Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448306--35285-2483262- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1803 Wird, daß R. Meir einer jeden Fabel einen sinnverwandten Bibelvers zu Grunde legte und man demnach, zumal er für seine Fabel thatsächlich nur einen Vers (Ezech.) beibringt, mit unsrem Talmud annehmen tonnte, es hätten sich drei (entsprechend den drei Versen) erhalten, so enthält doch auch die Münch, Talmudhaudschr. die den anderzeitigen Angaben conformen Worte: "ihn n?n itoo Nu n8 ls). Eine vollgültige Bestätigung für die von mir vertretene Anschauung aber glaube ich darin erkennen zu dürfen, daß der Ialkut § 617 und Lev. 19, 36 mit dem Stichworte p-w eine (Lev. 19, 36) die Mittheilung des Talmuds in Sanbedrin auführt, während er sie zu Sp. 11, 8 (II § 949) ohne Stichwort auführt. Wenn nun die fernere Frage, ob R. Meir die Fabeln überliefert erhalten und daher nach dem Wortlaute des Talmuds besessen oder ob er sie gedichtet habe, als eine müßige Untersuchung bezeichnet worden MV0), io dürfte cs doch von einigem Interesse sein, aus dieselbe etwas näher cinzugehen. So besteht gewiß die Annahme zu Recht, daß er einerseits von seinem Lehrer R. Akiba, andererseits durch den Volksmund eine Anzahl Fabeln wußte, wie er denn auch sicherlich als schöpferischer Geist selbst viele erdichtet; aber nicht deßhalb, weil es heißt'*), daß mit seinem Tode die etoe 'TOiE aufgehört hätten. Denn wir haben keinen authentischen, vollgültigen Beweis dafür, daß e"e Fabeldichter bedeutet, und es bezeichnet vielleicht nur solche Männer, welche die Anwendung des ^eignen oder fremden) Maschal's verstanden. Wohl scheint es unmöglich, obige Frage allgemein zu beantworten, da wir die zu beurtheilenden Schöpfungen gar nicht kennen; aber eine Untersuchung über die der Vergangenheit entrissenen Fabeln R. Mcir's 'ch dürfte am Platze und nicht cum grano salis abzuthun feilt. E§ kann nämlich einer genaueren Beobachtung kaum entgehen, daß der erste Satz unserer Fabel in einem für unsere Untersuchung interessanten Zusammenhänge steht. Am Beginne des 18. Kapitels des Buches Ezechiel heißt es folgendermaßen: „Und das Wort des Ewigen ward mir, indem es .verkündete: Warum wendet ihr solches Gleichniß (TOe) an im Lande Israels, sprechend: Die Väter essen Eure Trauben, und den Kindern werden die Zähne stumpft — So wahr Ich lebe, spricht Gott, der Ewige: Ihr sollt fürder nicht solch'ein Gleichniß gebrauchen in Israel!" . . . Geht nun schon aus 15) Tie bez. Stelle lautete wohl ursprünglich folgendermaßen: 'El TON N^N E? |’N ENI. Wahrscheinlich schloß n?n die Zeile und man schrieb als custos das N, den i. Buchstaben des folgenden Wortes (TON) hin, woraus später 'n (- ~nN) wurde. In unseren Talmudausgaben trat ein Jrrthum daourch ein, daß man, da 3 Verse genannt werden, drei Fabeln überliefert glaubte. Vgl. noch Bacher, Ag. d. Tann. II, 7 Anm. 3 und Blumenthal, S. 99 f. 16) Blumenthal a. a. 0. S. 99, Anm. 1. (Ersteres nimmt Landsberger, die Fabeln des Sophos, Einltg. XXIV, Anm. 1, letzteres Gr ätz, Gesch. IV, 205 an.) 17) Sotha 49b. Da jedoch auch noch R. Me'ir Bar Kappara Fabeln erwähnt, so scheint sich der Ausspruch mehr auf eine selbstständige Dichtung von Fabeln, als auf eine bloße Anführung fremder zu beziehen. 