Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-12-01 · Heft 95 (1.12.1892) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 95 (1.12.1892)
Date
1892-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448307--35295-2483273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1812 -Der Markgraf war gerade an diesem Tage übler Laune, wollte keine Audienz ertheilen, auch dann nicht, als er erfuhr, der Audienzbewerber sei der von Jedermann hochgeachtete Oberrabbiner Hirsch, der Bruder des in feiner höchsten Gunst stehenden Hosjuden Elkan Frankl. Der Fürst ließ meinem Vater vermelden, er solle in zwei, drei Tagen wiederkommen. „Ich kann und werde nicht eine Minute warten," hatte mein Vater dem vor Erstaunen erstarrenden Kammerdiener geantwortet. „Von dieser Audienz hängt die Ehre seiner hochfürstlichen Durchlaucht, das Leben eines würdigen Mannes, das Glück einer rechtschaffenen Familie ab, — lassen Sie mich ungehindert in das Cabinet des Fürsten treten, ich übernehme die Verantwortung, wenn Sie dadurch Ihren Dienst verlieren, werde ich Sie überreich entschädigen, daß ich dies im Stande bin, mag Ihnen das fürstliche Geschenk zeigen, das ich Ihnen dafür biete, daß Sie meinem Vordringen in das Cabinet nicht Widerstand entgegenzusetzen versuchen, welcher, wie ich gleich hinzufügen will, ein völlig vergeblicher wäre." Mein Vater, von riesigem Wüchse — er ist noch etwas höher als ich — und damals noch im Vollbesitze seiner herkulischen Kraft, that gleichzeitig zweifaches: mit der Linken warf er dem überraschten Kammerdiener einen Beutel Dukaten vor die Füße, mit der Rechten schob er ihn, als wäre er ein leichtes, leblo es Objekt, von der Thüre weg, durcheilte rasch das Zimmer, welches die Anticamera von dem Cabinet des Fürsten trennte, und trat unerschrocken in dasselbe." Rafael Fränkl unterbrach sich. „Ich nehme Ihre Geduld durch meine schleppende Erzählungsweise ungebührlich in Anspruch, — ich bitte hierfür tausendmal um Entschuldigung, ich will mich von nun ab kürzer fassen." „Ich bitte das nicht zu thun", rief Wertheimer eifrig, „namentlich und ganz besonders nicht, bei der Schilderung der Audienz, die wir jetzt erwarten; durch diese hatte sich, wie allgemein erzählt wird, Ihr Vater die höchste Gunst des Markgrafen errungen, die sich allerdings später, leider in glühendsten Haß verwandelte. Ich bitte Sie daher in ganz unveränderter Weise wie bisher fortznfahren." „Der Markgraf war von dem unerwarteten Ueberfall überrascht, aber bevor noch der wild auffahrende, vor Zorn einige Sekunden sprachlose Mann zu Worte gelangen konnte, hatte mein Vater begonnen. „Hochfürstliche Durchlaucht! Die Pflicht der Unterthanenlreue, der heiße Wunsch allerhöchst Ihnen in ersprießlichster Weise zu dienen und die von Gott, dem höchsten Herrn der Welt gebotene Pflicht der Menschenliebe, zwingen mich zu allerhöchst Ihnen vorzudringen. „Von allerhöchst Dero Weisheit erwarte ich, wenn allerhöchst Sie mich gnädigst angehört haben, nicht nur gnädigste Vergebung meines Wagnisses; sondern gnädigste Anerkennung." — Ich habe es schon gesagt, mein Vater ist eine imponirende Erscheinung, die auch dem wilden Markgrafen Ehrfurcht etnflößte und seine klug gesetzten, die Neugierde Friedrich Wilhelms erweckenden Worte hatten auf diesen einen günstigen Eindruck hervorgerufen, er blickte verduzt auf und sprach nur halb gereizt: Hn'est guv §a *)? . . . Sie sind der Fürther Oberrabbiner, der Bruder meines Mt de cour2) Elkan Fränkl, n’est-ce-pas? . . . Was sprachen Sie? ... . Ihre Handlungen stimmen nicht mit Ihren Worten überein! Ein Unterthan hat dem Willen seines Fürsten zu gehorsamen, — das aber haben Sie nicht gethan! Sie sind gegen mein ausdrückliches Verbot hier erschienen!" _ (Fortsetzung folgt.) 1) Was ist das? 2) Hoff,«den. Der „IS ra elit" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel I» brfirhrn bei G. F. Steinacker, Leipzig, Dohptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandien Mauuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Das kirchenpolitijche Programm der ungarischen Regierung. — Aus den Erlebnissen eines Inden-Missionärs. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. — Oesterr.-Ungär. Monarchie: Budapest. — Feuilleton: „Fürstengunst." ErMlung von S. Ko hu, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Unterfranken. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Amerika: Buenos-Ayres. — Vermischtes. Inhalt der zweite« Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilage: Prozeß Ahlwardt. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottftraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesestschafi in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.