Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1804 folgende bekannte Fabel erwähnt, in welcher ein Kameel für die ihm abgehauenen Ohren Hörner haben will.'^a) Schließlich sei noch folgende Fabel2") erwähnt: Ein Sisyphus-Vogel. Ein Vogel hatte sich am Strand des Meeres sein Nest gebaut. Als aber einmal das Meer über seine Ufer trat, ward sein Nest überschwemmt. Der Vogel mochte darob nicht verzweifeln, sperrte vielmehr sein Schnäbelchen auf und warf das aufgefangene Schlückchen Wasser auf das Trockene. Sein Nachbar, der sein wiederholtes Treiben beobachtete, fragte ihn neugierig: „Womit mühst Du Dich ab?" — „Nicht will ich, erwiederte jener, racherfüllt, von hier weichen, als bis ich das Meer zum Trocknen umgewandelt." — „Da darfst Du lange warten, Du großer Thor!" — Nicht weniger als dieser Vers, welcher das eitle Beginnen Haman's, Israel zu vernichten, beleuchten soll, sind auch eine Reihe anderer, sog. heiliger Fabeln, welche zur Erläuterung des Schristwortes dienen, hier eig. erwähnenswerth. So z. B. der Mond vor Gott, sich darüber beklagend, daß er nur in der Nacht die Herrschaft am Firmamente dienen solle; 2) die Sonne und der Mond, als Anwälte Moscheh's bei dessen Bestrafung. Sic wollen ihre Funktionen in der Welt einstellen, wenn Gott ihren Clienten (Moscheh) nicht zur Rechtfertigung zulasse; 3) Noah und der Rabe. Letzterer stellte seinen Herrn darüber zur Rede, daß er gerade ihn und nicht einen anderen der reinen Vögel zur Kundschaft ausgesandt lt. a. m.2l) Interessant ist besonders das Alphabet vor Gott?2) Gin jeder der Buchstaben sucht für sich den Ruhm aus den: Vorrecht geltend zu machen, als Mittel und Werkzeug bei der Schöpfung zu dienen. Alle werden abgewiesen. Nur das Aleph hatte geschwiegen. Und Gott tröstete den einsamen, sich ohnmächtig sühlcnden Buchstaben, indem er die Einheitlichkeit seiner Zahlcngröße mit Seiner eignen, der göttlichen Einheit vergleicht. — Hieran schließen sich noch ähnliche Buchst ab eng es Prä che, die wir aber übergehen müssen. Sie sind auch in anderen Sprachen, besonders in der verwandten samaritanischen ausführlich behandelt.2") Wir lassen ferner Sprüchwort, .welches das Gegentheil besagt. [N’fiC wpn? 33* $Oi L'dppp PNI »in icnI Zur angeführten Erklärung B's. vgl. noch Heller (tr'Pn) zn Ab. 4, 15 (auch erwähnt Sanh. 37a.). In Aboth di R. Nathan, cap. 29 Ende, ist der Ausspruch des t£Pn p N'no P dem priL*’ P DH32 p zngeschrieben, in der 2. Lesart (cd. Schechter, Cap. 34, p. 38 a.) jedoch gleichfalls NPD P. 19a.) Sanh. 106a. unt. Von Mar Sutra b. Tobia im Namen Ra b's. Auch im Midr. Lek. tob. ^Pesikthe sutr.) des R. Tobia b. Elieser, p. 139 a. unt. Vgl. Berachj ah ha na kdan , Nr. 89. 20) Midr. Abba Gorion, e<l. Buber 12 a.; lekach tob zu Esth. p 49 b. und Midr. 'nnN P. 23 b. An den beiden ersten Stellen ist R. Lcvi als Autor genannt. 21) Vgl. Back in der Mtsschr. 1880, 1881, 1883,1884. 22) Back, Mtsschr. 