18) Landsberger in d. Zeitschr. d. deutsch. Morgenl. Gesellsch. XII. 149. den Worten des Propheten klar hervor,. daß ein an den erwähnten Ausspruch ankuüpsendes TOe im Umlauf war, so wird uns ganz besonders der Umstand, daß die Dichtung von Gleichnissen gleicher Tendenz verurtheilt wird, zu der Annahme zwingen, daß R. Meir eine diesbezügliche Fabel nicht gedichtet, sonden von andrer Seite erfahren hat. Noch mehr! Nach meiner obigen Vertheilung der Verse dient gerade der Vers ans Leviticus 19, 36 dazu, die volksthümliche Anschauung, welche in Ez. 18, 2 zum Ausdruck gelangt, zu verwerfen und dem Inhalt von Spr. 11, 8 Nachdruck zu verleihen und zu betonen, daß unerschütterliche Gerechtigkeit das Walken Gottes charakterisirt. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser stelle, daß ich es nicht für ausgeschlossen halten würde, daß nicht Lev. 19, 36, sondern Ezech. 45, 10 tu unsrer Fabel Anwendung fand, wenn ich nicht der festen Ueberzeugung wäre, daß die Tannaim sich in ihrer zusammenhängenden Eregese eigentlich nur mit dem Pentateuch beschästigteu. Da sich der Talmud bei der Anführung biblischer Eitate in der Regel nur des Anfangs der Belegstelle bedient, so wäre es erklärlich, daß mau bei der Ergänzung und dem Quellennachweise des betr. Eitates zu dem wohl geläufigeren aus Levitieus griff, weil beide mit denselben Worten beginnen, ohne vielleicht zu bedenken, daß man ursprünglich Anstoß daran nahm, einen Satz des Pentateuch zur näheren Begründung des ezechielischeu Hauptsatzes (18, 2) heranznzieheu, wenn derselbe durch einen inhaltsgleichen aus den Büchern der Propheten zu ersetzen war, zumal wenn das betr. Kapitel (Ez. 45) im Ganzen eine ermahnende Tendenz hat. — Die Angabe in letzterwähnter Fabel, daß der Fuchs dem Wolfe das im Wasser entstandene Spiegelbild des Mondes zeigt, veranlaßt uns nunmehr, den Rest einer allbekannten Fabel anzuführen, der ich von jüdischen Quellen nur im Handschr. Midrasch H a ggadol begegnete. Wühl wissen die Midraschim (den Abschnitt nee) von Vergleichen zu erzählen, die das thörichte Begehren eines abtrünnigen Weibes (toid) weiter schildern sollen, keiner aber kennt Folgendes: Ein ehebrecherisches Weib (ebenso wie die Vorgenannten) gleicht einem Vogel, der, ein Stück Brod im Munde haltend, zur Höhe emporfliegt und unter sich im Wasser den Schatten seines Bissens sieht, der ihm größer zu sein scheint, als sein Besitz. Begierig, das größere Stück zu nehmen, läßt er das, welches er im Munde hat, fallen, ohne ein anderes zu erhalten.") — Im Talmud wird noch jene 19, 1?y HNTi TEO -031 TIN? TOOtt -zip'd ]’Em *n HE1? .0) cEo dlE n8 trun TO'? I'-OE" he -j’TOn co eee TO: Vgl. Bacher, Ag d paläst. Amor S. 103, Anm. 1 und meine Besprechung im jüd. Lit -Bl. 1891—92 (j St. in Nr. 51—ls91.) S. auch Bere chjah b. Natronai sUsEN, Nr. 5 im TOpO' TOO 'D (Wie B. am Ende seiner Schrift sagt, nannte er auch seine in gereimte Verse gebrachten Fabeln deßhalb „F uchsfabetn", obgleich doch auch gar viele andere Thiere in ihnen redend und handelnd eingeführt werden, ja in vielen der Fuchs überhaupt nicht vorkommt, weil sich dieses Thier vermöge seiner Schlauheit die Herrschaft über alle Thiere erobert hat. Man beachte demgegenüber, was Aboth 4, 15 über die Füchse und Löwen gesagt ist, sowie das jer. Sanh. IV, 22 b. angeführte