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Der Israelit · 1892-12-01 · Heft 95 (1.12.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 95 (1.12.1892)
Date
1892-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M SS XXXIII. Jahrgang. Der Israelit. Ein Kentrak-Zrgan für das orthodoXe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donner ft ag, den 1. Dezember 5653 (1893). Leitende Artikel. Z>as Kirchenpokitische Programm der ungarischen Regierung. Der 21. November des Jahres 1892 wird ewig denkwürdig sein in der Geschichte Ungarns. ES ist dies der Tag, an welchem das Kabtnet Wekerle in beiden Häusern des ungarischen Reichstages seinen Einzug hielt und sein ktrchenpolitisches Programm entwickelte- Der ungarische MinisterpräsibeyL Mklärte vor Allem, „daß die Regierung auf kirchenpolitischem Gebiete von der ernsten Bestrebung durchdrungen sei, daß sie durch Wahrung der staatlichen Interessen auch den konfessionellen Frieden und die religiöse Ruhe erhalte. . Der Premier zählte sodann der Reihe nach diejenigen Gesetzentwürfe auf, welche noch im Laufe der Wintersession dem Reichstage vorgclegt werden sollen. Diese sind: Die Gesetzentwürfe über die Rezeption der jüd. Religion, über die Glaubens- und Gewissensfreiheit und über die Einführung der Ctvilstand s-R egi st er. Was die letzteren betrifft, gedenkt die Regierung vorläufig nur transitorische Verfügungen zu treffen. Die genannten drei Gesetzesvorlagen bilden den einen Theil der kirchenpolitischen Fragen; den andern Theil bildet d i e obligatorische Civil ehe. Diese letztere Frage betreffend, ist das Programm der Regierung wohl ein entschiedenes, aber doch nur prinzipiellen Cha. rakters. Es wäre mithin noch verfrüht, hierüber jetzt schon eingehend zu sprechen, da es nur einer sehr kleinen Profetischen Einsicht bedarf, um wiffen zu können, daß die Zeit der Verwirklichung der Eivtlehe noch sehr ferne liegt. Ukbrtgens ist für das hierländische orthodoxe Judenthum nur der erste Theil des Regierungs- Programms von besonderem Interesse. Es ist doch wohlbekannt, welchen Standpunkt die orthodoxen Gemeinden Ungarns, der von neologer Seite inszenirteu Rezepltonsbewegung gegenüber eingenommen. Und wir zögern nicht zu erklären, daß nunmehr, infolge der gänzlich geänderten Situation, auch der Standpunkt des gesetzestreuen Judenthums ein anderer gew orden. als eres zur Zeit war, da dteBewegung von neologer Seite in Gang gesetzt wurde. Denn es ist nicht mehr die Rezeption, die von den Herrn Dr. Moritz Mezei und Genoffen angestrebt wurde. Was diese Herren unter dem Schlagworte „Rezeption" eigentlich erreichen wollten, haben wir doch des Oeftern erörtert und nachgewiesen, und fürwahr, die rasch, mit fieberhafter Eile ins Werk gesetzte „Reorganisation" allein verrieth es am besten, daß wir Recht hatten und war dies allein sehr geeignet, auch die Mindereingeweihren klar sehen zu lassen. Als sodann der Ungar. Unterrichtsministcr Graf Czaky im Parlamente die Erklärung abgab, daß er mit der „Rezeption" gleichzeitig auch über die „Religions- und Gewissensfreiheit" dem Hause einen Gesetzentwurf vorzulegen gedenke, da hörte auf einmal wie vom Zauberstab berührt, die fieberhafte Eile auf, die große „Reorganisation" schlief allmählich ein-und sonderbar! auch die Begeisterung für die Rezeption nahm urplötzlich ab, bas hoch aufgeloderte Feuer erlosch, nur kleine Funken verriethen noch sein Vorhandensein! .... Was taugt ihnen Rezeption, wenn in ihrer Spur die Religionsfreiheit folgt? . . . Das orthodoxe Judenthum jedoch ist im Gegentherle der Rezeption eben dann nicht abgeneigt (sie war überdies nie gegen die Rezeption, sondern nur gegen die Bewegung der N.ologen und das ist doch ganz was Anderes) sobald sie derartig ins Leben gerufen wird, wie dies die Regierung in ihrem Programme verkündet hat. Nichts ist also natürlicher und selbstverständ-

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