Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1786 seinen Talmud, welcher als Ergänzung der Thora, als Tradition der Gotteslehre nur das lehren kann, was die Gotteslehre bestehlt, noch so viel verleumden und lästern, es hilft nichts, der Klarsehende sieht das Licht unserer Lehre in seinem herrlichen Glanze, der richtig Denkende kann sich ein Urtheil bilden über den moralischen Werth der vielen talmudischen Bücher, welche bis nun in lebende Sprachen übersetzt wurden, und was ist das Resultat? Wie ein gewaltiger Riese überragt Israel alle Völker und alle Zeiten. Sein System veraltet nicht. Es spendet durch alle Jahrtausende großen und mächtigen Nationen seinen Segen, seinen Geist, seine Lehre, seine sittlichen Ideen, seine moralischen Grundsätze. Man mag sich noch so verzweifelt gegen den Gedanken wehren, aber die ganze civilisirte Welt ist von jüdischem Geiste und die Religionen aller Culturvölker von jüdischer Ethik erfüllt. Abgesehen von aller Dogmatik, was ist die christliche Lehre anderes, als vom jüdischen Geiste durchweht, deren Moral die Morallehre Israels zur Grundlage hat? Auch die Ethik des Korans ist nichts anderes als jüdische Ethik. Man klagt in feindlichen Kreisen, die Welt ist verjudet; wer hat denn die jüdische Lehre in die große, weite Welt gebracht? Der Stifter des Christenthums. Freilich, wenn die Welt in diesem Sinne verjudet wäre und allenthalben die jüdische Ethik, die das Christenthum adoptirte, Beherzigung finden würde, dann müßte man nicht, wie es leider heutzutage nöthig ist, gegen Haß und Borurtheil kämpfen, dann würde man auch erkennen, welchen Segen die Welt Israel verdankt und es achten und hochverebren ob seines Glaubens. Aber gerade die größten Wohlthäter der Menschheit werden von der verblendeten, unwissenden und niedrig denkenden Menge am meisten gehaßt und verfolgt, wie die Geschichte gar häufig beweist. Jeder Stand, jede Nation, jede Religion nimmt das Monopol des Edlen und Guten für sich gerne in Anspruch. So sagt der Bürger von sich: bürgerliche Treue; der Deutsche spricht vom deutschen Muth, der Chrrst von christlicher Liebe u. s. w. Der Jude aber sagt mit Recht jüdische Liebe, jüdische Barmherzigkeit, jüdische Sittlichkeit, die seine jüdische Lehre so vielfach lehrt und die er oft auch bethätigt. Der Talmud sagt, das Kennzeichen des Israeliten ist, daß er von den onDn D’jom, Schamhaften, Barmherzigen und Mildthätigen ist; wer diese drei ethischen Eigenschaften nicht besitzt, stammt gewiß nicht von Abraham ab. Da haben wir die Ethik des Talmud in kurzen Worten. Das ist jüdische Lehre, jüdische Züchtigkeit, jüdische Liebe, jüdische Mildthätigkeit. Und wahrlich, wer nicht ganz die Augen vor der Thatsache verschließen will, muß anerkennen, das der Jude einzig in seiner Art dasteht mit seiner Mäßigkeit, mit seiner Züchtigkeit in seinem Familienleben, in seiner großartigen Wohlthätigkett, in der Ausübung von Werken der Liebe und Barmherzigkeit, in seiner Mäßigkeit bei irdischen Genüssen und in seiner Großherzigkeit, wo es gilt das Gute zu fördern. Man beschuldigt einzelne Israeliten niedriger Gesinnung und böser Handlungen und klagt darüber die schuldlose Gesammtheit an. Mögen aber auch Einzelne mit Recht beschuldigt werden, so muß man bedenken, daß selbst der einzelne Mensch verschiedene oft entgegengesetzte Eigenschaften besitzt und nicht vollkommen ist, umsoweniger kann man verlangen, daß eine große Gesammtheit, wo verschiedene Elemente vorhanden sind, gleichzeitig gut und edel immer handeln mögen. Israel bleibt doch iu seiner großen Gesammtheit das Volk der Gotteslehre, das Volk der Ethik, welches der Menschheit die Tugend- und Sittenlehre gegeben; das Volk Israel. Zu dem Verse upjr ny wip» ab „dein Name soll nicht mehr Jakob genannt werden, sagen unsere Weisen: N/N iDipöö 3py’ njw .(«"y no-o) „Nicht, daß der Name Jakob ganz .verschwinden werde, denn wir sehen ja, daß Gott oft auch nachher Israel mit dem Namen Jakob benannte, sondern der Name Israel bleibt der wichtigere und Jakob der nebensächliche Name Israels." In diesem talmudischen Ausspruche liegt der ganze w ltgeschichtliche Beruf des jüdischen Volkes. Auch Jakob ist sein Name, es hat auch die Aufgabe an den materiellen Errungenschaften der Welt theilzunehmen, die irdische Wohlfahrt der Menschheit in der Mitte derselben nach Möglichkeit zu fördern, mit zu arbeiten und mit zu streben für die zeitlichen Güter der Gesellschaft, für den Aufschwung in Kunst und Wissenschaft, in Handel und Gewerbe mitzuthun und etwas zu leisten, wofür es redlich bemüht sein muß, sein bestes Können und seine besten Fähigkeiten einzusetzen, aber fein Hauptberuf, sein Hauptwerk auf Erden ist Israel zu sein, Gottcskämpfer und Gottessieger unter den Völkern zu bleiben, den moralischen und sittlicheu Bestand der Welt durch seine Ethik zu festigen, den Geist Gottes in die Gemüther leuchten zu lassen. Wenn das Licht Gottes, die Erkenntniß und die Sittlichkeit unter den Nationen zu erlöschen droht und die Humanität und die Menschlichkeit in Verfall geralhen, da ist immer das Volk Israel, das Volk der Ethik in seiner Existenz eine Nothwendigkeit um den Gottesgeist unter der Menschheit mit seiner Lehre zu erhalten und ihn immer auf neue anzufachen. Das ist die Bedingung seines Bestandes, seines Seins, das ist das Ziel sei-