Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1815 ^entmischen Colonisten genannten Herrn und seine Mitunterzekchneten Elfenbein, Brenner, Goldberg kennen, und sie auch nicht beauftragt haben für die russischen Colonisten in Argentinien zu wirken. Der thatsächlich von uns Beauftragte für die Sache der russischen Colonisten einzutreten, ist Herr E. Cullen, der sich gegenwärtig in London befindet, und welcher auch im Besitze der nöthigen Schriftstücke ist. Eugenio Sonnenfe ld, Zahnarzt. (calle 25 de Margo 358) Vermont. vermischtes. < „Prag. Wie der Judenhaß schon in der Schule gelehrt wird. In der „Bohemia", diesem stets durch seine judenfreundliche Haltung sich ausgezeichnenden Blatte, gibt ein christlicher Vater eine kleine, aber so recht das Bestreben des katholischen Clerus den Judenhaß zu lehren, charakterisirende Episode zum Besten, die auch wir unseren Lesern nicht vorenthalten können. Er erzählt: „Neulich beim Frühstück wurde meine Zeitungs-Lecture unterbrochen durch den Zwischenruf: „Jetzt kommenwir schon bald zurSündfluih!"— Ähnliches hatte ich mir soeben selbst gedacht, so daß ich einen Augenblick glaubte, der Zwischenruf käme unwillkürlich aus meinem Innern heraus. Allein in Wirklichkeit war er von den Lippen meines kleinen Jungen gekommen, der mich mit diesen stolz gesprochenen Worten von den ansehnlichen Fortschritten seiner beginnenden „Bildung" benachrichtigte. „Ei ei, und wo seid Ihr denn jetzt?" fragte ich. „Bei Kain und Abel," war die Antwort. — „Also erzähl' mir doch mal die Geschichte von Kain und Abel," sagt' ich ihm. „Na weißt Du, Papa," fing er an, „der Kain war das Vorbild der Juden." .. . Mir fiel vor Schrecken das Kipfel in die Tasse. Wie kam der kleine Mensch, den ich in voller nationaler und confessioneller Vorurtheilslosigkeit heranwachsen zu lassen bestrebt bin, zu einer solchen Ansicht? — „Ja, was fällt Dir denn ein?" rief ich ihm zu. Er aber entgegnet mit großer Wichtigkeit: „Ja weißt Du, Papa: der Kain war auf der ganzen Erde zerstreut und hat seinen Bruder ermordet, darum ist er das Vorbild der Juden." Und wie ich nun weiter forsche, wer dem Knaben diese Neuigkeit anvertraut hat» sagt er kaltblütig: „Im Büchel steht 's \* und bringt das „Büchel" herbei. Nämlich die im k. k. Schulbücher-Verlage in Wien erschienene „Biblische Geschichte des Alten und Neuen Testament für allgemeine Volksschulen und für Bürgerschulen" von Dr. I. Schuster. Da stimmt denn auch die Neuigkeit, zwar nicht wörtlich, aber ungefähr. Auf Seite 7 ist der Geschichte von Kain und Abel in zwei Zeilen folgende Moral angehängt: „Abel war ein Vorbild des von seinen Brüdern, den Juden, unschuldig getödteten Stifters der christl. Religion, Kain war ein Vorbild der über die ganzen Erde zerstreuten Juden." — Zu meiner Zeit wurden uns, glaub ich, in den Schulebüchern keine solchen Neuigkeiten mitgetheilt, wenn ich mich auch sehr wohl erinnere, daß in das alte Testament immer Beziehungen auf das neue Testament eingeflochten waren. Jndefien wird die Sache wohl in Ordnung sein, da das Schuster'sche Buch, wie auf dem Titelblatt ausdrücklich bemerkt ist, mit Approbation des hochwürdigsten Cardinal-Fürsterzbischoss von Prag und einer Reihe anderer Kirchenfürsten erschienen ist. Oder sollte etwa die „Zerstreutheit", die das Protoyp der Juden kennzeichnen soll, auf Seite jener>Herrenj7Censoren gewesen sein, die von den erwähnten Kirchensürsten mit der Durchsicht deS Buches beauftragt wurden?" — Die in voranstehender Episode zum Ausdrucke gebrachte Entrüstung eines christlichen Vaters über die Art und Weise, in welcher der christlichen Jugend die Begriffe von Nächstenliebe beigebracht werden, ist eine so zutreffende und unparteiische Kritik.daß sie jedenweiteren Commentarals überflüsiig erscheinenlätzt, weshalb auch wir unS jedes Urtheiles begeben, aber doch muffen wir die Frage aufwerfen, wie es denn möglich sei, daß der erste geistliche Würdenträger in Böhmen, der als ein leuchtendes Beispiel der allgemeinen Menschenliebe allen seinen Gläubigen voranschreiten sollte, anstatt dem Verfasser für die Aufstellung einer geradezu aufreizenden, das jugendliche Herz vergiftenden Moral eine Rüge zu ertheilen und jene alle Moral hohnsprechende Stelle gleich bei der Censur zu streichen, jenem Buche, in welchem der Brudermörder Kain als ein Vorbild der über die ganze Erde zerstreuten Juden hingestellt wird, die Aprobation ertheilen konnte. Was der Erzbischof unterließ, wird hoffentlich die kompetente Schulbehörde wieder gut machen, an ihr wird eS gelegen sein, Bücher mit solchen Moralstellen, ohne RücksichtSnahme auf ihre erzbischöfliche Patronanz, in der Schule nicht zu dulden, insbesondere wird es Sache sein der Herrn Dr. Bendiener als Vertreter der israelitischen Confeffion i« Landesschulrathe im demselben gegen die unerhörte pädagogische Versündigung an derJugend, wie sie in jenem Schulbuche zum Ausdrucke gelangt, seine Stimme zu erheben und dahin zu wirken, daß an sämmtlichen Volks- und Bürgerschulen, wo Dr. Schusters „Biblische GeschichtedesAlten u. Neuen Testaments" eingeführt ist, dasselbe sobald als möglich inhibirt werde. Das Ministerium für Cultus und Unterricht hat vor Jahren schon, in weiser Vorsicht sämmtliche Schulleitungen aufgefordert, alle jene Bücher, deren Inhalt unpatriotisch ist oder gegen das sittliche und religiöse Gefühl verstößt, aus den Schülerbibliotheken zu entfernen und da sollte ein im k. k. Schulbücher-Verlage erscheinendes Lehrbuch, zumal noch religionsgeschichlichen Inhalts, welches durch jene obencitirte „Moralstelle" eher geeignet ist, das jugendliche Herz zu verderben, als zu veredeln, dem seinerzeitigen ministeriellen Erlaß anstandslos ein Paroli bieten? Das wird sich wohl die höchste Unterrichtsbehörde kaum gefallen lassen. Wir wollen abwarten. Euskirchen Bei den Stadtverordnetenwahlen am 25. November wurde unser Gemeindemitglied, Herr Andreas Wallach, Kaufmann, wiederum in der I. Abtheilung auf weitere 6 Jahre zum Stadtverordneten wiedergewählt. Briefkasten der Redaetion. E. F., Bäckergeselle, Frankfurt a. M. Wir glauben, daß es allgemein bekannt ist, daß es streng verboten, heutzutage Butlergeback von nichtjüdischen Bäckern zu beziehen. Auflösung des Ureis-AäLUecs in Mr. 91: nach dem Psalmwort: noriD Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wurde geloost und erhielt der Gewinner, Herr E m. Herz in Berolzheim Ein Werk aus unserem Verlag franco zugesandt.