als großer „Judenfresser" aufspielte, ist in der vorigen Woche vom Schwurgericht in Altona wegen Unterschlagung im Amte und wiederholter Urkundenfäschung zu achtzehn Monate Zuchthaus verurtheilt worden. — Zwei Manufakturtsten, Brüder, die ein Pamphlet mit der Bemerkung „Kauft nicht bei Juden!" Unterzeichneten, sitzen hier im Untersuchungsgefängniß und harren ihres Urtheils wegen wiederholter Wechselfälschung. Ein Agent, in gleicher Weise wie die vorerwähnten, „hervorragendes" Mitglied des antisemitischen Wahlvereins, steht gegenwärtig unter der Anklage des Betruges. Bad Ems. Während in fast allen Gemeinden des Regierungsbezirkes Wiesbaden die öffentlichen Elementarschulgebäude bereitwilligst von den Gemeinderäthen für Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes zur Verfügung gestellt werden,