Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1814 bekannte Melodien sich zu Grunde gelegt haben, die dann später zusammen mit ihren Texten von andern Synagogen ausgenommen wurden. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Aus Unterfranken. Es dürfte sicherlich die Leser Ihres gesch. Blattes interefsiren, zu erfahren, daß die Frage nach den für den Unterricht in der israel. Religion eingeführten Lehrmitteln die Kgl. Bayer. Regierung bereits im Dezember vorigen Jahres im Zusammenhang mit der geplanten Unterrichtsreform beschäftigt hat. Schon damals ergingen an die Vorstände der höheren Unterrichtsanstalten in Bayern die auf den betreffenden Unterrichtszweig bezüglichen Anfragen mir der Aufforderung, die beim Unterrichte in der isr. Religion benützten Lehrbücher vorzulegen. In dem soeben zur Ausgabe gelangenden Schulbericht der iSrael. Le hr er-Präp arandie zu Burgpr epp ach thetlt der Vorstand jener Schule, Herr Dr. Deutsch, hierüber das Folgende mit: Am 16. Dezember richtete die kgl. Regierung eine Anfrage an uns bezüglich der für den Unterricht in der Religion eingeführten Lehrmittel. Die Anfrage erledigten wir durch nachfolgenden Bericht, welchem wir Exemplare der beim Religionsunterrichte benützten Lehrbücher beifügten. Der Bericht lautete: Aus zuletzt ergangene Aufforderungen h. kgl. Regierung theile ich gehorsamst mit, daß ein eigentliches, systematisch und methodisch geordnetes Lehrbuch der isr. Religion in hiesiger Präparandenschule nicht eingeführt ist, weil 1. keines der bisher erschienenen Lehrbücher dieser Art dem Bedürfnisie für Schulpräparanden entspricht, und weil 2 der eingehende Unterricht in den Quellenschriften der Religion, den wir ertheilen, es als überflüssig erscheinen läßt, die religiösen Lehren noch nach einem systematisch geordneten Compendium vorzutragen. Die wichtigste religiöse Belehrung erfolgt beim biblischen Unterricht, welcher in der Uedersetzung des Pentateuch, der ersten und zum Theil der späteren Propheten in der Ursprache besteht. Im Anschluß an diesen Uebersetzungsunterricht wird wie die Glaubens- und Sittenlehre ebenso auch der größte Theil der sonstigen Pslichtgebote gelehrt, und es liegt in dieser ältesten und sozusagen unmittelbarsten Art der religiösen Unterweisung der doppelte Vortheil, daß J. die Kinder das Hebräische, dessen Kenntniß ihnen als künftige Lehrer unentbehrlich ist, gründlich erlernen, und 2. daß sich ihnen die Lehren der Religion dadurch, daß der Unterricht sie sowohl durch ästhetische wie linguistische Erklärung länger festhalten muß, tiefer einprägen und Herz und Verstand für die gewissenhafte Erfüllung wirksamer befruchten. Außer dem Unterrichte in der Bibel ist als Anleitung für Kenntniß der ritualen Gebräuche der Israeliten ausnahmslos in allen Kursen das hebräisch geschriebene Werk Kizzar Schulchan Aruch (kurzgefaßter Leitfaden der schriftlichen und mündlichen Pflichtgebote) eingeführt, in den oberen Kursen wird noch Stern. „Die Vorschriften der Thora u. s. tu.", welcher mit den religiösen Pflichtgeboten auch deren Grundbegriffe (meist nach dem Werke „Choreb" des S. R- Hirsch) mittheilt, benutzt. Von den genannten Werken liegen Exemplare zur Ansicht bei. Zur Repetition des biblischen und Erlernung des nachbiblischen jüdischen Geschichtsunterrichts ist den Schülern der Leitfaden des Dr. D. Cassel und die Geschichte des jüdischen Volkes von Dr. S. Bäck in die Hand gegeben. Einen Theil der ritualen und religionsgeschichtlichen Unterweisung bilden noch die Durchnahme leichter Kapitel in Mischna und Talmud." Der Bericht wurde von Kgl. Regierung ohne Erinnerung zur Kenntniß genommen. Die oben mitgetheilte Thatsache sowohl, als auch die Antwort, mit welcher Herr Dr. Deutsch der Aufforderung seiner Vorgesetzten Behörde begegnet ist, und welche in den Worten Dittes' gipfelt: „Nicht aus Katechismus und Bekenntnißschriften, sondern aus religiösen Quellenschriften hat die Schule ihren Btldungsstoff zu entnehmen; denn sie soll nicht das Abgeleitete, statt des Ursprünglichen, die erstarrte Form statt des lebendigen Wesens bieten" — *) dürfte gewiß das Interesse weiterer israel Schulkreise in Anspruch nehmen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 25. November. Die vorgestrigen Reden der Abgeordneten Schlesinger und Schneider im österr. Reichsrathe boten heute dem Abgeordneten Bloch den Anlaß zu einer schneidigen Polemik, welcher das Haus mit großer Aufmerksamkeit folgte. Herr Bloch zeigte sich seinen pöbelhaften Gegnern weit überlegen an Beredsamkeit und anständiger Ausdrucksweise und die Hiebe, die er austheilte, scheinen, nach der Ungeberdigkeit der Antisemiten und Deutsch-Nationalen zu schließen, in diesem Lager gar schmerzlich empfunden worden zu sein. Leider gestattet uns der Raum nicht, die Rede vollinhaltlich zum Abdruck zu bringen, doch hoffen wir demnächst einige Auszüge aus derselben wiedergeben zu können. Nach Mittheilung unseres Wiener Correspondenten sei diese Rede ein wahrer Kidusch Haschem gewesen und hat man Herrn Bloch aus allen Theileu des Reiches, so.,ar auch von nichtjüdischer Seite dazu gratutirt. Amerika. Buenos-Ayres, 31. October. Die Unterzeichneten erhielten einen Aufruf, in welchem sich ein Herr A. Bilanki in Paris 51 rua Voudewill als Chef-Delegirter eines Comitss de defense des Emigrantes russes pour Argentine ausgibt. Wir erklären hiermit, daß weder wir noch die ar- *) Grnndr. der Erziehung?- u. Uitterrichtslehre. 3. Aust. S. 222.