Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 96 (6.12.1892)
- Date
- 1892-12-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1828 Mann" (I. B. Sam., II, 9.) „Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist spricht der Herr der Heerschaaren" (Secharjah IV, 6.) „Denn Gott ist nicht gehindert zu helfen, mit Vielen oder mit Wenigen" (Samuel I, XIV, 6). Wenn daher trotzdem überall auf die Gemeinsamkeit einer möglichst großen Zahl Gleichgesinnter auch bet unserem Anliegen, beim Gebet, bei der Erfüllung aller unserer Pflichten ein hoher Werth gelegt wird, so kann die Bedeutsamkeit einer zu diesen Zwecken veranstalteten Gemeinschaft nicht in dem numerischen Uebergewicht und der damit verbundenen materiellen Vortheile liegen. Während sonst überall jede Sammlung und Vereinigung Gleichgesinnter mit Rücksicht auf die hierdurch leichter zu erreichenden Zwecke und Ziele sich vollzieht, ist sie bei uns Selbstzweck. Wenn gar nichts als sie selber erreicht würde, durch dein bloßes Sammeln, ruft Jesaja, rettest du deine Schaaren. Wenn sich jüdische Männer sammeln, um schnöde Angriffe auf ihr Heiligstes znrückzuweisen, so bilden sie eine Macht, auch wenn ihre eigentlichen Ziele unerreicht bleiben. Wenn in Zeiten, in welchen man nach dem Zeugniß des Prophetenworts (Maleachi lll, 4 f. f.) spricht: „Es ist umsonst Gott zu dienen, und was haben wir auch für einen Gewinn, wenn unser Wandel vor dem Gotte Zebaoth als schwarz — rvmp — verschrieen wird, müssen wir doch jetzt die Ungebundenen glücklich preisen, auch die Uebelthäter treiben Erbauung, versuchen Gott und kommen doch davon, wenn dann die Gottesfürchtigen sich besprechen, einer mit dem andern, dann achtet Gott darauf (wenn auch sonst keiner darauf achtete), er hört es (wenn auch alle dafür taub wären) und zeichnet es auf in sein Buch des Gedächtnisses für die Gottesfürchtigen und diejenigen, die seines Namens gedenken. Das werden die Meinen sein für den Tag, da ich mir einen Kern bilde und ich erbarme mich ihrer, wie sich ein Mann seines ihm dienenden Sohnes erbarmt." Diejenigen, die seines Namens gedenken, erläutert Nab Aschi, das sind Diejenigen, welchen die That unmöglich ist, und die daher nur in Gedanken an Gottes Sache hängen. Und wenn sie das, was ihnen im Herzen lebt, auch nicht zur That zu verwirklichen vermögen, daß sie sich mit Gleichgesinnten zusammenthun und besprechen, das ist schon eine That und wiegt auf der Gotteswage so schwer, wie die vollbrachte That selber. □"IN 3B>n &»BN »BW Dl “ION 106? WO nwy ainan vty r6yo rwy t6i djnji mso nwyb .0 rom) Nach dieser Voraussetzung begreifen wir die Anlehnung dieses Gedankenkreises an die Worte, „Jakob ließ sich nieder in dem Lande des Fremdling-Aufenthalts seines Vaters, im Lande Kenaan, und die Sammlung des Jakobhauses, welche ihre rettende Kraft bewährte. Die Rettung von dem Schwerte Esaws lag durch Gottes gnädige Fügung hinter der Jakobs- Familie. Aber eine andere Gefahr war es, um die es sich handelte, die Vater Jakob in ihrer ganzen Größe erkannte, noch bevor er mit dem Bruder zusammengetroffen war. wy td »pik td nj „Rette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaw's." Es war eine doppelte Gefahr, vor welcher Vater Jakob für seine Familie bei dem Zusammentreffen mit seinem Bruder zitterte. Er fürchtete erst in zweiter Linie die Hand Esaws, mehr noch beunruhigte ihn die Bruderhand. Wenn der Bruder wirklich den alten, verjährten Groll vergessen, und nur als Bruder ihm zum brüderlichen Bündniß die Hand reicht, welche fortwährende Gefahr war es für seine Kinder, alle Zeit das Beispiel eines solchen Onkels vor Augen zu haben. Wir ahnen die Sorgen und Mühen, die es einen Jakob gekostet haben mag, die Erziehung seiner Kinder unter den Augen eines Großvaters, wie es Laban war, nicht aus der Hand zu verlieren. Der Gedanke an seine Kinder mag nicht die letzte Veranlassung gewesen sein, die ihn nicht länger in einer Umgebung ruhen ließ, deren ganze Atmosphäre gefahrvoll für die Sittlichkeit seines Hauses sein mußte. Wenn er aber nun gar seine Kinder dem Umgang und Beispiel eines Esaw hätte aussetzen müssen, der durch seine äußere Machtstellung und sein ganzes Auftreten der Welt so sehr imponirte, so hätte selbst ein Jakob für die dauernde, ungetrübte Reinheit seines Hauses zittern müssen. Diese Gefahr war nach dem ersten glücklich vorübergegangenen Begegniß mit Esaw nicht überwunden. Je ritterlicher, versöhnlicher und brüderlicher Esaw handelte, um so näher lag die Befürchtung, daß das Beispiel des Onkels für die Heranwachsenden Neffen maßgebend werden könne, besonders jetzt, da der Jahrzehnte mit seiner Familie in der Fremde weilende Vater sich ansäßig zu machen im Begriffe war, in dem Lande, in dem der eigene Vater noch als Fremdling gelebt hatte. Was Jakob und seine Kinder in dieser Lage rettete vor dem Einflüsse des brüderlichen Beispiels, das war das Band, der Zusammenhang, der ihn mit seiner Familie verband. Nach Außen imponirte Esaw; in seinem Familienleben war Esaw mit seinem Hause zerfallen. Nach Außen erschien Jakob als ein sorgenbeladener, gedrückter Familienvater, aber in seinem Hause waltete Frieden und himmlische Einheit, und darin lag seine Kraft. — In ihrer knappen, prägnanten Weise deutet uns