Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1809 und schließlich gingen beide leer aus, denn sie hatten kein Geld mebr sür ihren Schacher erhalten, er batte den Täufling verloren, der als Jude in London im jüdischen Waisenhaus sich aufhielt. Solche Geschäfte werden zwischen Juden und Juden-Genossen im 19. Jahrhundert betrieben! Und wahrlich, es scheint, als ob die Juden- Missionäre eher zu Juden werden würden, ehe sie einen Juden zum Christenthum bekehren. Nach solchen unwürdigen Szenen war mir jede Lust, noch ferner in Danzig zu bleiben, vergangen. Ich setzte alle möglichen Hebel in Bewegung, um den Zweck meiner Reise, nämlich in London sür mein Augenleiden ärziliche Hilfe zu erhalten, bald möglichst zu erreichen. Jedoch wollte ich es zuvor in Danzig selbst noch einmal versuchen, indem ich den berühmten Augenarzt Dr. Schneller konsultine. Dieser sagte mir, daß mein Augenübel höchst bedenklich sei und ein rasches operatives Eingreifen allein helfen könnte. Es wäre das Beste, ich ließe mich sofort auf mehrere Wochen in seine Privat- Klinik aufnehmen. Allerdings mit Geldkosten sei diese ganze Geschichte verbunden. Vertrauensvoll und sichere Geld-Unterstützung erwartend, wandte ich mich an meinen lieben Paten, den Juden-Missionär Eh. U. Der aber machte ein langes Gesicht; dann sagte er, es sei sehr unchristlich von mir, daß ich mich von einem Arzte beeinflussen ließe. Er wolle mein Augenleiden selbst durch die Wunderkraft des Gebetes heben. Ich war über diese sonderbare Antwort im Stillen auf's Höchste empört. Ich beschloß, ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Mir siel ein guter Gedanke ein. Ich sagte dem Dienstmädchen, cS solle doch für heute Mittag Wachteln kochen. Dasselbe machte ein höchst erstauntes Gesicht und sagte, daß in der ganzen Stadt keine Wachteln aufzutreiben sein würden. Ich aber sagte ruhig, sie solle nur einen Topf mit Wasser in den Ofen setzen; darauf solle sie niederknien und beten. Gott würde durch die Wunderkraft des Gebetes schon die fehlenden Wachteln hineinthun. Der treffliche Pate, Juden-Missionär U.. der natürlich zugegen war, machte ein sonderbares Gesicht. Hatte ich vorher noch einiges Vertrauen zu den Juden- Missionären gehabt, so war ich nach dieser letzten Erfahrung zu der vollkommenen Ueberzeugung gekommen, daß in solchen Menschen jedes Gefühl der Scham und Ehrlichkeit geschwunden sei. Früher war ich immer noch geneigt, daß die Missionäre von ihrem Amte beeinflußt, so kalt und gewissenlos handelten, jetzt nun sah ich es deutlich ein, daß ihr Inneres selbst von Grund aus verlogen und verdorben sei. Ja, ich muß hierbei sogar behaupten, daß nothwendigcr Weise jeder Mensch, in dessen Brust noch der kleinste Funken von Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit glimmt, diese Klasse von Leuten wie giftige Nattern fliehen und meiden muß. Sollte aber einer der geehrten Leser der Meinung sein, daß diese Leute nicht die Mittel besäßen, hilfreich einzugreifen, so will ich nur bemerken, daß der Juden-Missionär CH. U. sich während seiner elfjährigen Thättgkeit ein ansehnliches Steinhaus auf der Paradies-Gasse in Danzig erbaut hat — natürlich von den zusammengebettelten Geldern naiver Christen, die sie zum Zwecke der Bekehrung Israels betgesteuert hatten. Früher war U. in einem kleinen ostpreußischen Neste Schullehrer und Sohn armer Eltern. Ebenso bereichern sich die anderen Juden-Missionäre, die ihre Wohnung luxuriös ausgestattet haben. Der Berichterstatter der „Deutsch - Socialen Blätter" verspricht auch noch Mittheilungen aus dem ruchlosen Treiben der Londoner Judenmission zu machen. Vielleicht entschließen wir uns, ihm auch dorthin zu folgen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Hamburg, 27. Nov. nvävn '->nn \n Auf Anordnung eines hohen Senates war am jüngsten Freitag in Verbindung mit dem Hamburger kirchlichen Bußu. Vettage eine allgemeine Dankesfeier für die nunmehr mit Gottes Hilfe erloschene Choleraepidemie festgesetzt worden. Dieser Verordnung war in der Hauptsynagoge zwischen Mincha- und rtop m» durch Predigt und Gesang entsprochen worden; der ernsten Bedeutung dieser Feier angemessen, war die Synagoge drückend voll und allen Gemeindebehörden und Commissionen waren Sitzplätze reservirt, die ebenfalls voll besetzt waren. Der Oberrabbtner begann seine vortreffliche Rede mit dem Kapitel o^nn, daß die Erretteten demüthig ihren Dank darbringen sollten, daß sie die Stimme Gottes vom Wasser vernommen von bv 'n Nicht das Ungefähr sei es gewesen, da ja selbst die Autoritäten gestritten, woher denn dieses Gift gekommen und wie es durch das Wasser verbreitet worden sei. Der Redner gedachte der Dahingerafften, spendete Trost den Hinterbliebenen und anerkannte das beispiellos edle Handeln und Wirken aller Behörden und Bewohner Hamburgs zur Bekämpfung der Seuche und hob hervor,was überall zur Linderung der Noth geschehen sei und noch geschehe. Das Judenthum habe alle Zeit, die ihm in der Thora vorgeschriebene Diät und alle damit in Verbindung stehenden religiösen Anordnungen hochgehalten, wodurch es nicht zum Wenigsten gegen verheerende Seuchen geschützt sei dn -»dxv D'tc'N nV onsöa tiöp ntw nVnon bj 'ui vdbti