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Der Israelit · 1892-11-28 · Heft 94 (28.11.1892) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 94 (28.11.1892)
Date
1892-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1788 Willen des Dr. Ephraim nicht in Frage) verwendet werden sollen. Nach Abzug der Legate beträgt der reine Nachlaß des Dr. Ephraim 1252000 Mark. Marburg. Am Montag sprach im „Verein für indische Geschichte und Literatur" Herr Provinzialrabbtner Dr. L. Munk v. hier, der erste Redner dieses Winterhalbjahres, über: Ackerbau und Handwerk unter den Juden in Vergangenheit und Gegenwart. Er widerlegte durch Bibel- und Talmudstellen, geschichliche Dokumente und statistische Angaben den von antisemitischer Seite so unverdrossen erhobenen und wiederholten Vorwurf, als scheue der Jude die körperliche Arbeit. Im Gegentheil: Palästina war bis zur Zerstörung Jerusalems ein Agrikulturstaat, und die Phönizier dominirten allen Handel, obwohl keine Küste sich besser als die Palästinensische zur Schifffahrt geeignet hätte. Erst die Absperrung von Grundbesitz und die Ausschließung von den Handwerker-Zünften, wie sie in der christlichen Zeit allmählich sich entwickelten, trieben die Inden zum Handelsgewerbe. Seit der Aushebung dieser Beschränkungen wendet sich die israelitische Bevölkerung auch wieder dem Ackerbau und der Gewerbthätigkeit zu. Die Ackerbaukolonien in Rußland, Palästina und Amerika zeigen eine gesunde Entwicklung. Der Vortragende fand lebhaften Beifall. Köln, 21. Nov. Der „Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" hielt gestern im Gürzenich eine Hauptversammlung. Der Vorsitzende, Herzseld-Düsseldors, erstattete Bericht über die Lhätigkeit des Vereins, der im lausenden Geschäftsjahre wieder über 80 Knaben zu Handwerkern heranbilden läßt. 21 dieser Lehrlinge unterstehen der Kölner Abtheilnng des Vereins, die Hälfte der Knaben wohnt in den Lehrlingspcnsionen in Düsseldorf und Köln, der andere Theil bei den Eltern oder Meistern. Der Verein richtet sein Augenmerk auch daraus, Knaben aus ländlichen Bezirken, welche andernfalls nur zu leicht deni so heftig bekämpften Hausir- und Kleinhandelgewerbe zngefnhrt werden könnten, in seine Dbhut zu nehmen. Leider stehen die verfügbaren Geldmittel in keinem Verhältnisse zu denan den Verein gestellen Anforderungen, so daß sich der Vorstand, der mit schwerem Herzen viele Anmeldungen auch in diesem Jahre schon znrückweisen mußte, einem nicht unerheblichen Fehlbeträge gegenüber findet. Die Versammlung erkannte die Notwendigkeit an, die weitesten israelitischen Kreise für die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereins zu gewinnen und eine Anregung durch den geschäftsführenden Ausschuß einleiten zu lassen. Stuttgart. In den Tagesblättern lassen sich vereinzelte jüdische Stimmen vernehmen, die einer Reform des jüdischen Gottesdienstes das Wort reden. — Man traut seinen Augen kaum; in Württemberg reformiren!? In Württemberg, wo die Reform ü outrance schon länger als ein halbes Jahrhundert das Heft in Händen hat, wo alles positiv Jüdische so von den Parteigängern eines rücksichtslosen Reformjudenthums bereits unterdrückt und geächtet ist, daß unser jüngstverstorbener Pontifex Maximus noch sieben Tage vor seinem Tode ein Gutachten über den Talmud abgeben konnte, das seinen Verlästerern die Freisprechung einbrachte, in Württemberg, was sollte es da noch zu reformiren geben? Wenn die Reform selig, jüdisch, religiös macht, so hätte sie es in ihrer Hochburg, in Württemberg, wie nirgends sonst durch die That beweisen müssen. Und wenn man nun nach mehr als SOjährigem Laviren und Reformiren, immer wieder nach neuen Reformen ruft, so müßte doch auch der Blindeste endlich zu der Einsicht gelangen, daß auf diesem Wege für das Judenthum nichts zu wollen ist. Wenn daher auch kein vernünftiger Mensch solche öffentliche Anzapfungen ernst nehmen kann, so bieten sie doch insofern ein Interesse, als sie einen Reflex auf die Art und Weise werfen, wie sich in den Köpfen eines Theils unserer Rabbiner ihr Judenthum ausnimmt. — Da macht ein solcher in der „Schwäbischen Kronik" folgende Allüren geltend. „Die gewünschte Reform darf sich nicht bloß „auf die Form und äußerliche Dinge beschränken, „vielmehr muß sie sich aus das Wesentliche und „den inneren Gehalt des Glaubens erstrecken, „wenn anders das Judenthum eine Zukunft „haben, eine Lehre fürs Leben sein und bleiben „soll." Bleiben soll? Also ist sie bereits eine Lehre für das Leben; zu was in aller Welt sollte das dann wegreformirt werden? Wenn sich die gewünschte Reform nicht bloß auf die Form und äußerliche Dinge beschränken soll, so bescheinigte der neue Reformator, daß die bisherige Reform sich wohl auf die Form un^ äußerliche Dinge beschränkt hat- Das Bekenntniß verdient festgenagelt zu werden und ebenso diese wunderschöne Methode, mit der sich unsere Reformer gegenseitig selber abthun. Wegen der Zukunft des Judenthums braucht sich der gute Mann keine Schmerzen zu machen. Es hat schon andere Käuze überdauert. Die vorgeschlagenen Mittel zur Sicherung der Zukunft des Judenthums sind: 1) An Sonntag etwa um 11 Uhr Vormittags oder während des allgemeinen Kirchenbesuchs einen Gottesdienst in deutscher Sprache einzuführen. Wäre der Zukunft des Judenthums nicht besser gedient, wenn man die Juden direkt in die Kirche kommandirte. da dann die gewissenhafte Einhaltung der Kirchenzeit am besten garantirt ist? Da ferner das Judenthum auch Bekenner außerhalb Deutschland hat, so wird man, um dort seine Zukunft zu retten, z. B. in England, Frankreich, Rußland rc. wohl auch englisch, französisch und russisch den Gottesdienst gestalten müssen. Wir machen nur wegen der Correktheit des Ausdrucks darauf aufmerksam, für den Fall der neue jüdische Luther

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