Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1829 dies die Thora bei der Aufzählung des unmittelbar vorangehenden edomitischen Geschlechtsregisters an. Wohl hatte Jakob vier Frauen, die in ihrer socialen Stellung nicht einmal einander ebenbürtig waren. Die Kinder heißen: Söhne Jakobs. Der Geist des Vaters verbrüderte alle. Bei den Söhnen Esaw's werden immer die Namen der Mütter beigefügt. »Das sind die Namen der Söhne Esaw's: Elisas, Sohn der Ada, des Weibes von Esaw, Räuel, Sohn der Vasmas, des Weibes von Esaw." Die verschiedenen Mütter trugen den Geist der Zerklüftung in den Kreis der Kinder; es fehlte das sie einigende Band, das im Hause Jakobs sich überall geltend machte. Deßhalb wird die Zahl der Söhne Jakobs hervorgehoben, während die einzelnen Söhne Esaw's nicht nach ihrer Zahl angegeben werden. Jakob hatte zwölf Söhne, aber die Söhne Esaw's bildeten in dieser Eigenschaft keine geschlossene Einheit. Hier, in diesem fehlenden Halt, in der Lockerung dieses Bandes liegt für den Blick unserer Weisen die Zukunftslosigkeit Esaw's begründet. Das, was Jakob und sein Haus rettet, geht eben Esaw ab, deßhalb trägt sie der Sturm der Zeit, reißt sie ein bloßer Hauch fort, und nur der Gedanke an Gott, der Jakob und sein Haus verbindet, läßt sie den Boden erben, der sie trägt, läßt Jakob ansäßig werden in dem Lande, in dem der eigene Vater noch ein Fremdling war. Und wir? Wie beweist sich doch jeder dieser Züge aus dem Leben unserer Ahnen als treues Vorbild unseres eigenen Lebens, unseres Ringens und Kämpfens! Auch wir leben seßhaft in dem Lande, in dem unsere Väter nur als Fremdlinge geweilt. Auch wir werden uns nur behaupten durch den Halt, durch das Band, durch den Geist, der Jakob mit seinem Hause vereinigte. So lange die Staaten und Völker uns die Menschen- und Bürgerrechte versagten, so lange unser Aufenthalt in den Ländern der Diaspora nur als Fremdling- Aufenthalt uns gestattet war, so lange erwies sich dieses Band in seiner erhallenden, verbrüdernden, über ferne Erdtheile sich erstreckenden Kraft. Seitdem wir aber seßhaft, gleichberechtigt und als Menschen und Bürger anerkannt wurden, seitdem haben wir Werth und Bedeutung dieses Bandes unterschätzt und es vielfach lockern und oft gänzlich reißen lassen. Im Hinblick auf diesen schmerzlichen Abfall hat sich vor nun 34 Jahren der Begründer dieser Blätter erhoben, um das gelockerte Band wieder zu festigen, das zerrissene wieder zu knüpfen und alle, die dieses Band brüderlich umschlingen sollte, wieder zu sammeln und neu zu kräftigen. Auch hier hat sich die alte Wahrheit neu bestätigt: “jpv«n der bloße Sammelruf hat die Gesammelten gerettet. Der „Israelit" hat ein inniges, geistiges Band um ungezählte Tausende von Brüdern und Schwestern in allen Theilen der Erde geschlungen, dessen Innigkeit und Festigkeit von Jahr zu Jahr wächst und einen immer größeren Kreis von Gesinnungsgenossen in sich vereinigt. Es war der alte, treue jüdische Geist, der aus dem jüdischen Volkskörper vielfach zu schwinden drohte und dem hier eine neue Stätte gegründet wurde, von der er die Kreise der Zerstreuten erwärmt und beleuchtet. Daß dieser Geist immer mehr und mehr zur Geltung komme, daß er seine einigende, verbrüdernde Kraft auch in unserer zerklüfteten Zeit bewähre, war der Leitstern des Begründers dieser Blätter. Und diesen Geist hat der leider so früh uns Entrissene so eindringlich seiner Schöpfung eingehaucht, daß er weiter wirkt und waltet, auch nachdem sein Erwecker uns nun verlassen hat. Daß die Pflege dieses Geistes in unserer ernsten, trüben Zeit das einzige ist, das alles Ernste und Trübe zu überwinden vermag, ist eine Wahrheit, die sich immer mehr und mehr Bahn bricht. — Deßhalb wollen wir mit neuer Kraft, Hand in Hand mit unseren geehrten Mitarbeitern und Lesern, einen neuen Knoten in diesem alten Bande schürzen, und den Kampf weiterkämpfen, der uns nach Innen und Außen aufgedrängt wird. Umschlungen von diesem Bande muß auch dieser Kampf zum Ziele führen, gestützt auf das Wort der Weisen: Jeder Verband um Gottes Willen hat die Selbsterhaltung zur Folge, und wird daher Bestand haben. .ll'pnni' NSD B'ötP Qwb NTIJP b Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Mainz, 2. Dezember. Die Vorstandschaft der israel. Lehrerbildungs-Anstalt zu Würzburg hatte die Freundlichkeit, uns wieder ihren Rechenschaftsbericht für das abgclaufene Schuljahr 1891/92 zu übersenden, und entnehmen wir demselben nur erfreuliche, sehr anerkennenswerthe Resultate. In finanzieller Hinsicht gelang es den eifrigen Bemühungen der Vorstandschaft, nicht nur die sehr bedeutenden Ausgaben zu decken, sondern auch durch einige kleine Legate einen Ueberschuß zu erzielen und den Foud zu mehren. Es betragen die Einnahmen 18,583.19 M.. die Ausgaben 18,320.80 M., Ueberschuß 262.39 M. Die vielen Beiträge aus den verschiedeuften Gegenden Deutschlands beweisen das Interesse, das man mit Recht der Anstalt ent-