1881, S. 407 sf. Ein Anklang an die pytha go rätsche Zahlentheorie in der Weltschöpfung scheint mir hier nicht zu verkennen sein. 23) Vgl. .ft. Baneth, des Samaritaners Margah an die 22 Buchstaben, den Grundstock der hebr. Sprache, anknüpfende Abhandlung. Berlin 1888. S. 18 ff. E. Munk, des Samar. Margah Erzählung über den Tod Moses. Berlin 1890. S. 8 ff. diejenigen Erzählungen außer Acht, welche nur solche Gespräche enthalten, wie sie z. B. Moscheh mit dem Meere hatte, als sich dieses beim Auszuge der Kinder Israels spalten sollte, oder Josua mit der Sonne, als er ihren Untergang verhindern wollte, um den Kampf gegen die Emoriter zu Ende zu führen, und schließen somit jene Periode ab, die wir als die der altjüdischen Fabel bezeichnen zu dürfen glaubten. In aller Kürze sei noch darauf hingewiesen, daß wir in den altjüdifchen Literaturwerken gar häufig einer Symbolisirung der einzelnen Völker begegnen, indem diese bald Thieren, bald Pflanzen, bald Mineralien verglichen, so Syrien mit einer Ziege, Persien mit einem Widder, Israel mit einer Taube, oder Egypten bald mit dem Fuchs, bald mit Stoppeln u. s. w. Das ist ein hervorragender Beweis für den überaus phantasievollen Geist der Orientalen und liefert einen charakteristischen Anhaltspunkt für die kritische Beurtheilung der Entstehung der Fabeldichtung. Wir haben gesehen, daß ihr heute nur noch fragmentarischer Charakter reichhaltig genug ist, um zu zeigen, wie lebhaft sich die altjüdische Gelehrtenwelt für ihn erwärmte, zumal er, wie die Agadah überhaupt, einen hohen pädagogischen Werth aufwies, und in diesem einzigen erziehlichen Streben lebten und wirkten die Weisen unsrer, d. h. der jüdischen Vergangenheit. Und wie hoch auch das Studium der Hnlachah angeschlagen wurde, so standen doch die hervorragendsten Geistesheroen jener Zeit, wie Hillel, N. Jochanan b. Sakkai, R. Josna b. Chananjah, R. Simon b. Jochai, R. Meir und viele Andere nicht an, auch die Bedeutung der Fabeldichttrng in ibrern Werthe zn schützen und für ihre belehrenden Vorträge zn verwenden. Indem ich nunmehr meine Ausführungen schließe, darf ich vielleicht die frohe Erwartung aussprechen, in manchen Kreisen wiederum etwas Interesse für die leider allzu arg vernachlässigte, aber durchaus reichhaltige Literatur des jüdischen Volkes geweckt zu haben; und wie schön, nein, wie pflichtgemäß ist es, daß wir das geistige E r b e der Nation f e ft h a l t e n u n d p f l e g e n, deren Kinder wir alle s i n d! 2‘) 24) Folgendes sei hier noch berichtigt und ergänzt: Zu Nr. 2, S. 37b., Anm. 5. Das Citat findet sich auch 2 Chron. 25, 18, was bisher nicht beachtet worden. — S. 38, Sp. 1, Zl. 35 v. o. ist vor „Mas chel" 3000 ausgefallen. — Das. Zl. 40 l. „Königen". — Sp. 2, Zl. 25 l. QPjntt' st. ntw; Zl. 27 pDHP ft. JD3P. — ib. Anm. 9, Ende, l. ogl. st. auf. — ib. Anm. H ist einmal „noch früher" zu streichen. — S. 39, Sp. 1, Zl. l. Makk. 8 a. st. 12 a. Das fragl. Wort ist im Talmud NDN3P, bei Raschi ND3D und von Rabb- Chan. HDDD geschrieben. Vgl. auch Sabb. 67 a. — ib. Anm. 12 l. „s. des." st. „1 bes." — Zu den Fabeln in dir. 42, S. 797 vgl. noch die „Eselsfabel" in Lev. r. 15, 5. Tie Pflichttreue, welche dem Esel nachgerühml wird, äußert sich in der talmudischen Erzählung, wonach ein Langohr nicht früher in den Stall gehen wollte, als bis ein Arbeiter ein Paar Schuhe abgenommen, die er auf dem Rücken des Esels hatte liegen lassen. Zur Fabel: Der Esel als Zöllner, in der wir Aegyptens König mit einem Esel verglichen sehen, ist noch aus Echa rabbathi I. § 37 (ed. Wilna 16 a. hinzuweisen, wo es unter Hinweis aus Ezech. 23, 20 (vgl. auch V. 27) heißt: D’^unn tu mnp run: DP’orP. — Verantwortliche Redaction für die „Wissenschaftliche Beilage": vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.