Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 95 (1.12.1892)
- Date
- 1892-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1806 ltcher, daß sobald mit der Rezeption gleichzeitig die Religionsfreiheit ausgesprochen wird, — auch der Standpunkt des orthodoxen Judenthums ein von dem bisherigen abweichender sein muß. Ein abweichender und anderer, trotzdem wir mit den vermeintlichen Vortheilen, welche die Rezeption unserer Religion bieten könnte, im Reinen sind, trotzdem wir auch noch jetzt mit Entschiedenheit behaupten, daß es nicht gut war, die Rezeption zu verlangen, oder gar zu erpressen! Wir sind auch jetzt noch der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß es für das hierländische orthodoxe Judenthum in seinen Folgen unberechenbare Nachtheile gehabt hätte, würde sich dasselbe der von den Neologen eingeleiteten Bewegung angeschlossen haben und behaupten daher auch jetzt, daß die Perhorreszirung dieser Bewegung nicht nur sehr richtig, sondern unumgänglich nothwendig war. Daß übrigens die Neologen nicht eine solche Entwickelung der Dinge erhofft und angestrebt — ist zweifellos! Nicht nur die Religionsfreiheit allein, sondern auch die Ankündigung der anderen Gesetzesvorlagen, namentlich die Einführung der Zivilstands-Register ist es, was in der Mitte unserer Reformer ein Unbehagen erweckt! Dies mag für Sie in Deutschland sehr paradox klingen, hier in Ungarn jedoch, wo ganz eigentümliche Verhältnisse obwalten, ist all dies nur selbstverständlich. Wer da weiß, welche Pläne die Führer der Neologen betreffs der Wirkung des im Jahre 1885 durch Trefort geschaffenen „Judengesetz"-es (Normativ für isr. Matrikelführung) ausgeheckt; wer da weiß — wie wir es wissen — wie sie bestrebt waren und wozu ihnen eben dieses „Judengesetz die leichteste Handhabe bietet, dem freien Gewissen Fesseln anzulegen, erworbene Rechte zu confisciren, uralte Gemeinde- und Rabbinatsbezirke zu zerstückeln, zu zerstören: nur der ist im Stande, zu erfassen, wie sehr die projektirte Einführung von Zivilmatrikeln geeignet wäre, die von langer Hand vorbereitete Matrikelspekulation der Neologen gründlich illusorisch zu machen.-Schon d er Umstand allein, daß die Matrikelführung aufhören würde, das Kriterium der Gemeinde zu sein, oder daß die beschämende, erniedrigende Praxis aufhören würde, wonach ein Oberrabbiner — selbst in seinem eigenen Bezirke — wenn er nicht Matrtkelführer ist, nur dann eine Trauung vollziehen kann, wenn ihn der Matrikelführer (oft ein neologes Schächterlein, oder irgend ein Schreiber) dazu bevollmächtigt, — wie gesagt, schon dieser einzige Umstand bedeutet eine heilbringende Aenderung, welche das orthodoxe Judenthum nur willkommen heißen kann! Willkommen, obzwar es nicht zu leugnen ist, daß mancher Rabbiner, sobald er die Matrikelgebühren entbehren muß, in seiner Existenz beeinträchtigt sein wird. Diese Frage ist aber nur eine untergeordnete, sobald es sich um höhere Gesichtspunkte handelt und wir sind überzeugt, daß eine jede Gemeinde Mittel und Wege finden wird, um ihre Rabbinen möglichst zu entschädigen. All' das Gesagte zusammenfassend, konstatire ich hiemit, daß das hierländische orthodoxe Judenthum angesichts des kirchenpolitischen Programmes der ungarischen Regierung gar keine Ursache zur Unzufriedenheit hat. Diejenigen Befürchtungen, welche Anfangs in Hinsicht der Rezeptionsbewegung berechtigt waren und die uns von dieser Bewegung fern hielten, sind durch den Umstand, daß gleichzeitig auch die Religionsfreiheit gesetzlich ausgesprochen wird, — gänzlich gegenstandslos geworden, denn dieses Gesetz bietet uns Garantie dafür, daß sich all' das, was das orthodoxe Judenthum infolge der bisherigen Erfahrungen befürchtete, sich nicht verwirklichen wird! Was aber die Zivilstands- Register betrifft, heißen wir die Einführung derselben von Herzen willkommen! B u d a p e st. Dr. D a n i e l V s ß i. Aus den Erlebnissen eines Iuden- Msstonärs. Denn siehe deine Feinde, o Gott, siehe deine Feinde richten sie zu Grunde, es zerspengen sich selber alle Uebelthäter. (Psalm 92.) Man hat schon oft über das Treiben der Juden-Missionäre gelesen und gehört, aber wenn dasselbe selbst den Antisemiten zu bunt wird, dann muß es wirklich stark sein. Was müssen die Missinäre für Tugendbolde sein, wenn die Antisemiten sich als ihre Sittenrichter geriren dürfen! — Unter dem Titel „Wölfe im Schafpelz" veröffentlichen die antisemitischen „Deutsch-Sozialen-Blätter" Enthüllungen aus dem Leben und Treiben der Juden- Missionäre, welche verdienen ouch außerhalb des beschränkten Leserkreises dieser Blätter bekannt zu werden. Der Schafpelz des erzählenden Wolfes ist zwar ziemlich fadenscheinig und läßt den Wolf an allen Ecken und Enden durchblicken, aber wenn auch nur die Hälfte von dem, was er erzählt, wahr ist, so bleibt noch Verworfenheit genug übrig. Wir lassen hier aus dem Gröbsten einige Auszüge folgen: Man lockte mich als Missionär in die Juden- Mission. Durch das gleißnerische, fromme Wesen dieser Juden-Missionäre berückt, durch ihre falschen Reden, daß ich meine Geistesgaben nicht irdischen, sondern himmlischen Zwecken opfern sollte, bezaubert, trat ich frohlockend in jene Gesellschaft ein mit der