Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1792 in keinerlei Weise meinem Vater an die Seite setzen kann." „Das ist allgemein bekannt", warf der Oberhoffaktor dazwischen. „Mein Vater zählte ebenso wie Onkel Elkan zu den reichsten Juden Deutschlands. Beide Brüder hatten vom Großvater Henoch ein großes Vermögen geerbt, eine große Mitgift erheirathet; aber während Onkel Elkan sein reiches Einkommen dazu verwendete, Ehren und Ehrenstellen zu erlangen, ein fürstliches jHaus zu führen, glänzende Feste, denen der Markgraf, die Minister, oer Landesadel, anwohnten, zu geben, war mein Vater dem Stande seines Vaters treu geblieben, war früher Rabbiner in Jdstädt, dann in Fürth, lebte nur seinem Gotte, seinen Glaubensgenossen, der leidenden Menschheit. Mein Vater besitzt einen immensen Schatz an religiösem und profanen Wissen und es liefen bei ihm aus allen Theilen der Welt und von den vornehmsten Rabbinern Anfragen in religiösen Angelegenheiten ein. Er besitzt einen durchdringenden Verstand, vermag sich rasch ein wichtiges Urtheil zu bilden, allein da er sich in feinem Denken und Streben stets nur dem Höheren zu, sich von den materiellen Lebensverhältnissen aber abwendet, ist er ein unglaublich unpraktischer Mensch geworden, der, wenn es sich um das Interesse Anderer handelt, energisch aufzutreten vermag, in seinen eigenen Angelegenheiten aber unbeholfen ist, förmlich hilflos erscheint. Seine Frömmigkeit ist in der That nicht zu schildern er besitzt eine hinreißende Rednergabe; die reichste gediegene Gedankenfülle, die vortrefflichste Ausdrucksweift wird durch ein klangreiches, biegsames Organ, die Macht seiner durch den Eindruck seiner gewinnenden Persönlichkeit, durch seintmponirendes Aeußere in hohem Grade unterstützt. Allein, wenn mein Vater auch nicht alle diese Vorzüge besessen, wenn er ein Unwissender, wenn er ein Heide gewesen wäre, würde er als edler, opferwilliger, selbstloser Mensch eine bewundernswürdige Erscheinung bilden. Mein Vater ist ein Mann, der sich — verzeihen Sie der vergötternden Sohnesliebe die kühne Behauptnng — Ihnen, Herr Oberhoffaktor und Oberrabbtner, der Sie ein Schmuck der Judenheit, eine Zierde der Menschheit sind — würdig an die Seite stellen kann. Um keinen Zug in dem Bilde meines Vaters auszulassen, will ich noch hinzufügen, daß er auch der zärtlichste Gatte und Vater ist. Er erfüllte jeden Wunsch meiner Mutter, den er ihr nur von den Augen ablas, und für das Wohl seiner Kinder war ihm kein Opfer zu groß. Während er die ganze Zeit, in soferne sie nicht von seinen Rabbinatspflichten in Anspruch genommen wurde, in einer ärmlichen Klause dem Studium der Gotteslehre widmete, wohnte seine Familie in hohen luftigen, glänzend geschmückten Räumen, — während er aus Frömmigkeit, wohl auch ans dehmuthsvoller Begnüglichkeit, nur an Sabbaten und Feiertagen, wo dies durch religiöse Vorschrift geboten ist, Fleischkost genoß, sonst sich in Speis' und Trank weit mehr einschränkte, als der ärmste der zahllosen Bettler, die er mit königlicher Großmuth beschenkte, — war unsere Tafel, an der sich stets Gäste, zumeist durchreisende Gelehrte und Bachurim befanden, mit den auserlesensten Gerichten reich besetzt. Die Mutter und wir Kinder gingen stets prächtig gekleidet, meine Schwester und ich, wir wurden wie Fürstenkinder erzogen, wir wurden in fremden Sprachen, in allem Wissenswerthen unterrichtet. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Kuchhandrt M bestehen bet E. ß. Kleinacker, Keipstg, Uoßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactio« eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (.Hauptblatt): Leitender Artikel: Israel, das Volk der Ethik. Zu Paraschath Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Marburg. Köln. Stuttgart. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pest. — Frankreich: Paris. — Türkei: Monastir. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Der Gesang im Gottesdienst. Von Dr. A. Ackermann (Forts.). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Marburg. Arnswalde-Friedeberg. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Inhalt der wifsenschaftl Beilage: Aus dem Reiche der altjüdischen Fabel. Von Bernhard Königsberger. Verantwortliche Redacfion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuckdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen. WM- Da es der Umfang unserer heutigen „Wissenschastl. Beilage" nicht gestattet, können wir den Literaturnachweis, welchen uns Herr Dr. B. Königsberger zu seinem Aufsatze „Aus dem Reiche der altjüdischen Fabel" nachträglich eingesandt hat, erst in der nächsten „Wisst Beil." veröffentlichen.