Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1810 ,«*sn #n »jn '2 ^y. Im Mittelalter hat man glauben wollen, daß durch Brunnenvergiftungen, welche durch Juden hervorgerufen, Pest und Seuche entstanden seien, weil die Juden selbst nur selten hiervon ergriffen wurden, in neuerer Zeit jedoch komme man immer mehr zur Erkenntniß, daß es die religionsgesetzlich veroronete Enthaltsamkeit und die Lebensweise der Juden sei, welche ihnen schützend zur Seite stände, die statistische Zahl, der b.i oen Juden an der Cholera hier Gestorbenen ist nur 25 pCt. des Antheils, mit welchem Andersgläubige an derselben betheiligt sind. Da nun in der Thai das Elbwaffer der Träger und Verbreiter der Epidemie gewesen und das Volk nach einem gesunden Trunk Wasser lechzte, so war das Gleichniß von dem Wasser, welches Israel in der Wüste nicht trinken konnte, weil es bitter war dp, dhd »a, sehr passend angebracht. Gott zeigte aber dem Moscheh ein Holz, das warf Moscheh ins Wasser, worauf es süß und trinkbar wurde. Nach Ausspruch unserer Weisen war dieses Holz selbst bitter, damit sollte nach Darlegung des Redners angedeutet werden, daß die Opfer, welche der Mensch zur Bekämpfung der Bitterkeiten des Lebens bringen müsse, selbst bitter schmecken, er könne sich dabei nicht der süßen Ruhe und Gleichgiltigkeit hingeben. Neues Leben werde für Hamburg und seine Bewohner erblühen und die gemachte Erfahrungen werden nicht nutzlos an uns vorübergehen. Gott bib t®in segne Hamburg, den hohen Senat, die gesammte Bürgerschaft, alle Vorstände und Gemeindemitglieder So ungefähr schloß der Oberrabbiner seine Rede, worauf >op höid recitirt wurde, wonach man den regelmäßigen Gottesdienst vollendete. Die Gesangesleiftungen waren wohl mit Rücksicht auf die vorgerückte Zeit nur dürftig zu nennen. Trotz des großen Andranges war in keiner der vielen anderen Synagogen der regelmäßige Gottesdienst ausgefallen. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Budapest, 28. November. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachte Präsident Banffy den Tod Moritz Wahrmann's zur Kenntniß und gedachte in Worten der höchsten Anerkennung der Verdienste, welche sich Wahrmann um das Abgeordnetenhaus erworben habe. Er beantragt unter lebhafter Zustimmung des ganzen Hauses, daß dasselbe sein tiefstes Beileid über das Hinschetden Wahrmann's ausspreche, auf dessen Sarg einen Kranz niederlegen lasse und an dem morgen um lOUhr stattfindenden Leichenbegängnisse corporativ theilnehme. — Alexander Hegedüs gibt im Aufträge der Finanz-Commission, deren Präsident Wahrmann gewesen ist, der tiefen Trauer über das Hinscheiden dieses bedeutenden Parlamentariers Ausdruck. Redner verweist darauf, daß viele ungarische Gesetze nur die Verwirklichung von Ideen seien, die im Kopfe Wahrmann's entsprangen, daß sich Wahrmann um die Ordnung der Finanzen große Verdienste erworben habe, und schließt dann mit folgenden Worten.- „In dem Verblichenen paarten sich praktische Erfahrung und Wissenschaft zu seltener Harmonie. Dazu kamen noch ein unermüdlicher Fleiß und ein seltener Ernst, welche ihn keine Gelegenheit versäumen ließen, im öffentlichen Interesse zu wirken. Der Verblichene hat uns zu großem Dank verpflichtet, sein Beispiel wird uns in der Zukunft eine glänzende Leuchte sein." — Namens der Unabhängigkeitspartei gab Karl Eötvös dem Beileide über den Tod Wahrmann's Ausdruck. Redner errinnert daran, daß der Verblichene als Präsident einer der größten Judengemeinden der Welt eine segensreiche Wirksamkeit entfaltet haöe. Doppelt tragisch sei, daß sein Tod in einem Augenblicke erfo gte, in welchem sich eine Action im Interesse der jüdischen Conftssion vollzieht, zu welcher der Verblichene sein redliches Theil beigetragen habe. (Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause.) — Graf Apponyt schließt sich den Ausführungen, welche die Verdienste des Verstorbenen würdigen, vollkommen an und fügt hinzu, daß Wahrmann seine gesellschaftliche Stellung benützt und viel dazu betgetragen habe, Budapest zu magyarisiren. Dies sichere ihm für alle Zeiten einen ehrenvollen Platz im Andenken der Nation. (Lebhafte Zustimmung.) Anläßlich des Todes Wahrmann's hat sich gestern folgende Episode abgespielt: Früher besaß das Abgeordnetenhaus nur eine kleine schwarze Fahne, welche bet Trauerkundgebungen des Hauses in Verwendung kam. Beim Tode des Kronprinzen nun wurde eine große Trauerfahne angeschafft. Dieselbe war auch beim Tode Daniel Jranhi's gehißt. Gestern aber fand Präsident Banffy wieder die kleine schwarze Fahne aufgezogen. Er stellte deßhalb die Quästurbeamten zur Rede, indem er erklärte, daß er auch nicht den Schein von Antisemitismus dulde, und befahl, die große Fahne zu hissen. (Neue Freie Presse). Anmerkung der Redaction. Leider können wir Herrn Wahrmann als Juden nicht das gleiche Lob spenden. Als Vice-Präses im jüdischen Congresse 1868/69 nahm derselbe jede Gelegenheit wahr, um gegen die Gesetzestreuen auf daS Schärfste loszuziehen. Diese letztere Gepflogenheit hat ihm anläßlich einer im Abgeordnetenhause aut der Tagesordnung stehenden Debatte über jüdische Angelegenheiten sogar einmal die Mißbilligung zweier christlicher Abgeordneten eingebracht. Die sogenannte Pester Chewra Kadischa ließ die Leiche W.'s aufbahren, zur öffentlichen Schau stellen und den Sarg mit Trägern von brennenden Fackeln begleiten!!! Eine „echt jüdische" Chewra Kadischa!