Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1787 nes Strebens, seines Kämpfens, seines Duldens und Leidens; das seine Aufgabe, seine Bestimmung. O! mögen bald die jüdischen Sttlenlehren, die Ethik Israels, die Tugend- und Moralgesetze unserer heiligen Thora allenthalben zur Geltung und zur Betätigung kommen, dann ist auch Israels Beruf auf Erden erfüllt und die Erlösung der Menschheit ist gekommen. Zeituugsnachrichteu und Gorrespoudeuzeu. Deutschland. Berlin. Wie sich die Zeiten ändern. Unter dieser Spitzmarke habe ich in Nr. 83 auf die Wandelung hingewiesen, die sich bei den Gevattern des Reformjudenthums seit zwei Dezennien geltend gemacht hat, und habe dies an einem beliebig heraus^ gegriffenen Beispiel, an der Stellung der Augsburger Synode zu der Chaltza tllustrirt. Im Grunde genommen, hat diese Wandelung an und für sich nichts auffallendes. Wenn die alten, ehrwürdigen Satzungen der Bibel und des Talmud so schlankweg geändert werden können, warum sollte ein Reformrabbiner selber mit seinen Ansichten, Standpunkten, Prinzipien und wie die Steckenpferde alle heißen, eine verknöcherte Stabilität repräsentiren, und nicht wenigstens alle zehn bis zwanzig Jahre seinen Geschmack, wie jede Mode, wechseln dürfen? Aber die Zeiten haben sich so gewaltig geändert, daß die Faiseure von 1872 ihr damaliges Thun gern als gar nicht geschehen darstellen möchten, und jedenfalls nicht gern an ihre Thaten von anno Augsburg erinnert sein wollen. Da man das aber nicht so ohne weiteres wegdekretiren kann, wie z. B. Mizwas Chaliza, so kommen bei diesem kindlichen Bestreben, die Thatsachen zu leugnen, oft sehr amüsante, lyrische Sprünge und Eiertänze vor, wie sie z. B. Herr Dr. Wiener, Rabbiner in Oppeln, in der jüngsten Nr. der „Allg. Zeitung des Judenthums" zum Besten gibt. Ich habe im „Israelit" über Herrn Dr. Wiener folgende zehn Worte geschrieben: „Herr Dr. Wiener hat den Akt (der Chaliza) sogar als unsittlich erklärt." Das kann Jeder in den „Verhandlungen der zweiten israelitischen Synode zu Augsburg" (Berlin, Gerschel 1873) schwarz auf weiß Nachlesen. Dort refertrt Herr Dr. Wiener, S. 145, wörtlich: „Ich perhorreszire das ins Gesicht Speien, und das vor Jemand Ausspeien, ich perhorreszire das Schuheausziehen und finde das unsittlich und erkläre, daß ich nie und nimmermehr einen Akt vornehmen werde, der die Religion zum Gespötte und Gelächter macht." Da meint nun Herr Dr. Wiener in der „Mg. Ztg. d. I.", der Bericht des „Israelit" sei nicht ganz wahrheitsgemäß abgefaßt. Das Augsburger Protokoll gäbe die Verhandlungen nicht ganz correet wieder. Er habe dort nur die Auslaffungen eines Dritten und zwar eines „Laien" wiedergegeben, die er nun in der „Allg. Ztg. d. I." wörtlich folgen läßt, aber mit dem Pferdefuß: „Ich stimme mit der Erörterung schlichter Laien ganz überein." Wenn das der Fall ist, was hat nun Herr Dr. Wiener dementirt? Das Protokoll gibt den Sinn des Wiener'schen Referats ganz korrekt wieder. Nur ist die Form dort viel milder als das, was nach 22 Jahren Herr Dr. Wiener durch seinen Gewährsmann sagen läßt, dem er dazu noch ausdrücklich zusttmmt!! Aber es ist doch schön, daß Herr Dr. Wiener das, was er tatsächlich in Augsburg gesagt hat, auf einen Anderen abzuladen sucht. — Diese „Selbstverleugnung" ist ein neuer Beweis dafür, wie sich doch die Zeiten ändern. Berlin. Fürst Bismark hat sich in jüngster Zeit wiederholt dahin geäußert, daß es in Rußland besonders die Polen und Juden seien, welche in der Presse den Krieg gegen Deutschland schürten. Diese Behauptung bezeichnete der Antisemit Dr. Erwin Bauer in der Versammlung des deutschsozialen Reformvereins zu Leipzig vom 11. November als falsch. Der Redner, ein ebenso glühender Verehrer Bismarks, wie. als geborener Deutschruffe genauer Kenner der russischen Verhältniffe, sagte: „Die Polen sind nicht, wie Bismark meint, die Kriegsschürer, den Kriegsminister Wannowski hat er ganz ungerechtfertigter Weise einen Polen genannt, er ist ein guter Russe und gehört zu den fanatischsten Panslavisten. Auch der Einfluß der Juden in der russischen Presse ist verschwindend klein. In keinem einzigen wirklich guten russischen Blatte ist ein Jude Redacteur, die Russen sind eben von Natur zu gute Antisemiten. Das einzige wirkliche Judenblatt mit lauter jüdischen Redacteuren sind die „Nowosti", und die liest aber auch kein anständiger Mensch. Judenblätter in dem Sinne, wie wir sie haben, wie die „Köln. Ztg." zum Beispiel, solche giebt es in Rußland gar nicht. Der Russe und der Pole aber sind Todfeinde, viele polnische Beamte werden entlassen und die Polen überall zurückgedrängt. Es ist also ein Jrrthum, wenn Bismarck meint, Juden und Polen Hetzen zum Kriege. Sie haben gar nicht die Macht dazu." Berlia, 17. November. Der verstorbene Dr. med. Sigmund Martin Ephraim hatte bekanntlich die hiesige jüdischeGemetndezur Universalerbin seines ziemlich beträchtlichen Vermögens eingesetzt, mit der Bestimmung, daß die Znsen seiner Nachlaßmasse zu wohlrhärigen Zwecken (das Bekenntniß der Nutznießer kommt dabei nach dem