Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 94 (28.11.1892)
- Date
- 1892-11-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIII. Jahrgang. M 94. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Indenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Main;. Montag, den 28. November 5653 (1892). Leitender Artikel. Israel, das NolK der Ethik. Zu Paraschath rb&m. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in S ob orten (Böhmen). „Ethik" ist eines der viel genannten Worte unserer Zeit. Zur Pflege der Ethik bilden sich allenthalben Vereine und Gesellschaften. Und während die Einen glauben, ohne jede religiöse Grundlage die Ethik kultiviren zu können, geben Andere sich als neue Erlöser aus, die alle bestehenden Religionen auf dem Boden einer allgemein giltigen Ethik vereinigen wollen. Ueber Ethik werden fortwährend eine große Anzahl Bücher geschrieben und die Ethik des Talmud, die Ethik des Judenthums bildet einen der Hauptangriffspunkte des Antisemitismus. Die in den Schulen eingeführten jüdischen Religionsbücher werden in jüngster Zeit von der preußischen Regierung auf ihren ethischen Inhalt geprüft, da nach Anklage der Antisemiten die Lehren dieser Bücher"nicht mit der christlichen Stttenlehre in Einklang zu bringen wären. Die großen Geister aller Zeiten haben sich mit der Ehtik, das ist mit der Moral oder Sittenlehre der Menschen befaßt. Bon Sokrates bis Fichte', von Aristoteles bis zu den Gründern der Gesellschaft für „ethische Cultur" glaubte Jeder im Besitze der richtigen Auffassung der Prinzipien des sittlichen Lebens zu sein, aber die Geschichte zeigt, wie keines der aufgestellten Systeme dauernde Anerkennung bei den Menschen gefunden und wie gerade diejenigen, welche der Meinung waren, daß sie die bestehenden Systeme weiter ausbauten, zuletzt dazu gelangten, die Lehren ihrer Meister völlig umzustoßen. Suchen wir an der Hand der dieswöchentlichen Sidrah nachzuweisen, daß der Allgntige in seiner Gnade es gewesen, der den Begriff der Tugend und die für dieselben maßgebenden Grundsätze der Welt geschenkt und der sein Volk Israel dazu ausersehen, diesem Begriffe die weiteste Verbreitung zu geben. Es heißt in der Sidrah: apy» ny "jo» Nip1 ab spy' D'p^N b ivxi .7812" IDBf nx Klpl DM’ ^XIB" DN „Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob, dein Name soll nicht mehr Jakob genannt werden, sondern Israel, und er nannte seinen Namen Israel." Als Jakob seine Boten zu Esau schickte, um sich mit ihm zu versöhnen, ließ er ihm sagen: Glaube nicht, daß des Vaters Segen an mir in Erfüllung ging und ich es wirklich zu einer hohen Würde und zu Ansehen gebracht hätte, nein, ich mußte bis nun bei Laban dienen, wo ich mir Heerden erwarb, welche weder vom Thau des Himmels noch von der Fettigkeit der Erde kommen, mit denen mich mein Vater gesegnet hatte, und du hast daher gar keine Ursache, mir zu zürnen. (Raschi z. St.) Danach wäre also Jsaks Segen an Jakob nicht erfüllt worden. In Wirklichkeit aber war dieser Segen gar nicht in diesem Sinne gemeint; er war kein materieller, sondern ein idealer, moralischer Segen und dieser hatte nicht nur für Jakob allein, sondern für alle seine nachkommenden Geschlechter seinen bleibenden, ewigen ethischen Werth. Jakobs eigentliches Streben sollte nicht aus materiellen Gewinn, aus die Erlangung irdischer Größe und Macht gerichtet sein, das war nicht der Zweck seines Daseins, nicht das Ziel seines Ringens, seine Bestimmung war eine weit höhere, göttliche; sein Segen sollte nicht darin bestehen, nem iw b Mi, Heerden zu erwerben, oder awm ik* nvnV, Macht und Gewalt zu üben, sondern Israel, dem Volke der Tugend, der Moral undSittlichkett, dem Volke der Ethik, dem Volke Gottes unter den Völkern derErde sollte er als leuchtendes Vorbild dienen. Und darin erfüllte sich vollkommen und ganz der Segen Jsaks an Jakob. Was heißt denn das Wort „I srael"? Kämpfen und siegen in Gott, für Gott, durch Gott, mit Gott. Man mag noch so viel die ethische Bestimmung Israels leugnen, mag man blind durch Haß und grimmige Feindschaft, durch gelben Neid und Bosheit die Lehre Jakobs, sein Schriftthum,