Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 93 (24.11.1892)
- Date
- 1892-11-24
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1782 gehört, daß ein preußischer Gerichtshof einen Mörder, Räuber oder Meineidigen verurtheilt hat, ohne ihn zu hören? Der Herr hier hat über die Sittenlehren der Juden gesprochen, daß diese den Meineid, Betrug, Mord rc. lehren, und ich bin ein solcher Mann, der seit 22 Jahren das jüdische Sittengesetz gelehrt. — Freilich ist der Talmud kein Gesetzbuch, der Schulchan Aruch kein Katechismus, aber was versteht der Herr davon. Er hat in seinem Leben noch kein Exemplar gesehen. Damit er aber einmal wenigstens den Schulchan Aruch zu Gesicht bekommt, hier ist ein Theil in der Orginalsprache. Nun, lesen Sie nur eine Ziele, nur ein Wort! nicht wahr, das verstehen Sie nicht?" Redner ging sodann auf die wahren Quellen Schwennhagens, besonders auf die Fälscherthätigkeit Aron Brimans ein, und nachdem er dann noch über das Kol nidre und Schefach chamos'cho gesprochen, schloß er mit den Worten: — „Ein Zeitgenosse Ihres Religionsstifters, Rabbi Hillel, lehrte: „Es giebt nur ein jüdisches Hauptgebot, liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", alles Uebrige ist Kommentar — in diesem Geiste wollte und sollte das Christenthum wirken, und wir Rabbiner und Lehrer lehren nichts Anderes." — Weiter kam der Redner nicht, denn einige wüthende Antis gingen mit Stöcken auf ihn los. Die Sache schien nun gefährlich, aber Prediger Wolff blieb ruhig. Sein Muth imponirte dann auch den Gegnern. Man ließ ihn ruhig durch den Saal gehen und Viele riefen ihm ein lautes Bravo zu. — Herr Schwennhagen hatte kein Wort der Entgegnung, soll aber einstweilen auf eine Wiederkehr hierher verzichtet haben. Vermischtes. Berlin, 17. November. In dem neuen Bande der Familienbriefe Moltke's findet sich ein Brief an seinen Neffen vom 12. August 1890, worin Moltke der Ansicht des englischen Theologen Drummond beipflichtet, daß Moslim und Juden ebenso selig werden wie der Christ. In Brüssel ist die Senatorswittwe Frau v. Bischofsheim, die Mutter der Frau Baronin Moritz Hirsch, nach kurzem Leiden gestorben. Frau von Bischofsheim war eine wegen ihres Edelmuthes und ihrer ausgezeichneten Geistesgaben allgemein verehrte Dame, deren Hinschneiden in der Brüsseler Gesellschaft lebhafte Theilnahme hervorrief. Olmütz, 18. November. Der neugewählte Fürst- Erzbischof Dr. Kohn empfing heute die hier befindlichen Oberste und Regiments-Commandantcn, dann eine Abordnung des Bürgercorps unter Führung des Bürgermeisters v. Engel. Ferner wurde eine unter Führung des Vorstandes Ed. Hamburger und des Rabbiners Dr. Oppenheim erschienene Deputation der israelitischen Cultusgemeinde empfangen. Der Fürst-Erzbischof sagte, es freue ihn sehr, daß auch Angehörige der israelitischen Cultusgemeinde ihn beglückwünschen und daß er dessen stets eingedenk sein werde. Ralivor, 4. November. Das Süßbach'sche Ehepaar feierte in seltener geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Brünn, 12. Nov. Die Brünner Handels- und Gewerbekammer hielt heute eine feierliche Sitzung, um den zum Herrenhausmitgliede ernannten Kammer-Präsidenten Ritter v. Gomperz zu beglückwünschen. Bice-Präsident R. v. Schoeller gab der Frende über die hohe Auszeichnung des langjährigen Präsidenten der Kammer Ausdruck. Diese Auszeichnung sei auch eine Auszeichnung der Kammer, der Industrie, des Handels und Gewerbes im engeren Vaterlande Mähren. Die Berufung des Ritter v. Gomperz, der sich in der hervorragendsten Weise um die industrielle und kulturelle Entwicklung der Stadt Brünn und des Landes verdient gemacht hat, habe in allen Kreisen die vollste Sympathie gefunden. Im Landtage und seit 1872 im Abgeordnetenhause habe R. v. Gomperz stets das Interesse der Kammer in der ausgezeichnetsten Weise vertreten. Namens der Kammer beglückwünschte Redner den Präsidenten und brachte ein dreifaches Hoch auf ihn aus, in welches die Versammlung einstimmte. Der landesfürstliche Commiflär Statthaltereirath Freiherr v. Hein pries die unparteiische und musterhafte Leitung der Kammer durch R. v. Gomperz und hob hervor, daß sich die Gutachten derselben durch Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit auszeichnen. Er sprach in seiner Eigenschaft als landesfürstlicher Commiflar dem Präsidenten seinen Glückwunsch aus. R. v. Gomperz dankte und hob hervor, daß die ihm gewordene Auszeichnung nicht seiner Person gelte, sondern der Kammer, die jederzeit dem Interesse der Allgemeinheit gerecht geworden ist. Mit Wehmuth verabschiede er sich als bisheriger Abgeordneter der Kammer, wobei er sich bewußt sei, daß er stets in ungetrübtem Einklänge mit der Kammer gewirkt und auf politischem und wirthschaftlichem Gebiete stets nur den Weg wandelte, der von der Kammer als der richtige anerkannt wurde. Er werde jederzeit die politischen Grundsätze der großen Partei, der er seit Beginn seiner öffentlichen Thätigkeit angehörte und auch künftig unverrückt angehören wird, festhalten. Mit einem Hoch auf den Kaiser schloß Redner seine Ausführungen. Die Versammlung stimmte in diesen Hochruf ein. M n f z i ö e «♦ Für den folgenden Theil ist die Redaetion nicht verantwortlich. Pensionat «nd höhere Töchterschule Fräul. Jenny Lehmann, Hannover. 3 Rrrmaustraße 3. Gründlicher Unterricht in allen Wissenschaften, Sprachen, Handarbeiten und Musik. Auleitu «g im Haushalte. Prospekte durch die Vorsteherin. (6733 8^-——,... .—.., ——... — - CS ÜW“ Heirathen werden durch eine vertrauenswerthe Dame, die in allen jüd. Kreisen bestens eingeführt, streng diScret und gewissenhaft vermittelt. Briefe unter Ll. 123 postlagernd Würzburg erbeten. (5285