Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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1808 auch war ich bereits zu fest in der Gewalt dieser Heuchler, daß ich mich unmöglich weigern konnte und mich in das Unvermeidliche fügte. In Minsk nun sollte die Kette meiner physischen Leiden ihren Anfang nehmen. Mir, der ich körperlich schon Unsägliches gelitten hatte, wies man eine feuchte, eisigkalte Kammer als Wohnung an, in der selbst der abgehärtetste Körper bald gelitten hätte, um so mehr mein schon geschwächter Leib. Ich hatte das bittere Unglück, durch eine starke Erkältung mein kostbares Augenlicht zu verlieren, indem das eine Auge, aus dem ich noch zn sehen imstande war, an der Netzhaut-Ablösung vollständig erblindete. Mein Schicksal schien mir nun auf immer ganz und voll beendet. In meiner Noth wandte ich mich eiligst zurück nach Wilna, um mir vom Dr. Althausen Rctth zu holen. Dieser versicherte mir, daß ich selbstverständlich von der Londoner Gesellschaft, da ich in ihrem Dienste erkrankt sei, unterstützt werden müsse. Ich solle unverzüglich nach London abreisen, unterwegs in Danzig aber noch einen kleinen Aufenthalt nehmen, um dort meinen Paten, der daselbst auch Juden- Missionär war, aufzusuchen. Man stellte mir glänzende Zeugnisse aus, gab mir Empfehlungen mit und suchte mich mit süßen, verheißenden Redereien zur schleunigen Abreise aufzumuntern. Aber dies that man alles nur, um sich meiner so rasch als möglich zu entledigen. Doch ich will die geehrten Leser mit meiner traurigen Krankheits-Geschichte nicht langweilen. Ich will nur noch eine haarsträubende Geschichte, die ich während meines kurzen Aufenthalts in Danzig persönlich sich abspielen sah, mittheilen, die so recht das gewissenlose und verwerfliche Treiben sogenannter Juden Missionare u. deren jüdischen Schacher illustrirt. Die Hauptrollen in dieser schmutzigen Geschichte spielen zwei Personen, nämlich eine jüdische Mutter und der Inden-Missionar, leider mein Pate selbst, namens Ch.U.(Die Schrtftleitung der deutsch-Socialen Blätter bemerkt dazu: Der Name ist bei uns zu erfahren. Wir lassen ihn nur deshalb ungenannt, um den Mittheilungen nicht den Charakter persönlicher Gehässigkeit zu geben.) Die jüdische Mutter, ein Fräulein Goldstein, war nach vielem Umhertreiben in der Welt, ein l2jähr. Söhnchen mitbringend, wieder nach ihrer Geburtsstadt Danzig zurückgekehrt. Als sie noch jung und begehrenswerth war, hatte sie sich ihren Lebens- Unterhalt auf eine sehr leichte durchaus nicht sittliche Art verdient. Jetzt aber schien das unsaubere Geschäft nicht mehr zu gehen. Doch sie wußte sich sehr bald aus der Verlegenheit zu ziehen. Sie legte sich darauf, Taus-Geschäfte zu betreiben. Zum wievielten Male dies geschah, vermag ich nicht genau zu sagen. Es ist dies ja auch Nebensache. Charakteristisch aber ist jedenfalls der eine Fall, in dem sie „ihren eigenen Sohn" an den edlen Juden-Missionar verschacherte. Man ging dabei ganz kaufmännisch zu Werke. Jeder von beiden Käufer wie Verkäuferin, hatte Profitchen. Der Käufer, der ehrenwerthe Juden-Missionar, hatte schon seit mehreren Monaten keine Erfolge seiner Thätigkeit aufweisen können. Er benutzte also die Gelegenheit, um seiner englischen Gesellschaft endlich einmal wieder von einer Juden-Taufe berichten zu können. Die saubere Mutter aber hatte sich dabei bis zur Taufe ihres verschacherten Söhnleins einen wöchentlichen Unterhalt von 6 M. ausbedungen und erhalten. Der hochedle U. machte nicht viel Federlesens, taufte kurzer Hand den Knaben, der nunmehr Leopold Johannes Goldstein hieß und schickte ihn auf das Seminar in Kropp in Schleswig- Holstein, wo er auch ausgenommen wurde. Indes das alte Sprichwort: „Jud' bleibt Jnd'und wenn man ihn hundertmal tauft!" bewährte sich auch hier bald. Der 13jährige Leopold Johannes Goldstein blieb nämlich trotz seiner Taufe ein Jüdchen von echter Rasse, indem er seine Stammes-Eigenschaften, Frechheit und Unverschämtheit, besonders auch die von der Mutter ererbten Talente, beibehielt. Dieser jüdischen Haupt-Tugenden wegen setzte man ihn in Kropp auch bald an die Luft, so daß ihn der Juden-Missionaer U., der dieses Früchtchen selbst nicht behalten wollte, nach London schickte. Aber auch dort that er nicht gut. Er vagabundirte in London herum, bis ihn die dortige Juden Gemetnde aus Mitleid in die englische jüdische Waisen- Schule aufnahm. Natürlich hatten nach Vollendung der Taufe die wöchentlichen Zahlungen aufgehört. Die Folge davon war ein großer Krach zwischen Käufer und Verkäuferin Diese Vorgänge erregten natürlich in der Danziger Judenschaft große Sensation, so daß sich der Oberrabbiner Dr. Werner zu Danzig der „armen" Mutter annahm. Bald spielte die ganze Geschichte auch vor Gericht. Die Jüdin nun kehrte jetzt den Spieß um und behauptete, U. hätte ihr Sohn entführt, um ihn mit Gewalt zur Taufe zu führen, sodaß sich nunmehr die Staatsanwaltschaft einmischen mußte. U. hingegen suchte sich dadurch zu entlasten, daß er behauptete, dte Jüdin Goldstein habe ihm den Sohn quasi als Adoptiv-Sohn übergeben, was sich aber auch bald als erlogen herausstellte. *) So hatte ein Betrüger den anderen betrogen *) Also nicht die Behauptung der Jüdin, sondern die des Juden-Missionärs stellte sich als erlogen heraus. Red. d. „Israelit".